[Rezension] Rimini von Sonja Heiss

 

Das Buch hat mir eine Freundin empfohlen, weil ich Familienromane mag und das Buch sollte witzig und interessant sein. Genau das war es auch, allerdings mit einigen Stolperfallen. Es ist 2017 mit 400 Seiten bei Kiepenheuer & Witsch erschienen und darum geht es:

Hans ist Anwalt, reich und erfolgreich. Doch auf einmal kehrt diese irrationale Wut in ihm zurück. Seine Ehe funktioniert nicht mehr und statt mit seiner neuen Psychoanalytikerin Frau Doktor Mandel-Minkic an seinen Problemen zu arbeiten, verliebt sich Hans in sie. Seine Schwester Masha ist 39 Jahre alt, als sie beschließt, ein Kind mit ihrem Freund zu bekommen. Doch plötzlich geht er ihr schrecklich auf die Nerven. Masha begibt sich auf die panische Suche nach einem neuen Mann, doch ihre Idee, im Bett den zukünftigen Vater ihres Kindes zu finden, ist zum Scheitern verurteilt.
Alexander und Barbara, die Eltern der ungleichen Geschwister, sind seit über vierzig Jahren leidlich glücklich verheiratet und müssen sich jetzt im Alltag eines Rentnerpaars einrichten. Während Alexander sich schon einsam fühlt, wenn seine Frau in ein anderes Zimmer geht, bleibt für sie nur die Flucht. Sie ahnt nicht, was sie damit in Gang setzt.

Die Charaktere

Was mir zu dem Buch als erstes einfällt und so gut gefallen hat, ist die Liebe zum Detail, die Ehrlichkeit und die Art und Weise, wie Sonja Heiss die Kommunikation (oder das Fehlen dessen) zwischen den Familienmitgliedern oder Eheleuten und Freunden beschreibt. Ein bisschen hat es mich damit an das Buch „Super, und dir?“ erinnert. Sie geht darauf ein, was Hans und seine Frau zu dem Punkt gebracht hat, an dem sie heute sind und ich fand es sehr realistisch beschrieben, was schon mit dem Alltäglichen Szenen am Bahnhof anfängt:

„Masha hauchte warme Luft in ihre frierenden Hände, während sie, noch nicht wirklich wach, von einem Bein auf das andere trat.“ (S. 29)

Hans ist allerdings ein Charakter, der mir neben Masha am meisten Probleme bereitet hat. Er ist unglaublich wütend, aggressiv und das hat mich irgendwann einfach nur genervt. Das Buch wird aus allen Perspektiven erzählt und bei Hans war es ein auf und ab zwischen Stirn runzeln und schmunzeln, weil er seine Frau immer wieder auf sein Bedürfnis nach Sex anspricht und gerne mal was kaputt macht, aber seine Gespräche mit einer Therapeutin toll waren. Der Schlagabtausch hat wirklich Spaß gemacht zu lesen, denn es geht hin und her. Frage, Gegenfrage, Kommentar, Sarkasmus und die kleine Analyse der Realität.

„Ich habe das Gefühl, Sie wollen nichts finden, weil Sie dann nichts über sich herausfinden müssen, was Sie nicht wissen möchten.“

Es geht im Buch um die kleinen Probleme des Alltags, wenn man nicht mehr in die Achsel beim Schlafen passt, wenn der Mann die Zwiebeln zu groß schneidet und um große Themen wie Tod, Einsamkeit, Älter werden, Kommunikation und Familie als solche. Trotz der Perspektiven springt Sonja Reiss in die Köpfe aller Charaktere, was besonders Spaß macht, wenn alle zum Essen am Tisch sitzen und jeder so seine Gedanken (über die anderen) hat.

Der Schreibstil

Wenn ich sage, dass der Schreibstil ehrlich ist, dann meine ich das im Sinne von realistisch = nicht beschönigend. Es geht im Alltag auch um schlechten Sex, schlechtes Essen und Sonja Reiss lässt fast nichts aus, auch nicht die Schamhaare des Mannes in der Poritze der Frau, wenn er von hinten in sie eindringen will. Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass mir selbst mehr Fantasie gelassen wird. Es ist ein humorvolles Buch, aber kein fröhliches, kein Wohlfühlbuch, keins, dass ich mit einem Lächeln zugeklappt habe oder bei dem ich mir vor Lachen auf die Schenkel klopfe.

Fazit

Das Buch stellt auf humorvolle, teils überspitzte Art und Weise das Chaotische Leben einer Familie da und wie sie nicht funktioniert. Es hat mich zum Nachdenken über meine Freunde und Familie angeregt, mich zum Schmunzeln gebracht, es war aber auch emotional und brutal ehrlich (manchmal zu sehr) und für meinen Geschmack hätte es nicht so viel Sex und Gewalt geben müssen. Ein absolutes Highlight sind aber seitenlange Dialoge zwischen dem Charakter Hans und seiner Therapeutin, ein Schlagabtausch vom feinsten und insgesamt ein Buch, dass die großen und kleinen Tücken des alltäglichen Lebens in verschiedenen Facetten, Lebensumständen und Altersstufen aufzeigt.


2 Gedanken zu “[Rezension] Rimini von Sonja Heiss

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