[Rezension] Der Schatten eines Sommertags von Noa C. Walker

Der Thriller hat mir gut gefallen, weil mal andere Themen im Vordergrund standen als die üblichen Klischees und besonders die Hauptfigur klasse war. Nur mit der Auflösung war ich nicht ganz glücklich.

*Das Buch ist ein Rezensionsexemplar vom Tinte & Feder Verlag von Amazon Publishing, aber das beeinflusst meine Meinung nicht.

Der Schatten eines Sommertags hat sich für mich bereits äußerlich von den meisten üblichen Thrillern abgehoben: Statt grau/weiß/schwarz mit verschwommener Schrift und den klassischen Motiven (Haus/Schmetterling/Messer) gibt es ganz viel Farbe! Aber das passt wunderbar zum Buch. Es ist 2019 mit 359 Seiten erschienen und darum geht es:

Seit sieben Jahren liegt ein Schatten auf Tonyas Leben. Sie fühlt sich schuldig, seitdem ihre erste Liebe bei dem Versuch, sie zu beschützen, getötet wurde. Inzwischen arbeitet Tonya als IT-Spezialistin beim BKA und hegt noch immer die Hoffnung, eines Tages den Mörder zu finden. Plötzlich geschehen in ihrem unmittelbaren Umfeld mysteriöse Ereignisse, die sie erneut in Gefahr bringen.

Der rätselhafte Fall ruft den attraktiven Ermittler Jake Sturm auf den Plan. Gemeinsam stellen sie sich dem Gegner. Als die Lage sich zuspitzt, taucht Jake mit ihr in Dänemark unter. Zwischen Dünen, Meer und der Weite des Himmels kommen die beiden sich näher. Allerdings ziehen erneut Schatten über Tonyas Leben auf und bedrohen nicht nur ihre junge Liebe …

Perfekt unperfekte Charaktere

Thriller werden für mich nicht nur durch den Plot getragen, sondern auch durch die Charaktere, immerhin geht es um Leben und Tod. Wenn mir egal ist, ob die Personen leben oder sterben, hat das Buch schon verloren. Ich will mitfiebern! Und das hat dieses Buch geschafft. Schon in erstem Kapitel wird deutlich, dass die Charaktere authentisch sein werden, denn selbst der Freund von Tonya stottert. Er ist authentisch. Ungewöhnlich fand ich auch, dass Tonya mit achtzehn Jahren noch Jungfrau ist. Das finde ich eher selten in Büchern, aber ein klasse Detail, weil es abbildet, wie unterschiedlich Menschen sind. Außerdem passt es hervorragend zu ihrer Familiengeschichte, die im Buch immer weiter thematisiert wird: Auch in der Zeit, in der das Buch spielt, nämlich sieben Jahre später). Ihre Brüder behandeln sie, als wäre sie ein kleines Kind und versuchen sie zu beschützen. Ich fand die Dynamik der Geschwister super interessant und auch schon, wie im Laufe des Buches das Thema von unterschiedlichen Seiten und Facetten beleuchtet und weiterentwickelt wurde.

Ein blumiger Schreibstil, der nicht zu viel wird

Von der Autorin habe ich bereits ein Buch gelesen: Die Farben meines Herzens. Bei dem Buch hatte ich den Schreibstil bemängelt, der zwar manchmal wunderschön, mir insgesamt aber zu drüber war. Blumig, metaphorisch, poetisch, aber für mich too much. Bei diesem Buch bleibt der Schreibstil zwar, aber wie beim Fahren mit angezogener Handbremse und das passt perfekt. Es gibt schöne Zitate, Metaphern und blumige Ausdrucksweisen, aber sie lenken nicht von der Handlung ab, es ist insgesamt knackiger, prägnanter und einfach so, wie ich es von einem Thriller erwarte. Die blumigen Sätze zwischendrin sind dann nur das gewisse Etwas, das aber nicht negativ auffällt. Der erste Satz des Buches ist gleich ein schönes Beispiel und hat mir gut gefallen:

Der Himmel verfärbte sich von einem milchigen Blau in nächtliches Schwarz. (S.5)

Toll, oder? Mir hat es gefallen, dass der Schreibstil der Autorin zum Genre gepasst hat, ohne an Individualität einzubüßen. Ich habe auch Vergleiche gelesene, die ich so noch in keinem Buch gelesene habe und das ist wirklich nicht einfach, weil Vergleiche an sich schon recht schwer sind, es muss ja auch passen. Aber das hier ist wieder so ein Beispiel, wo das Bild im Kopf super zusammenpasst und dennoch ist der Vergleich nicht ausgelutscht:

In Tonyas Innerem krampfte sich alles zusammen. Wie ein Knäuel Papier, das man wegwirft. (S. 13)

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Eine spannende Handlung

Zur Handlung kann ich nicht wirklich etwas sagen, ohne zu spoilern. Aber ich bin durch die Seiten geflogen, wollte immer weiterlesen, es war einfach zu interessant (Tonya, ihre Familiendynamik, die Beziehung zu einem gewissen gutaussehenden Ermittler) und spannend! Wer ist hinter ihr her? Ich habe gerätselt, gegrübelt, mir mental Listen für potenzielle Täter gemacht und meine Verdächtigen wieder verworfen. Ich habe sogar Notizen im Buch gemacht nach Perspektivwechseln mit bisherigen Hinweisen, Fragen und wer der Täter sein könnte. Hätte mir auch ein großes Flipboard neben das Buch stellen können, so war ich im Buch drin. Das Buch war anders als alle bisherigen Thriller, die ich gelesen habe, aber doch so spannend. Weil Tonya eine starke Protagonistin ist, die sich gegen den Beschützerinstinkt ihrer Brüder auflehnt, die vermittelt, wie es ist als Frau unterschätzt zu werden und die trotzdem nicht dem Klischee der taffen Frau entspricht, weil sie Emotionen zeigt und auch mal zusammenbricht. Der Perspektivwechsel kommt aber nur sehr wenig vor, was mir ebenfalls gut gefallen hat. Der Leser bekommt einen Wissensvorsprung vor den Charakteren, ohne gleich zu wissen, wer der Täter ist. Ich wusste nur: Da kommt was. Gedanklich kann man sich einen Trommelwirbel vorstellen. Einzig unglücklich beim Perspektivwechsel fand ich die allgemeine Beschreibung „die Person“, damit der Leser noch nicht weiß, ob der Täter oder männlich oder weiblich ist. Das las sich für mich an manchen Stellen eher holprig.

Lieblingszitat

Unsere Schatten haben alle dieselbe Farbe. (S. 289)

Fazit

Wer einen Thriller sucht, der großen Wert auf die Weiterentwicklung der Charaktere und Reflektion von Themen und Handlungen sucht, der ist bei diesem Buch genau richtig. Gleichzeitig ist das Buch so spannend, weil das miträtseln um den Täter oder die Täterin so viel Spaß macht und Leid und Tod nicht nur angedeutet wird, sondern tatsächlich passiert.

Triggerwarnung: Das Buch ist nichts fürs Menschen mit einer sehr großen Tierliebe und solche, die Hunde in Büchern nicht leiden und sterben „sehen“ können.


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