[Rezension] In Love with Adam von Liam Erpenbach

Nachdem das Buch schon länger auf meiner Leseliste stand, habe ich es jetzt endlich gelesen und obwohl ich es prinzipiell gut fand, hat mich auch viel gestört.

Das Buch ist 2019 im Forever Verlag erschienen und darum geht es:

Sam ist ein Außenseiter. Seit er seinen besten Freund verloren hat, zieht er sich immer mehr in sich und seine Bücherwelt zurück. Seine Klassenkameraden geben ihm das Gefühl, dass er anders ist, und so fühlt er sich auch. Bis er Adam, dem gutaussehenden und beliebten Footballstar der Schule, in einer Buchhandlung begegnet und sich alles verändert. Adam weicht Sam nicht mehr von der Seite und in seiner Gegenwart hat Sam endlich das Gefühl, richtig zu sein, so wie er ist. Doch Adam darf niemals herausfinden, dass sein Herz etwas zu schnell schlägt, wenn er in seine grauen Augen blickt und er nachts von Adams weichen Lippen träumt … Erst als Sam die Tagebücher seines Großvaters findet, versteht er, was es heißt, ein Leben lang ein Geheimnis zu hüten. Wird er den Mut finden, zu seinen Gefühlen zu stehen?

Ein wunderschöner Schreibstil

Ich habe das Buch prinzipiell sehr gerne gelesen, weil Liam Erpenbach einfach einen wunderschönen Schreibstil hatte. Es ist manchmal schon fast poetisch, einfach dieser Lesemoment, wenn man inne hält und lächelnd Wand anschaut, weil das so schön ist. Er beschreibt sehr schöne Details und super viel Atmosphäre und Stimmung mit Vergleichen, wie hier:

„Auch wenn mich die Bücher, die wir im Unterricht lasen, meist interessierten, prasselte das Unterrichtsgespräch heute an mir ab wie Regen an einer Fensterscheibe.“ (S. 133)

(Zu) viele Klischees

Das Buch beinhaltet einige Klischees der Kategorie „amerikanischer High School Teenie Film“, was mich manchmal auch gestört hat. Das beginnt schon damit, dass Sam derjenige ist, der gerne liest und sich zurück zieht, während er in der Schule gemobbt wird und das natürlich ausgerechnet von den Typen mit fehlender Intelligenz und ganz vielen Muskeln. Später im Buch wird eins dieser Klischees zum Glück widerlegt, aber das radiert nicht alle aus. Auf der anderen Seite ist Sam als Charakter wunderbar mit einer schön einzigarten Mischung aus Details, denn zum Beispiel sagt er nicht nur, dass Buchseiten nach alten Papier riechen, sondern nach

„Cashmere und Sandelholz und in etwa so wie eine Kerze , die man gerade ausgepustet hatte.“ (S.22)

Musste es die USA sein?

Das Buch spielt in den USA, es gibt einen Diner, bezahlt wird mit Dollar und getrunken werden White Chocolate Caramel Frappucinos. Es gibt im Buch aber leider einen Schreibfehler (Mum wie im britischen Englisch anstatt Mom, wie es im amerikanischen Englisch richtig wäre) und einen Zeitfehler, denn Prom Season ist in den USA so zwischen April und Juni. Homecomingball ist im Herbst und ein Ereignis findet kurz danach stand, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass die ganzen Monate zeitlich umspannt wurden. Außerdem passt das Ereignis zeitlich nicht, weil zwischen September/Oktober und „fast Winter“ (also wohl November mindestens) zu viel Zeit liegt. Warum wurden manche Begriffe nicht eingedeutscht (Homecomingball) und andere schon (Der Fänger im Roggen statt The Catcher in the Rye)?

Ich habe mich zwischendurch bei der Frage erwischt „Musste es USA sein?“ Abgesehen davon, dass es an einer High School spielt, hat für mich jetzt nichts wirklich das Setting ausgemacht. Ich erinnere mich an nichts spezifisches durch den Ort oder Amerika generell. Keine Regeln, Gesetze, Gewohnheiten, die die Geschichte ausmachen, beeinflussen oder auch nur ein schönes Setting abgeben. Der Prom hätte genauso gut ein deutscher Abschlussball sein können, der Diner ein Café. Ich weiß nicht, ob der Autor sich bewusst vorher für das Setting entschieden hat oder ob der Verlag auf der Trendwelle von deutschen Liebesromanen in den USA reiten wollte, aber hier hätte ich mir gewünscht, mehr vom Setting zu haben.

Die fehlende Balance der Liebesgeschichte

Mit der Liebesgeschichte zwischen Sam und Adam bin ich nicht ganz warm geworden. Sie hatten zwar einige süße Momente, aber für meinen Geschmack fehlte die Balance. Adam rennt Sam praktisch hinterher, bietet ihm immer wieder an, ihn mit dem Auto mitzunehmen oder will sich treffen, wobei Sam klar deutlich macht, dass er das nicht will. Man könnte jetzt meinen, dass das ein Fall von „Er sagt Nein, aber eigentlich meint er Ja und traut sich nur nicht“ ist, was aber an sich schon sehr fragwürdig ist. Ich hätte mir einfach gewünscht, dass mehr von Sams Seite kommt. Mehr Ausgeglichenheit, mehr Aktion, dass Adam Sam einfach mal in Ruhe lässt, nicht immer da ist, nicht immer nett, nicht immer fragt. Mir hatte Adam dadurch zu wenig Charakter, weil er in meinem Kopf nur noch „Der Love Interest“ war, der nicht locker lässt. Mir war das zu viel, erst recht im Gegensatz zu Sams Zurückhaltung.

Wenn man den Subplot lieber mag als den Hauptplot

Ich kann jetzt nicht viel ausführen, weil ich nicht noch mehr spoilern möchte, aber es wird im Laufe des Buches auch ein Subplot eingeführt, den ich großartig fand. Das Problem war dann nur, dass ich diesen Subplot tatsächlich besser und interessanter fand als den eigentlichen Hauptplot. Wäre dieser Subplot weiter entwickelt worden, hätte aus diesem Buch eine ganz andere Geschichte werden können, ein anderes Genre. Da setzt dann mein Autorengehirn ein und ich habe mich dabei ertappt, die Geschichte weiter zu spinnen. Das Ende ist wunderschön mit dem Anfang verknüpft und das Konzept dieses Buches geht auf, aber ich hätte für diesen Subplot trotzdem gerne mehr gehabt. Ich wollte nicht, das er endet.

Lieblingszitat

„Die Nachmittagssonne fiel durch die schmutzigen Scheiben und in dem rötlichen Licht tanzten winzige Staubflökchen zwischen den Regalen.“ (S. 23)

Fazit

Das klang jetzt nach sehr viel Kritik und das war es auch, aber mehr, weil ich das ganze Buch über das Gefühl hatte, dass Liam Erpenbach das besser kann. Es gab diese Szenen und Momente, die Tiefe und Ansätze, die dieses Buch in eine andere Richtung gelenkt hätte, die ich mehr gemocht hätte. Sein Arbeitstitel war Semikolon, was im Zusammenhang mit Selbstmord steht und das ist ein Thema, was im Buch nur ganz am Rande angekratzt wird so zwischen den Zeilen. Was wäre es für eine Geschichte gewesen, wenn man das mehr herausgearbeitet hätte, ohne Teenie Klischees. Oder wenn der Subplot größer gewesen wäre? Es ist schwer in Worte zu fassen, aber ich hatte einfach das Gefühl, dass bei dem Buch das volle Potenzial nicht ausgeschöpft wurde.

 


2 Gedanken zu “[Rezension] In Love with Adam von Liam Erpenbach

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