[Rezension] Das Leben ist zu kurz für irgendwann von Ciara Geraghty

Das Buch startete für mich sehr stark, doch mit steigender Seitenzahl flachte diese Begeisterung für die Charaktere, den Plot und den Schreibstil etwas ab. Insgesamt war es für mich ein gutes Buch, dass ich weiter empfehlen würde, aber kein großes Highlight, wie ich anfangs erwartet habe. Vielen Dank an das Bloggerportal und den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar! Das Buch ist dieses Jahr erschienen und darum geht es:

Terry und Iris sind beste Freundinnen und würden durchs Feuer füreinander gehen. Aber Iris ist krank. So krank, dass sie sich heimlich entschließt, ihr Leben in der Schweiz zu beenden, solange sie es noch kann. Als Terry feststellt, dass Iris auf dem Weg dorthin ist, zögert sie keine Sekunde. Mit ihrem betagten Dad im Auto holt sie Iris gerade noch am Hafen von Dublin ein. Die drei begeben sich auf eine abenteuerliche Reise durch England und Frankreich, und was die schlimmsten Tage in Terrys Leben hätten werden können, werden ihre besten. Denn durch Iris entdeckt sie ungeahnte Seiten an sich – und dass es ein Geschenk ist, unser Leben zu leben, jeden Tag und bis zum letzten Tag.

Triggerwarnung: Demenz, MS, Sterbehilfe/Suizid

Ein toller Schreibstil ist nicht alles

Zu Beginn des Buches war ich schnell verzaubert von Ciara Geraghtys schönem Schreibstil, weil die Autorin es geschafft hat, mir die Charaktere schnell nahe zu bringen. Ich hatte sofort Bilder im Kopf und Kopfkino ist gerade zu Beginn immer gut. Der Schreibstil verzichtet auf viele Metaphern und ewig lange Sätze, ganz im Gegenteil, manche Sätze lesen sich eher wie Aneinanderreihungen von Gedanken. Dabei wurden gleichzeitig auf überflüssige Umschreibungen verzichtet, alles wird auf den Punkt gebracht und darüber hinaus viel über die Charaktere und auch ihre Beziehungen untereinander wiedergegeben. Leider verblasste genau diese Begeisterung für den Schreibstil im Verlauf des Buches. Ich glaube, dass es mir als Essay oder eine Sammlung davon sehr gut gefallen hätte. Aber ab etwa der Hälfte der Geschichte empfand ich den Schreibstil eher als ermüdend und distanziert als wunderschön. Am Anfang ist es nämlich noch spannend und interessant, dass die Autorin so nah an den Charakteren ist und gleichzeitig weiter weg an der Handlung. Der Stil glich für mich eher einer Nacherzählung. Mir wird erzählt, was passiert, aber ich bin nicht direkt mitten im Geschehen. Als Leserin war ich mehr Zuschauerin als Teilnehmerin und damit habe ich im Verlauf des Buches immer weniger am Stück gelesen.

„Iris hat keine Anwandlungen, sondern grundsätzlich Pläne.“

S. 30

Wichtige Themen mit vielen Facetten

Inhaltlich und thematisch hat mir im Buch sehr gut gefallen, wie mit drei wichtigen und zugleich auch schwierigen Themen umgegangen wurde: Demenz, MS und Suizid. Das mag in Kombination vielleicht etwas viel wirken, aber meiner Meinung nach hat die Autorin hier eine gute Balance geschaffen. Keins der Themen nimmt übermäßigen Fokus ein, alle werden relativ gleichmäßig behandelt und sind soweit ich das als Nicht Betroffene beurteilen kann auch gut behandelt. Zumindest konnte ich die Charaktere sehr gut nachvollziehen. Vieles, was im Buch bei diesen Krankheiten und Themen wie Suizid behandelt wird, ist nicht selbstverständlich bekannt, zumindest mir nicht. Es war interessant, verschiedene Perspektiven auf besagte Krankheiten zu lesen, zum Nachdenken angeregt zu werden und dabei auch etwas Gesellschaftskritik zu lesen. Gleichzeitig wird das Buch nie anklagend, verurteilend oder wird von Informationen überflutet. Die Handlung fließt mit den Charakteren und mit ihnen Gedanken, Gefühle und Informationen zu den Charakteren. Hier ist eine sehr stimmige Balance gelungen. Trotzdem hatte ich im Laufe des Buches das Gefühl, dass diese Themen mit all ihren verschiedenen Facetten gar nicht so sehr im Vordergrund stehen. Am Ende des Buches ist bei mir weniger der Road Trip von Terry, ihrem Vater und ihrer besten Freundin Iris hängen geblieben. Vielmehr empfand ich das Buch als die Geschichte von Terry, einer mittelalten Frau, die mit ihrem Leben als verantwortungsbewusste Ehefrau und Mutter unzufrieden ist und ihren Weg sucht. Spannender hätte ich es gefunden, wenn der Fokus tatsächlich wie erwartet mehr auf den Beziehungen und den Charakteren gestanden hätte. So hatte ich eher das Gefühl, dass eigentlich eine andere Geschichte erzählt werden sollte bzw. wurde.

„Die Leute wollen Krankheiten auf den ersten Blick erkennen können, andernfalls sind sie ihnen unheimlich. Das ist einer der Gründe, warum Iris niemandem erzählt, dass sie MS hat. Damit niemand zu ihr sagt: Das sieht man Ihnen gar nicht an.“

S. 60

Fazit

Ein schöner Roman, der gefühlt eine andere Geschichte erzählt als erwartet, weil Terrys Reise zu sich selbst im Fokus steht und mich deshalb nicht so berühren konnte wie erhofft. Auch der tolle Schreibstil trägt für meinen Geschmack nicht das ganze Buch. Trotzdem ein solider Debütroman, von der Autorin werde ich auch weitere Bücher probieren.

Informationen zum Buch


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