[Rezension] You will be the death of me von Karen M. McManus

Die Bücher von Karen M. McManus lese ich prinzipiell sehr gerne – bisher waren sie meistens entweder ein Hit oder Miss und hier muss ich leider sagen, dass mich das Buch bei weitem nicht so begeistern konnte wie erhofft. Vielen lieben Dank an das Bloggerportal und den cbj Verlag für das Rezensionsexemplar.

Das Buch ist 2021 mit 416 Seiten erschienen. Darum geht es in You will be the death of me:

Drei ehemalige Freunde. Ein Zufallstreffen. Ein Mord.

Ivy, Mateo und Cal waren einmal befreundet, jetzt haben sie nichts mehr miteinander gemein. Aber als Cal zu spät zur Schule kommt und dort auf Ivy und Mateo trifft, scheint das die Gelegenheit zu sein, eine alte Tradition wiederaufleben zu lassen: einen Tag blau machen. Bei ihrem spontanen Ausflug in die Stadt sichten sie einen vierten Schüler auf Abwegen und folgen ihm – mitten hinein in einen Tatort. Ivy, Cal und Mateo kennen den Toten, der vor ihnen liegt – und eigentlich sollten sie jetzt die Polizei rufen. Doch sie alle haben eine Verbindung zu dem Toten. Und etwas zu verbergen. War ihr Zufallstreffen wirklich ein Zufall? (Quelle: Cbj Verlag)

Charaktere, die kaum miteinander reden

Ein gutes Buch steht und fällt für mich mit den Charakteren. Ich muss sie nicht sympathisch finden, aber ich muss mit ihnen mitfiebern können, mich für sie und ihre Geschichte interessieren. Das Buch wird wie alle Bücher der Autorin mit mehreren Perspektivfiguren erzählt. Ivy will immer die Beste sein, womit sie ihre Unsicherheit kaschiert. Cal ist einsam und verloren und verbirgt ein Geheimnis. Mateo hat mehrere Jobs, um seiner kranken Mutter zu helfen. Die drei waren früher befreundet – zwei von ihnen sogar mehr als das. Zu Beginn des Buches fand ich alle für sich genommen zunächst interessant und ich fand es auch spannend, zu erfahren, wie sie freundschaftlich (und romantisch) immer mehr zurück zueinander finden. Das Problem: Früher oder später hatte ich bei allen von ihnen lang anhaltende Momente, in denen sie mich nur genervt haben. Mehrmals habe ich nachgeschaut, wie alt sie sein sollen und mich bei dem Gedanken erwischt, ob ich vielleicht zu alt für Jugendthriller geworden bin. Die Betonung liegt für mich hier wirklich auf dem JUGEND, den als Thriller empfinde ich das Buch in erster Linien nicht. Die Handlungen der drei haben mich weitestgehend genervt, weil viele ihrer Probleme darauf basieren, dass sie nicht miteinander reden. Oder sich anschreien und dann abhauen. Es gibt es eine Szene, in der Ivy eine Nachricht bekommt, dass sie diese auf keinen Fall ignorieren darf und sich ein Video angucken soll. Was macht sie? Schaltet das Handy aus, ohne die Nachricht/das Video zu sehen/beantworten. Ich mag es generell nicht, wenn Charaktere nicht miteinander reden, weil das die einfachste und zugleich für mich als Leserin nervigste Art ist, Konflikte zu erzeugen. Cal, Mateo und Ivy reden nicht richtig miteinander oder mit Mitschüler*innen oder Eltern/Lehrer*innen oder der Polizei oder sonst wem, sondern beschließen innerhalb eines Tages, selbst zu Detektiven zu werden und den Mordfall zu lösen. Das hat mich beim Lesen sehr frustriert.

You will be the death of me

Wenig Zeit für Entwicklungen und Nuancen

Die Geschichte spielt (angelehnt an den 80er Jahre Klassiker Ferris macht blau) im Laufe eines Tages und in der (Kleinstadt?) Carlton sowie in Boston. Ich hatte beim Lesen Flashbacks zu One of us is lying, weil der Handlungsort sehr komprimiert ist. In Gegensatz zu anderen Büchern der Autorin (wie Two can keep a secret und The Cousins) hatte ich nicht das Gefühl eines lebendigen Ortes, sondern eines beliebigen Settings, das es für den Plot braucht. Durch die kurze Erzählzeit ging alles sehr schnell, sodass viele Entwicklungen, Gefühle und Themen nur oberflächlich behandelt wurden. Ich möchte nicht spoilern, aber gerade bei einem Thema, das am Ende in etwa einem Satz aufgegriffen wird, hätte es aufgrund seiner Wichtigkeit meiner Meinung nach viel, viel mehr Platz gebraucht, um anständig darauf einzugehen.

You will be the death of me Buchrücken

Fesselnder Schreibstil zum Weiterlesen

Das Ende war für mich nicht ganz aufgelöst und bietet Raum für eine Fortsetzung, aber da nach meinem Kenntnisstand das Buch ein Einzelband ist, hat mich das Ende sehr unbefriedigt zurückgelassen. Gerade bei einem Thriller möchte ich, dass alle Handlungsstränge vernünftig aufgelöst werden. Mit dem Plot und dem Mord konnte ich leider auch nicht viel anfangen, weil das Thema generell nicht meins ist, ich mag persönliche/emotionale Motive mehr und die (bereits seit Beginn offensichtlichen) Täter waren für meinen Geschmack dafür, dass sie so wichtige Charaktere sind, sehr eindimensional und oberflächlich. Trotz meiner ganzen Kritikpunkte habe ich das Buch fast in einem Rutsch durchgelesen, weil Karen M. McManus einen super Schreibstil hat, der fesselt. Selbst als ich die Charaktere nicht mochte und die Geschichte nicht spannend fand, wollte ich nicht aufhören zu lesen und wissen, wie es weiter geht. Alle ihre Bücher haben einen flüssigen Schreibstil und lassen sich gut lesen. Nur macht das für mich kein gutes Buch, wenn mich Charaktere und Plot nicht begeistern können.

„Ich gehe“, sagt Ivy.

Ich zucke gleichgültig mit den Schultern. „Das hier ist nicht der Logan Airport. Du brauchst deinen Abflug nicht anzukündigen.“

You will be the death of me, S. 317.

Fazit

Ich denke, wer die mittlerweile immer ähnliche Struktur von Karen M. McManus Büchern mag, könnte auch mit diesem Buch zufrieden sein. Mich konnte You will be the death of me leider nicht wie erhofft überzeugen und ich weiß noch nicht, ob ich ihr nächstes Buch lesen werde oder ihrer Zielgruppe entwachsen bin.

Weitere Bücher der Autorin


Ein Gedanke zu “[Rezension] You will be the death of me von Karen M. McManus

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s