[Social Media] Autoren bei Rezensionen taggen?

Diesen Monat gab es auf Twitter und dann später auf Instagram mal wieder eine Diskussion in der Buch Community, über die ich mir auch so meine Gedanken gemacht habe, da ich von beiden Parteien „betroffen“ bin. Es geht um das Thema „Taggen von Autoren auf Social Media“, was wahrlich kein neues Thema ist, aber Angie Thomas (Autorin von The Hate u give z.B.) hat es mit ihrem Tweet erneut aufgegriffen.

Hier erstmal der Tweet, den ich gesehen habe. Angie Thomas ist auf Twitter sehr aktiv, deswegen habe ich den ursprünglichen Tweet nicht gefunden.

Angie Thomas Tagging Tweet.jpg

Darauf folgte dann eine breite Auseinandersetzung, unzählige Kommentare, unter anderem auch persönliche Beleidigungen, weil es wie immer nicht wirklich möglich ist, sachlich zu diskutieren. Twitter halt.

Merken Rezensenten, wenn sie sich im Ton vergreifen?

Jeder Mensch nimmt Kritik anders wahr. Was für den einen nur „seine ehrliche Meinung“ war, trifft den anderen schwer und bringt ihn vielleicht sogar zum weinen. Was für den anderen sehr negativ wirkt, ist für den anderen völlig neutral und „gut begründete Rezension.“ Wir können nicht in den Kopf von Autoren schauen. Wir wissen nicht, welche Wörter, Formulierungen bei ihnen welche Gefühle auslösen, an welchen Textstellen, Charakteren und Storylines sie am meisten hängen und wie unsere Kritik sie trifft. Ob sie zum nachdenken anregt, als Anstoß zum Verbessern angesehen wird oder einfach nur verletzt. Eine positiv gemeinte Rezension kann genauso gut schädlich und verletzend sein, wie eine negative Rezension. Ein paar super Beispiele gibt es in einer Reihe von Tweets von der Autorin Cora Carmack, unter anderem das:

Cora Carmack Tweets Tagging.jpg

Positive unbewusste Beeinflussung

Habt ihr schon mal eine Serie geschaut und dann das Wort „Fan-Service“ gehört? Das passiert meist dann, wenn bei einer Serie ein Charakter oder ein Ship besonders gut angenommen wird und tolle Kritiken bekommt und das die Autoren der Serie in dem Sinne beeinflusst, in dem mehr davon schreiben, um der Masse zu gefallen. Das ist auch bei meinen Lieblingsserien passiert und genau das kann einem Autor auch passieren.

Stellt euch vor, ihr schreibt Band 1 einer Trilogie und bekommt ganz viele tolle Rezis und alles ist super und dann ist da aber dieser eine Nebencharakter, den alle so toll finden. Ihr findet ihn natürlich auch super und weil alle anderen ihn auch so toll finden, kann man seine Rolle für Band zwei und drei der Reihe ja noch erweitern. Ohne die persönliche positive Meinung wärt ihr in der Planung für Band zwei und drei vielleicht nicht auf die Idee gekommen, dem Charakter einen größeren Raum zu geben. Gerade bei Love Triangles passiert das häufiger und Autoren können ihre Meinung noch ändern, je nachdem wie die Rezensionen ausfallen.

Das kann alles aktiv und ganz bewusst passieren (Der Autor weiß, dass besagter Nebencharakter Potenzial hat und hat auch schon mit dem Gedanken gespielt, ihm mehr Raum zu geben, war sich aber nicht ganz sicher. Die positiven Rezensionen sind der Schubser in die richtige Richtung). Genauso gut passiert es aber meist auch unbewusst bzw. kann passieren. Wenn die Reihe schon fertig geschrieben ist, wird vielleicht nichts mehr geändert, aber das kommt eben ganz drauf an.

Was wird dann aus der Kommunikation zwischen Leser/Blogger und Autor?

Ich habe nach der Diskussion auch viele Leser gesehen, die argumentierten nach dem Schema „Aber wir machen Werbung für die Autoren“ oder „Social Media funktioniert nicht ohne Kommunikation!“ oder „Dann schreibe ich gar keine Rezis mehr!“ So funktioniert das aber nicht. Der Wunsch, nicht getaggt zu werden entspricht dem Wunsch, den emotionalen Strom zu regulieren. Wann lese ich negatives Feedback und wie viel davon? Wie reagiere ich und reagiere ich überhaupt? Autoren mit vielen, vielen Followern haben täglich mit gefragten und ungefragten Meinungen von Fremden zu tun. Da werden private Nachrichten gesendet, in Stories markiert, Beiträge kommentiert und getaggt. So läuft Social Media halt und es gibt Autoren, die sich über positive Rezis freuen und getaggt werden wollen. Das ist absolut richtig so, aber eine negative Rezi bedeutet nicht immer eine Kommunikation. Autoren antworten meist nicht auf Rezensionen, kommentieren nicht bei Buchblogs, denn wie soll das denn auch schon aussehen? Das geht in 99% der Fälle nach hinten los. Blogger A mochte den Bad Boy nicht, die Autorin liebt den Bad Boy. Und jetzt? Jeder hat eine andere Meinung, kein Buch wird jedem Gefallen und wenn Autoren mit Bloggern und negativen Rezensionen in Kontakt treten, entsteht meist eine „Aber“ Debatte raus und die Kommentarspalte wird zur Rechtfertigungsmeile.

Wann meiner Meinung nach getaggt werden sollte

Eine (negative) Rezension kann auch aufzeigen, was falsch gelaufen ist. Das ist dann immer gut, wenn es um Sensitivity Reading geht. Wenn ein Buch in irgendeiner Weise rassistisch, homophob, transphob, verletzend, sachlich gesehen falsch ist oder Mikroaggressionen beinhaltet. Dann sollte der Autor davon erfahren (oder zumindest der Verlag), denn das geht einfach nicht. Das muss nicht böse gemeint sein, manche schreiben mit Mikroaggressionen und merken es nicht), aber der Autor und Verlag sollte darauf hingewiesen werden, damit sowas nicht noch einmal passiert.

Meine Erfahrungen als Leserin und Blogger

Ich habe bisher Autoren meistens bei positiven Rezensionen getaggt, ob auf Twitter, in Instagram Beiträgen oder Instagram Stories. Man kann dann schon etwas von der Reaktion des Autors ableiten. Reagiert er auf das Feedback, bedankt er sich, ignoriert er es oder bittet er darum, nicht getaggt zu werden? Letzteres ist mir zwar noch nie passiert, aber könnte ja durchaus vorkommen. Bei positiven Rezis tagge ich den Autor meistens, weil ich mir denke, dass er sich bestimmt darüber freut und meistens ist das ja auch der Fall.

Meine Meinung als Autorin

Da ich noch keines meiner Bücher veröffentlich habe, kann ich natürlich nicht von der Perspektive erzählen. Aber ich denke mir, dass viele Autoren schon von selbst auf Plattformen wie Amazon und Goodreads gehen, wenn sie emotional bereit sind für (auch negatives) Feedback. Ich würde nicht auf negativen Rezensionen getaggt werden wollen, weil ich die wahrscheinlich sowieso früher oder später selbst sehen würde, entweder bewusst oder unbewusst. Wobei es natürlich etwas anderes ist bei ganz großen Autoren, die hunderte Rezensionen zu einem Buch haben. Ganz ohne Feedback geht es nicht, auch nicht ohne negatives Feedback. Man sollte sich ja auch weiter entwickeln, lernen, was funktioniert und was nicht, Kritik annehmen können. Trotzdem kommt es immer auf den Tag/Zeitpunkt an. Social Media bietet ja die schöne Form von Hashtags und ich denke, es wäre das bester, eher den Hashtag zum Buch anstatt den Tag zu verwenden, weil der Autor dann selbst entscheiden kann, wann er welchen Post liest. Bei kurzen Updates oder Meinungen (gekauft! Freue mich aufs Lesen! Hab angefangen!) würde ich mich als Autorin aber freuen und mache das als Bloggerin und Leserin bei anderen Autoren auch häufiger. Erst recht bei kleineren Autoren oder solchen aus Kanada/USA, die sich vielleicht über internationale Leser freuen.

Fazit

Als Fazit kann ich einfach nur sagen, dass ich es gut finde, wenn Grenzen akzeptiert und respektiert werden. Ein Autor möchte nicht auf Social Media Rezensionen markiert werden? Okay. Ein Autor freut sich über den Tag bei positiven Rezensionen? Auch okay. Ein Autor setzt sich mit der negativen Kritik auseinander und kommentiert sogar Rezensionen? Okay. Alles ist okay, so lange es respektvoll bleibt. Jeder Mensch empfindet anders und jeder nimmt Worte anders auf.

Ein Artikel zur Debatte mit 137 Kommentaren und weiteren Tweets von Angie Thomas und anderen Autoren gibt es hier. Und hier beim Guardian.


2 Gedanken zu “[Social Media] Autoren bei Rezensionen taggen?

  1. davon habe ich mal wieder nichts mit bekommen, wo lebe ich eigentlich?:D Da ich als erstes immer sehr empfindlich und emotional auf ein Feedback reagiere und mich kleine negative Kommentare je nach Tagesablauf beeinflussen können, kann ich verstehen, dass man das ganze gefiltert aufnehmen möchte. Kritik ist gut und kann einen weiterbringen, nur bedarf es mit der Kritik eine genaue Auseinandersetzung, kann ja auch sein, dass Dinge kritisiert werden, die aber genau so beabsichtigt wurden, dann ist es eine Geschmackssache. Daher kann ich verstehen, dass besonders große Autoren sich der Sinnflut der Eindrücke nicht hingeben wollen. Ich persönlich habe noch nie einen Autoren, eine Autorin bei einer Rezension verlinkt. Keine Ahnung, wäre niemals auf die Idee gekommen, bei „Den Mund voll ungesagter Dinge“ Anne Freytag zu verlinken, auch wenn der erste Teil sehr positiv war. Wenn ich Rezensionen oder Buchvorstellung schreibe, richten sie sich an die Leser. Ich sehe mich selbst aber auch nicht als Kritikerin sondern als Leserin und gebe meine persönlichen Eindrücke und Gedanken (mit Belegen, sonst macht das ganze auch keinen Sinn) wieder. Sorry für den halben Roman hier 😀

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Nadine,
      Das war jetzt auch nicht „aktiv“ in der deutschen Buchbubble. Habe es auch nur über Instagram Stories mitbekommen 🙂
      Genau. Man kann sich mit Kritik auseinandersetzen und sie zum Verbessern nutzen, aber dafür muss man auch emotional in der Lage sein. Wie ein Eimer, der leer sein muss oder zumindest halbvoll, um wieder Wasser aufnehmen zu können.
      Das sehe ich auch so. Wie gesagt, die erste Hälfte der Rezension kann super positiv sein, wenn dann doch Kritik kommt, kann das den Autor sehr treffen, je nachdem. Man kann halt anderen Menschen nicht in den Kopf gucken.
      Nein, brauchst dich nicht zu entschuldigen, du triffst es ja auf den Punkt und ich stimme dir voll zu 🙂
      Vielen lieben Dank für deinen Kommentar!

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