[Rezension] Warum ich „Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv“ abgebrochen habe

Auf dieses Buch habe ich mich wirklich gefreut, weil ich Zeitreisen sehr mag, Archäologie mal ein anderes Thema ist und die Leseprobe klasse fand. Doch umso größer die Freude, umso höher der Fall. So habe ich das Buch nach 200 Seiten abgebrochen und erkläre jetzt, was mich so gestört hat.

Vielen Dank an das Bloggerportal und den Blanvalet Verlag für das Rezensionsexemplar! Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv ist 2019 mit 512 Seiten erschienen und darum geht es:

Madeleine „Max“ Maxwell wollte Archäologin werden, um Abenteuer zu erleben, unfassbare Entdeckungen zu machen und gelegentlich die Welt zu retten. Doch die Wirklichkeit holt sie ein: Archäologen verbringen ihre Zeit in Museen zwischen staubigen Büchern und noch staubigeren Fundstücken, die niemanden interessieren. Da erhält sie ein besonderes Jobangebot. Wenn sie die Zusatzausbildung übersteht – und die wenigsten tun das – wird sie Abenteuer erleben, die jene von Indiana Jones wie einen Sonntagsspaziergang aussehen lassen. Und wenn sie überlebt, wird sie wenigstens ein paar Mal die Welt retten …

Langsames Erzähltempo

Allgemein hat mich das Buch etwas an die Serie Timeless (NBC) erinnert, was aber nicht schlimm ist, weil ich die Serie mag. Mein Problem ganz allgemein war allerdings, dass das Buch eher lange braucht, bis es in die Gänge kommt, wie Fahren mit angezogener Handbremse. Natürlich muss die Welt und die Charaktere erst einmal eingeführt werden, aber das Erzähltempo ist durch die passive und indirekte Erzählweise so gedrosselt, das bei mir nur sehr wenig Spannung aufkommen konnte.

Schwammige Beschreibungen

Die Beschreibungen (sowohl bei der Umgebung als auch bei den Charakteren) ist so unspezifisch, das für mich kein Bild entsteht, es gibt viel indirekten Dialog und lange Beschreibungen, sowie Nacherzählungen statt aktiver, direkter Handlung. Das machte die Geschichte sehr zäh und ich hätte auch nach 200 Seiten nicht zu jedem Charakter ein Bild abrufen können. Abgesehen von drei Charakteren, die immer mal wieder erwähnt werden und vor kommen, verband die anderen Nebencharaktere der Gedanke „Wer war das nochmal?“ Auch beim Gebäude, dem St. Marys, hätte ich nicht sagen können, wie genau es aufgebaut ist oder was es ausmacht. Es bleibt eine vage, schwammige Vorstellung, weil wie so oft in diesem Buch Struktur und prägnante Details fehlen. Was ich mit schwammig meine wird vielleicht am folgenden Dialog deutlich:

Also wer hat denn eigentlich die Zeitreisen entdeckt oder erfunden?“ […]

Er lächelte und zuckte die Achseln. „Das willst du nicht weiter verfolgen, vertrau mir, dabei wirst du wahnsinnig.“

Ich glaubte ihm sofort. (S. 192)

An sich finde ich es gut, wenn der Leser nicht mit allzu vielen technischen und historischen Details zugetextet wird, aber das hier ist ja nichts. Eine Frage, keine Antwort, nicht mal vage Informationen.

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Unklare Zeitsprünge

Im Laufe des Buches gibt es Zeitsprünge, die aber als solches nicht immer gekennzeichnet werden. In einem Nebensatz wird in einer Szene beiläufig erwähnt, dass Max den besagten Charakter ja jetzt seit fünf Jahre kenne. Hätte sie das nicht gesagt, hätte ich gar nicht gemerkt, dass so viel Zeit vergangen ist, weil es keine Entwicklung gibt. Ab wann sollen diese Jahre vergangen sein, was ist noch davor, was danach, was hat sich in der Zeit verändert, was ist passiert? Statt die Geschichte direkt mitzuerleben wird indirekt nacherzählt und das ist nichts für mich. Besser hätte ich es gefunden, ein Kapitel anzufangen mit „5 Jahre später“, dann weiß ich genau, was Sache ist und werde nicht mitten in der Szene damit überrascht. Es gibt ja durchaus zeitliche Angaben am Kapitelanfang („Sieben Tage später waren wir…“, S. 197), also warum nicht immer?

Für mich interessante oder inhaltlich wichtige Aspekte im Bezug auf das Setting oder die Charaktere werden einfach übergangen. So auch bei der Zweiten Mission, die Max und ihr Partner Sussmann erleben. Die beiden sind gerade gelandet, da folgt diese Beschreibung:

Wir grinsten uns aufgeregt an. „Dann packen wir die Sache mal an!“

Es war Tag 74 einer beinahe perfekten Mission. (S. 203)

Ja, jetzt geht die Action los und es ist oft gut, den Alltag zu überspringen. Aber nicht so, wenn die Charaktere gerade mitten in einer früheren Zeit gelandet sind und ich als Leserin nicht die Möglichkeit hatte, mehr über dieses neue Setting zu lesen. Wie beginnt die Mission, was machen sie, gibt es Konflikte, wie finden sie sich zurecht, was macht diese Zeit aus? Stattdessen springt die Autorin innerhalb eines Satzes die ersten 73 Tage und das so ziemlich direkt nach der Ankunft. Ich kann weder zum neuen Setting noch zu den Charakteren in diesem Moment assoziativ oder emotional eine Verbindung aufbauen und kann mich nicht darauf einstellen. Das ist für mich so, als hätte ich bei einer neuen Staffel der Serie die ersten fünf Folgen verpasst. Etwas fehlt.

Fazit

Bei Zeitreisen mit realen historischen Begebenheiten brauche ich kein Sachbuch, aber selbst bei Fantasy Büchern mag ich etwas mehr als das, was dieses Buch liefert. Die Leseprobe war wirklich klasse, aber der Rest ist nichts halbes und nichts ganzes, egal ob es um die historischen Ereignisse, den Weltenbau oder die Charaktere geht und das Erzähltempo eher langsam und passiv. Deswegen habe ich das Buch nach 200 Seiten abgebrochen. Vielleicht ist es für andere genau das richtige und ein klasse Buch, meins war es nicht.


9 Gedanken zu “[Rezension] Warum ich „Miss Maxwells kurioses Zeitarchiv“ abgebrochen habe

  1. Danke für die Rezension! Das Thema Zeitreisen fasziniert mich auch ungemein und ich hab schon einige Bücher mit der Zeitreise als Grundidee gelesen und versuche mich auch gerade selbst an einem. Aber was du hier schreibst – danke für die Beispiele – scheint ja wirklich hinten und vorn nicht zusammenzupassen. Überhaupt glaube ich, dass es oft hinderlich ist, in einer Geschichte allzu viel Zeit vergehen zu lassen, von der der Leser nichts mitbekommt. Hm, jetzt weiß ich nicht genau, ob ich mich auch mal an diesem Buch versuchen sollte. Die Grundidee der Geschichte klingt ja ganz gut. Welche Zeitreisen-Bücher würdest du mir denn noch empfehlen? LG, Tala

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    1. Hey Tala,
      vielen lieben Dank für deine Geduld. Die letzten Monate ging es bei mir drunter und drüber, deswegen bin ich nicht dazu gekommen, dir zu antworten.
      Das ist ja cool, in meiner Fantasy Trilogie ist Zeitreisrn auch ein Thema. Die erscheint aber erst Ende 2020/2021 🙂
      Ich kann deinen Worten nur zustimmen und es freut mich echt, dass du meine Gründe verstanden hast!
      Ich persönlich würde das Buch nicht weiter empfehlen, allerdings sind Geschmäcker bekanntlich verschieden und es gibt auch einige, von denen das Buch das neue Lieblingsbuch ist. Deswegen würde ich sagen, dass du es einfach mal versuchst und schaust, ob es was für dich ist.
      Ich kann als Zeitreisen Bücher die Superluminar Reihe (2 Bände) von Melissa Mai empfehlen. Kein Highlight, aber mir haben sie gefallen. Sind allerdings Jugendbücher.
      Viele Grüße
      Yvonne 🙂

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      1. Hallo Yvonne,
        oh, du weißt schon, wann deine Trilogie erscheint? Dann musst du schon ziemlich weit gekommen sein. Ich bin noch mittendrin und da ich hauptberuflich was anderes mache, kann ich leider auch gar nicht absehen, wie schnell ich vorankommen werde. Aber Hauptsache, es macht Spaß!
        In den letzten Wochen habe ich einige Zeitreiseromane gelesen, einfach, um mir Gedanken darüber zu machen, was ich besonders schön finde, was sprachlich und handlungstechnisch gut funktioniert. Aber über das ganze Lesen schreibt man dann natürlich weniger 😉
        Danke für den Tipp Melissa Mai, werde ich gleich mal nachsehen. Ich hab mit Jugendbüchern schon sehr gute Erfahrungen gemacht.
        Ich wünsch dir weiterhin viel Inspiration beim Schreiben! Bin gespannt auf deinen Roman!
        Viele Grüße,
        Tala

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      2. Liebe Tala 🙂
        Ich möchte Band 1 der Reihe im Herbst veröffentlichen, also im September. Einen konkreten Erscheinungstermin habe ich noch nicht, werde ich aber natürlich auch hier bekannt geben.
        Ich bin hauptberuflich Studentin, schreibe aber seit fast 10 Jahren und mache mich jetzt an das Thema Veröffentlichung 🙂
        Das klingt super und übers Lesen und was man mag (oder eben nicht) und funktioniert, lernt man wirklich super viel.
        Das freut mich sehr, viel Spaß beim Lesen 🙂
        Vielen lieben Dank und viele Grüße!
        Yvonne

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  2. Ich habe das Buch zwar nicht gelesen aber puh mehrere Jahre zu überspringen oder auch ganze 75 Tage bei einer Reise in die Vergangenheit, fände ich auch schwierig. Hatte das Buch eigentlich auch auf meiner Wunschliste stehen, weil ich wie du Timeless mag und mir dachte, dass das sozusagen in die gleiche Richtung geht und das ja ne schöne Fortsetzung dieser Thematik sei. Jetzt weiß ich aber nicht, ob ich mir das Buch tatsächlich kaufe, weil mich die Punkte auch stören würde. Schwierig wird es bie mir schon mit dem Spannungsaufbau mit Handbremse – solche Bücher breche ich mittlerweile meistens ab, weil ich mich nicht mehr durch langweilige, zähe erste Hälften quälen möchte, dazu habe ich generell zu wenig Zeit fürs Lesen und schaffe zu wenige Bücher im Jahr, als das ich sowas dann noch zu Ende lesen könnte.

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    1. Danke Nicole für deinen Kommentar! 🙂
      Ja, es wäre toll gewesen, wenn es in die Richtung von Timeless gegangen wäre.
      Ich glaube dann aber, dass das Buch auch wohl nichts für dich wäre, vielleicht würdest du noch nicht einmal so weit kommen wie ich, sondern früher schon abbrechen. Also ich würde dir nicht zum Lesen raten, tut mir leid.
      Es gibt einfach zu viele gute Bücher, um sich mit solchen aufzuhalten, die einen selbst (vermutlich) nicht so begeistern können. 🙂

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