[Rezension] Offline ist es nass, wenn’s regnet von Jessi Kirby

An dieses Jugendbuch hatte ich um ehrlich zu sein keine allzu großen Erwartungen und doch genau die richten, denn ich fand es klasse! Mit den richtigen Erwartungen meine ich, das der Titel es meiner Meinung nach schon ansagt: Dieses Buch wird die Moralkeule schwingen. Wer Social Media liebt und keine negative Meinung dazu lesen möchte, für den ist das nicht das richtige Buch. Ich bin von der äußeren Aufmachung des Buches kein Fan, weil es eher kindlich wirkt und dem ernsten Thema nicht gerecht wird, aber ich war mir vorher bewusst, was mich erwarten würde: Instagram ist böse. So in etwa. Und das ist absolut in Ordnung, weil das Buch abgesehen davon viel besser und thematisch vielfältiger war, als ich erwartet habe.

Das Buch ist 2019 mit 336 Seiten beim Loewe Verlag erschienen und darum geht es:

Stell dir vor, du öffnest an deinem 18. Geburtstag die Haustür und dort liegt ein Geschenk: ein riesiger Wanderrucksack, ein Paar Wanderschuhe und ein Trailtagebuch für den Yosemite Nationalpark. Würdest du loslaufen?

Mari entscheidet sich genau dafür, obwohl sie noch nie mehr als zehn Schritte zu Fuß getan hat. Von heute auf morgen tauscht sie Smartphone und Social Media gegen schneebedeckte Berge, reißende Flüsse und Blasen an den Füßen, aber auch gegen Sonnenaufgänge wie aus dem Bilderbuch, warmherzige Begegnungen und mutige Entscheidungen – denn der Yosemite verändert jeden.

Girl Online meets Der große Trip: Jessi Kirbys neuer Jugendroman ist eine kluge und emotionale Geschichte über ein Mädchen, das ihr Leben als erfolgreiche Influencerin gegen die raue Wildnis des Yosemite Nationalparks eintauscht – und dabei das Leben wieder lieben lernt.

Schöne Kapitelüberschriften und Breakfastgoals

So wenig ich ein Fan von der äußeren Gestaltung bin, so sehr mochte ich die innere Gestaltung. Die war wirklich wunderschön und super süß gemacht mit kleinen Bildern von Pfeilen, Kakao, Zelten als Kapitelüberschrift. Es ist ein Wohlfühlbuch. Auch innen sind die Seiten des Wandertagebuchs wunderschön von Imke Sönnichsen illustriert. Gleichzeitig gibt es auch Kapitel mit Überschriften wie #breakfastgoals, in denen Mari im typischen Instagram Style ihr Frühstücksmüsli mit Chia Samen verziert und mit einer Orchideenblüte auf Holz von oben fotografiert und postet. Solche Szenen haben mich echt zum Lachen gebracht, denn wer hat so ein Frühstück noch nicht auf Instagram gesehen? Allgemein musste ich oft nicken, weil Jessi Kirby einfach das Online Leben gut eingefangen hat. Nicht, dass ich da irgendwie Erfahrung hätte, aber Kommentare, die ich so unter prominenten Instagram oder eben YouTube Accounts lese, decken sich ziemlich mit denen, die Mari im Buch unter ihren Bildern oder Videos liest. Der Schreibstil ist insgesamt humorvoll, leicht zu lesen und ich habe das ein oder andere Mal Sätze markiert, die ich schön fand.

„Ich tue so, als würde ich schlafen, als ich Schritte im Flur hörte. Meine Mutter tut so, als ginge es ihr gut, als sie die Tür öffnet.“ (S. 11)

Natur und Wandern als Trauerbewältigung

„Heute bin ich achtzehn geworden. Und Brie hätte es auch werden sollen.“ (S. 11)

Ich fand es vom Konzept her etwas fragwürdig, wie gut Mari den Trail meistert, wenn Brie doch genau dabei gestorben ist, aber im großen und ganzen war ich überrascht, wie gut das Wandern dargestellt wurde. Mari war nicht von einem Moment auf den anderen super, sondern hatte einige Probleme. Ich fand die Liebesgeschichte absolut unnötig, aber ich konnte Maris Entwicklung gut nachvollziehen, weil sie Stück für Stück beginnt und vollzogen wird. Sozusagen Schritt für Schritt. Mari hinterfragt, warum sie Instagram so mochte, ihr ganzes Leben so sehr danach ausgerichtet hat und was sie als Person ausmacht. Schon das Autofahren zur Wanderung ist ein aktiver Schritt, eine Veränderung zur sonstigen Art als passive Beifahrerin, die auf ihr Handy guckt. Solche Details fand ich gut, weil man meiner Meinung nach merkt, dass die Autorin sich wirklich Gedanken über das Thema gemacht hat und was Maris Leben mit sich bringt. Die Gedanken und Handlungen, die das Leben mit so viel Instagram mit sich bringen, hören nicht einfach so auf, nur weil Mari wandern geht und das Handy aus lässt. Sie vergleicht sich mit Leuten, denkt an Fotos und ihre Vergangenheit. Das Buch spielt mit Mari und Bris Leben, die so unterschiedlich sind, mit Maris Erwartungen an die Wanderung und wie die Realität aussieht. Sie weint sich in den Schlaf, sie fühlt sich einsam und sie kann Bris Pose auf einem Foto nicht mal nachmachen, weil sie ihre Arme nicht richtig heben kann und so fertig ist. Das hat den Buch die richtige Portion Realismus gegeben, die ich mochte. Die Nebencharaktere fand ich zwar in Ordnung, aber wenn ich jetzt so diese Rezension schreibe, könnte ich zu keinem der Nebencharaktere wirklich etwas sagen, weil sie eher oberflächlich und einseitig bleiben. Sie sind nur das Beiwerk für Maris Geschichte.

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Yosemite National Park

Ich selbst war letztes Jahr im Yosemite National Park und auch wenn es nur ganz kurz war, fand ich das Buch zum einen deswegen so schön, weil es so viele schöne Momente und Gefühle beschrieben hat, die ich durch meinen Besuch nachempfinden konnte. Der Ranger erinnert Mari und die anderen Teilnehmer der Wanderung daran, alles in die Bärenkiste zu sperren. Nicht nur Essen, auch Deo oder Make up gehört da rein wegen der Duftstoffe. Das hat mich an meine Einweisung im Camp erinnert, bei dem die Bärenkiste neben der Zelthütte stand und in die ich alles reinpacken musste, was Bären anlocken könnte. Zum anderen habe ich nach dem Buch erst einmal meine Travel To Do Liste erweitert, weil die Autorin selbst auch viel wandert und den Trail ganz genau beschreibt. Man könnte ihn während des Lesens auf einer Karte mitverfolgen und ich möchte den ein oder anderen Ort auf alle Fälle auch besuchen. Ich hatte das Gefühl, die Charaktere auf ihrer Wanderung zu begleiten und am Ender der Reise das Buch mit einem Lächeln schließen zu können. Dieses Buch weckt Reiselust! Ein privates Foto von meinem Trip zum Yosemite National Park:

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Fazit

Mir hat das Buch sehr viel Spaß gemacht zu lesen, ich habe mich nach der Natur des Yosemite National Parks gesehnt und auch wenn ich der Überzeugung bin, dass Social Media und insbesondere auch Instagram viele positive Aspekte hat, war es schön, Mari auf ihrer Reise zu begleiten und ihre Entwicklung zu erleben. Ich weiß, dass es Leute gibt, die die Danksagung nicht lesen, aber für dieses Buch wäre es schon sehr wichtig, finde ich.

 

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5 Gedanken zu “[Rezension] Offline ist es nass, wenn’s regnet von Jessi Kirby

  1. Eine schöne Rezension! Klingt auch nach einem interessanten Buch, wandern, wo es Bären gibt, wäre für mich persönlich ja nichts, da ziehe ich die Heimischen Wälder vor 😀 Ansonsten schön, dass du dich durch das Buch an deine eigene Reise zurück erinnern konntest, da hat es ja etwas geschafft. Ansonsten finde ich das Social Media wie alle Dinge positive und negative Dinge hat, auf Instagram bin ich zwar nicht unterwegs, dafür oft zu lange auf Twitter 😀 Allerdings bleibt das Handy bei mir in der Tasche, wenn ich mit Freunden unterwegs bin, weil ich da die Zeit wirklich genießen möchte, mein alter Freundeskreis hat mich immer tierisch genervt, weil sie auch immer bevor ich mich auf das Essen stürzen konnte, ein stylisches Foto machen wollte, bei ging es dann auch viele sich nach Außen zu zeigen und alles möglich perfekt zu posten, womit ich nichts anfangen kann. Doch ich schweife schon wieder ab, warum passiert mir das bei Kommentaren ständig? Sorry dafür. Auf jeden Fall eine schöne Rezension mit schönen Zitaten und einer angenehmen Leselänge 🙂

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    1. Vielen Dank Nadine! 🙂
      Haha, das kann ich verstehen. Ich glaube, in der Geschichte des Nationalparks ist es vielleicht eine Handvoll Mal vorgekommen, dass ein Bär aufgetaucht ist. Aber man weiß halt nie, Sicherheit gehört dazu. 🙂
      Das stimmt, das ist ja auch nicht selbstverständlich. Bei mir bleibt das Handy auch in der Tasche, wenn ich mit Freunden unterwegs bin. Wenn mache ich Fotos und so, aber für mich ist das echt nicht okay und ziemlich respektlos, wenn Leute während des Treffens das Handy auf dem Tisch liegen haben und immer wieder drauf gucken und tippen und hier und da und überhaupt. Sowas mag ich auch nicht :/
      Gar kein Problem! 😀
      Das freut mich echt, nochmal vielen Dank! 🙂

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  2. Liebe Yvonne,

    das Buch hatte ich einfach so zugeschickt bekommen, bisher hatte mir aber irgendwie der Reiz gefehlt, es zu lesen. Deine Rezension hat das jetzt aber geändert. Momentan bin ich in Reisestimmung und da passt das Buch ja ganz gut 🙂 Bloß die Bären machen mir Angst 😀 Stelle ich mir richtig gruselig vor, dort zu schlafen.
    Wie du schon sagst, Social Media hat so seine Vor- und Nachteile. ich finde es schade, dass viele es so sehr verteufeln, da ich selbst auch viele schöne Momente dadurch erlebt habe. Dennoch werde ich das Buch mal weiter auf den SuB nach oben legen 😀

    Liebe Grüße
    Charline

    Gefällt 1 Person

    1. Das ist natürlich cool! 🙂
      Oh, das freut mich echt so doll! Vielen lieben Dank. Es passt auch richtig gut, wenn man in Reisestimmung ist, finde ich.
      Haha, das kann ich so gut verstehen. Als ich im YNP übernachtet habe, habe ich auch echt bei jedem kleinsten Geräusch gelauscht, kann mir nicht vorstellen, wie viel mehr das im Zelt ist 😀
      Stimme dir vollkommen zu! Super, schreibe mir dann deine Meinung, wenn du dazu kommst es zu lesen.
      Liebe Grüße 🙂

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