[Rezension] Aquarius. Herz über Kopf durch die Zeit von Marina Neumeier

Wer mag noch Zeitreisen Romane? Ich habe den Weg der Autorin zu ihrem Debütroman verfolgt und mich schon vor Erscheinen in das Buch verliebt, immerhin geht es um Zeitreisen und Kunstgeschichte. Letztendlich konnte mich das Buch dann doch leider nicht vollkommen begeistern, aber es hat mir ein paar schöne Lesestunden beschert.

Das Buch ist 2020 im Piper Verlag erschienen und darum geht es:

„Niemand, absolut niemand darf wissen, dass wir Zeitreisende aus der Zukunft sind. Egal, wie sehr du jemandem vertraust, du darfst es nicht verraten.“

Rosalies Leben ändert sich schlagartig, als sie im Haus ihres Professors auf eine Gemäldesammlung stößt. Denn als sie eines der Bilder berührt, findet sie sich in Florenz wieder. Im Jahr 1480. Von diesem Moment an ist nichts mehr wie es war und Rosalie wird hineingezogen in einen Wettlauf gegen die Zeit: Jemand hat die Vergangenheit verändert und nun muss sie im Florenz der Renaissance das Leben des mächtigsten Mannes dieser Epoche retten. Leider wird sie dabei von dem gut aussehenden aber unerträglich arroganten Leo begleitet.

Liebe zur Edelsteintrilogie

Ich werde zunächst auf das eingehen, was mir nicht so gefallen hat und später zum positiven kommen. Dieser Aspekt hier ist eigentlich positiv, meine Gefühle haben es mir aber schwer gemacht, das Buch als Aquarius zu lieben. Kennt ihr das, wenn ein Buch eigentlich ganz anders ist und ihr es trotzdem ständig mit einem Bekannteren vergleicht? Ich habe den Gedanken nicht aus meinem Kopf bekommen und auch noch bis weit über den Anfang hinaus Probleme mit meinem Kopfkino. Mich ärgert das, aber mein Kopf macht halt, was mein Kopf will und wenn ich einmal denke „Das erinnert mich an…“ dann ist es eigentlich schon vorbei, weil ich den Gedanken dann schwer wieder wegkriege. Einerseits war es wirklich sehr schön, an Kerstin Giers Edelsteintrilogie erinnert zu werden, denn ich habe Rubinrot damals geliebt und ich bin mir sicher, dass die Ähnlichkeit nur zufällig ist. Aber beim Thema geheime Lodge, arrogantem Typen, witzigem Schreibstil, selbstbewussten Prota, Rubinrot und die Zahl 12 als wichtige Aspekte, unkontrollierte Zeitreisen und spezifischen Szenen im Buch, hat mein Kopfkino eine Gwendolyn-Gideon-Rosalie-Leo Version kreiert. Das war manchmal schön, manchmal verwirrend. Ich hatte das Gefühl, mich immer wieder daran erinnern zu müssen, dass ich hier über Rosalie und Leo, Florenz und Kunstgeschichte lese und kein Spin off mit Jannis Niewöhner und Maria Ehrich im Kopf.

Wenig Liebe für den Love Interest

Bei der Edelsteintrilogie und wie leider bei vielen Fantasy Romanen ist der Typ, den die Protagonistin trifft arrogant, besserwisserisch, kühl und unnahbar. Was zu Beginn des Buches noch für interessante Dialoge zum Schmunzeln und mitfiebern gesorgt hat, hat mich später immer mehr gestört. Besonders, wenn sich Leo mal wieder wie ein Arschloch verhält, Rosalie im Haus alleine lässt, weil er ja alles selbst machen muss und sie keine Ahnung hat oder sie sich anzicken und plötzlich sprühen die Funken. Diese Anziehung war für mich eher schwer nachzuvollziehen. Sie streiten sich und dennoch sieht er ja so gut aus und hat ja auch andere, nette Seiten, die nur seltener hervorscheinen. Das hat für mich nicht funktioniert und war mir zu viel, um mitfiebern zu können. Er war mir zu arrogant,  die Streitereien zwischen den beiden zu viel und der Sprung in die gegensätzliche Richtung zu schnell. Ich konnte das schwer nachempfinden,  mir fehlten Übergangssituationen, mehr Nuancen.

Liebe zum Detail

Ich finde, man hat dem Buch angemerkt, dass die Autorin recherchiert hat bzw. selbst wie ich mal Kunstgeschichte studiert hat. Das meine ich nicht auf die Infodump Art und Weise, sondern auf eine subtile Art, bei der hier und da immer mal wieder Details, Namen, Begriffe eingearbeitet werden und bestimmte Themen in die Tiefe gehen. Es wird nicht einfach beschrieben, wie der Maler ein Bild malt, sondern wie, womit. Es wird nicht einfach beschrieben, dass Rosalie einkaufen geht und sich Farben anschaut, sondern wie sie aussehen, wie die damaligen Umstände waren. Das Buch ist gespickt von kunstgeschichtlichen Details und Anspielungen, von historischen wie auch fantastischen Details, von bekannten Persönlichkeiten und Malern und Detail zum Setting. Das hat unglaublich viel Spaß gemacht zu Lesen und mir ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert. Ich will nichts über die Persönlichkeiten spoilern, aber da hat die Autorin wirklich tolle Arbeit geleistet! Außerdem hat mir gut gefallen, dass nicht nur an die üblichen allseits bekannten Aspekte bei Zeitreisen gedacht wurde, sondern auch an ein bestimmtes Thema, dass ich noch nie in einem fantastischen Zeitreisenroman thematisiert bekommen habe (aber klasse finde!) und die Stellung der Frau. Immer wieder weist Rosalie darauf hin, wie die Stellung der Frau damals war und versucht sich zu behaupten. Der reflektierte Umgang mit vielen verschiedenen Aspekten war sehr schön, allerdings hätte ich mir diese Liebe zum Detail auch beim Lektorat/Korrektorat gewünscht, weil es ein paar Fehler gab. (Tippfehler, Wörter vergessen, Wortwiederholungen)

Liebe zu Nebencharakteren

Die zuvor erwähnte Liebe zum Detail hat mir zusammen mit dem schönen, lockeren Schreibstil viel Spaß gemacht, weil ich auch die Nebencharaktere toll fand. Dazu zählen zum größten Teil natürlich die historischen Persönlichkeiten, die wunderbar ausgearbeitet waren und zum anderen die Nebencharaktere wie Rosalies Bruder oder Bedienstete in Florenz im 15. Jahrhundert. Ich hätte das Buch denke ich auch gut und gerne an einem Tag lesen können. Ich will nicht vorweg nehmen, wen Rosalie und Leo auf ihrer Reise durch Florenz alles treffen, aber die Ausarbeitung der unbekannten wie bekannten Charaktere hat wirklich unglaublich viel Spaß gemacht, weil die Autorin mit ihrer lebendigen Schreibweise und Liebe zum Detail tolle Charaktere zum Leben erweckt hat.

Fazit

Das Buch war ein schöner Zeitreisenroman, der auch für diejenigen Leser geeignet ist, die absolut keine Ahnung von Kunstgeschichte haben. Es werden zwar Personen, Gemälde oder Details erwähnt, diese allerdings auch immer erklärt. Für mich stecken in dem Buch vielleicht ein paar Easter Eggs mehr als für andere Leser, aber die tollen Nebencharaktere und bekannten Persönlichkeiten und das Leben und Treiben im historischen Florenz haben mir mit dem tollen Schreibstil sehr viel Spaß bereitet. Allerdings hat es mich auch oft an die Edelsteintrilogie erinnert und mit Leo sowie der Beziehung zwischen Leo und Rosalie bin ich kaum warm geworden, weil ich sie entweder schwer nachvollziehen konnte, leicht genervt war oder in Ordnung fand. So richtig mitgefiebert habe ich mit den beiden nicht. Trotzdem freue ich mich sehr auf den zweiten Band, der hoffentlich noch dieses Jahr erscheint und in Rom spielen wird.

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