[Allgemeines] 3 Gründe, warum ich Gold und Schatten von Kira Licht abgebrochen habe

Ein Buch abzubrechen ist immer eine sehr bewusste Entscheidung von mir. „Früher“ habe ich das tatsächlich viel schneller gemacht, mittlerweile bin ich geduldiger, aber auch meine Geduld hat Grenzen. Besonders geduldig war ich bei Gold und Schatten von Kira Licht, einer Jugendbuch Neuerscheinung aus dem One Verlag.  Dafür gibt es drei Gründe, wobei die ersten zwei zusammen hängen:

Das Marketing = Erwartungen & Tempo in der Realität

Das ist leider immer wieder ein Problem, wobei ich dieses Mal auch echt selbst schuld bin. Das Buch trägt den Titel Gold und Schatten mit dem Untertitel „das erste Buch der Götter“. Über dem Klappentext steht: „Paris, die Stadt der … Götter.“ Unter dem Klappentext steht „Lass dich entführen in die geheimnisvolle Welt der Götter“. Bei der Leserunde bestand die Aufgabe darin, die liebsten griechischen Götter zu nennen. Ich sehe also Götter, Götter, Götter, Götter und ich bin bei dem Thema eh wie so ein Kind mit Süßem. In der Schokoladenfabrik. Natürlich habe ich da jetzt kein Percy Jackson erwartet, aber schon: Götter. Damit hängt der zweite Punkt zusammen, nämlich das Tempo. Auf den ersten 150 Seiten stand genau wie viel zum Thema Götter? Nichts. Erst ein paar Seiten später  (170-180 ca.) wird das Thema zum ersten Mal angesprochen.

Da war es mir dann schon zu spät, weil mir auch andere Sachen nicht gefallen haben und ich das Buch schließlich nach 183 Seiten abbrach. Ich lese beim Lesen einfach gerne am Anfang mehr von den Themen, ich brauche vorher nicht 150 Seiten „Einleitung“. Genau so verhielt es sich mit der Magie der Protagonistin, die auf der ersten Seite des Buches an der Ampel steht und von einem Löwenzahn angequatscht wird. Mega! Echt, so cool! Mensch, was war ich begeistert und vorfreudig…. Aber das Tempo bringt es bei 180 Seiten auf ca. zwei kleine wenig interessante Szenen mit ihrer Magie. Da waren wieder meine Erwartungen schuld, denn ich dachte, die Protagonistin wird ständig mit Pflanzen reden, schließlich ist die Welt voll davon. Stattdessen drehten sich die diese ganzen Seiten zum größten Teil um den Typen Mael, den Livia trifft. Ich weiß, im Klappentext steht, dass sie sich „Hals über Kopf“ in ihn verliebt, ich hätte es also wissen müssen. Aber ich war ja zu geblendet von meiner Vorfreude auf Götter und das schöne Cover und der coole Löwenzahn Anfang…Na gut.

Mael: Der Love-Interest

Mael ist der typische Jugendbuch Bad Boy. Mael bedeutet Insta-Love. Also zwei Sachen, die ich absolut nicht leider kann. Dass ich trotzdem fast 200 Seiten davon gelesen habe, spricht für den lockeren Schreibstil und der verdammte Frage „Wann geht es los mit Göttern?“ Die Protagonistin Livia trifft besagten Mael bei einer Museumsführung. Er steht im „verbotenen Gang“, trägt schwarze Röhrenjeans, lehnt die Schulter „lässig“ an die Steinmauer, er „verschmolz“ mit dem Schatten und weil Livia den Jungen vorher auf der Straße gesehen hatte, hatte er sie wohl beobachtet, verfolgt? (S. 19)

Später werden seine grauen Augen mit dem Zusatz „schummrig, dunkel, sexy“ beschrieben (S. 23). Spätestens hier habe ich mich geärgert, dass ich vor dem Kauf nicht das ganze erste Kapitel (bis S. 35) gelesen habe, dann hätte ich es erst einmal abgewartet, anstatt wie eine Wahnsinnige in die Schokoladenfabrik zu stürmen, also Buchhandlung, weil ich das Buch aber auch SOFORT haben wollte. Das habe ich jetzt davon.

Aber zurück zu Mael. Ich fand ihn als Charakter nämlich nicht nur uninteressant, langweilig, klischeehaft und dieses ganze düstere, geheimnisvolle fing an mir auf die Nerven zu gehen, sondern die Handlung mit ihm hat mich auch gestört. Insta-Love. Livia kennt Mael gar nicht, er ist ein absolut Fremder und sie verlässt mit ihm die Führung, um ihm in die Katakomben zu folgen. Nie, nie, nie würde ich im realen Leben auf die Idee kommen, einem Fremden in einen dunklen verbotenen Ort zu verfolgen. Nie würde ich das im Buch gerne lesen wollen oder romantisch finden. Aber Livia ist 16 Jahre alt und dann sieht die Welt nochmal anders aus und sie reflektiert da ja auch noch. Ja, er ist ein Fremder, ja, sie kennt ihn gar nicht und überhaupt. Trotzdem fühle ich mich nach 10 Seiten schon wie im zweiten Teil eines Sarah J Maas Romans, wo die beiden Protagonisten sich anschmachten. Er ist ja so toll!

Fand ich nicht, denn Mael taucht einfach so an ihrer Schule auf, um ihr „persönlich“ abzusagen und nach Hause zu bringen. Okay. Davor schickt er ihr 17 (oder waren es 14?) Nachrichten bei Whats App, als sie nicht antwortet, antwortet natürlich ausweichend auf ihre Fragen und dann schlägt er auch noch den Portier. Ja, ich habe Geduld und ja, ich liebe Götter und überhaupt, aber bei aller Liebe, mein Geduldsfaden ist nicht endlos. Bei einem Moment war dann auch für mich absolut Schluss.

Was dem Plot und den Themen des Buches an Tempo fehlt, wurde bei den Charakter Beziehungen wieder eingeholt. Denn Livia lernt in der Schule zwei Mädchen können. Sie setzt sich zu ihnen, ist komplett neu und schwupps, wirken sie wie beste Freundinnen. Nach 5 Minuten. Oder 2. Die beiden Charaktere, Gigi und Jemma kriegen auf den ersten gut 200 Seiten auch für mich keine nennenswerte Charakterisierung, sind austauschbare Schachfiguren als „die Freundinnen“, die da sind, um Livia kichernd auszufragen, was es mit dem heißen Typen auf sich hat und lustige oder ernste Kommentare abzugeben. Vielleicht war das so mit 16 und ich erinnere mich einfach nicht mehr daran. Jedenfalls ist Gigi dann wirklich diejenige, die mal mit etwas Vernunft kommt:

„Er hat den Portier verhauen. Er ist etwas Fieses von der dunklen Seite der Macht. Er verfolgt sie, lauert ihr auf. Er textet sie ohne Ende zu. Er ist unberechenbar und vermutlich nicht mal komplett menschlich. […] Das mit ihm ist doch vorbei, oder? Deine Schwärmerei?“ (S. 183)

Livias Reaktion? Sie wird rot, weil sie so zerrissen ist und Freundin 1 muss herausstellen, dass er Livia selbst nichts getan hat, nicht gefährlich und aber doch „charmant“ ist. Ohne mich. Ich möchte nicht von Bad Boys lesen, von Insta Love, 200 Seiten auf Themen und mehr Handlung warten. Das Buch hat insgesamt über 500 Seiten, man kann das ganze also im Verhältnis sehen. Kira Licht hat selbst gesagt, dass die Geschichte ursprünglich 1000 Seiten lang war und der Verlag das ganze dann in zwei Hälften geteilt hat. Ich sehe die beiden Bücher aber trotzdem für sich an. Natürlich sind  viele erste Teile von Reihen (hier nur eine Dilogie) eher als Einleitung zu verstehen, aber dann braucht es für mich mehr Magie, mehr Götter, weniger Bad Boy, Insta-Love, einprägsame Nebencharaktere und eine Prota, die nicht in den Liebeszeilen verloren geht.

Das waren also die drei Gründe, warum ich das Buch nach 183 Seiten abgebrochen habe. Ich weiß, dass es später noch einen Plot Twist und einen anderen Sub Plot gibt (zumindest laut Rezi auf Amazon), aber da bin ich nur unglaublich froh, nicht weiter gelesen zu haben. Spätestens dann wäre ich nämlich vom Kind in der Schokoladenfabrik zum Stier in einer Arena geworden.

Kennt ihr das Buch, habt ihr es gelesen oder auch abgebrochen? Nur weil es für mich nicht funktioniert hat, muss das nichts heißen. Wenn ihr einen geheimnisvollen Love-Interest, ein bisschen Magie, Paris als Setting und ein lockeres Jugendbuch mögt, ist dieses Buch vielleicht genau das richtige für euch.

 

 

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6 Gedanken zu “[Allgemeines] 3 Gründe, warum ich Gold und Schatten von Kira Licht abgebrochen habe

  1. Hallo liebe Yvonne, ich war ja doch neugierig. So in Sachen Abbruch und wieso und weshalb. Deine Rezension liest sich jedenfalls super! Jeden deiner drei genannten Gründe kann ich nachvollziehen und auch wenn ich dieses Buch eh nie gelesen hätte, da nicht „mein Genre“, spätestens hier nach würde ich es auch nicht mehr haben/lesen wollen. Du hast mich mit deinen Worten, aus denen ich schon Deine Verärgerung heraus lese, sehr unterhalten, das meine ich im positiven Sinne. Ärgerlich wenn ein Buch nicht hält was groß versprochen wird. Ein Abbruch passiert mir auch ab und an, deshalb kann ich dich voll verstehen. Liebe Grüße
    Kerstin

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    1. Liebe Kerstin,
      ja, Abbruch ist immer ein schwieriges Thema. Manche machen es ja gar nicht, manche reden nicht darüber und manche sind mega konsequent. Vielen Dank! 🙂 Ich wäre froh gewesen, wenn ich vorher gewusst hätte, was mich erwartet, also alleine schon der Bad Boy Mael und seine Beziehung zur Prota, dann hätte ich mich gar nicht erst so auf das Buch gefreut. Viele Enttäuschungen kommen ja auch von Erwartungen und Vorfreude. Ja, ganz genau! Hätte ich mich gar nicht auf das Buch gefreut und einfach mal so reingelesen, hätte ich es einfach zur Seite gelegt und gut ist. So musste ich mich aufregen 😀 Das bedeutet mir echt viel, Dankeschön! 🙂
      Ganz liebe Grüße zurück
      Yvonne 🙂

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  2. Huhu!
    Danke für deine ausführliche Rezension – bzw. Begründung zum Abbruch.
    Das Buch steht noch auf meiner Wunschliste, wird dann aber erstmal etwas weiter nach unten verfrachtet. Ich bin sehr anfällig für diese Hypes. Leider! Meistens finde ich sie nämlich doch etwas überbewertet.
    Deine Anspielung auf Sarah J Maas fand ich sehr lustig. Ich habe 4 Bände gelesen und beschlossen, sie meinem Freund vorzulesen und ihm am Anfang gesagt „durch die ersten zwei Bände müssen wir durch. Danach wirds super!“ und er hat immer nur mit den Augen gerollt und gemeint, ich soll die gefühlsduseligen Passagen überspringen. Jetzt sind wir bei Band 3 und er entwickelt ein wenig Interesse. 😉

    Ich hoffe, dein nächstes Buch bereitet dir mehr Freude!
    Grüße, Lisa

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    1. Hey Lisa,
      Bitte, gerne! Ich fand es auch mal sehr interessant, konkret zu begründen, warum ich ein Buch nach so vielen Seiten abgebrochen habe 🙂
      Ich versuche mich nicht von Hypes beeinflussen zu lassen, aber wenn das Cover schön ist und die Geschichte einigermaßen interessant und alle reden darüber und dann wird es so gelobt und hach, da kann ich manchmal doch „verfallen“.
      Haha, das kann ich mir so gut vorstellen mit Sarah J Maas! 😀 Ich habe zu ihren Büchern ein sehr ambivalentes Verhältnis. Von Liebe zu fast Hass war schon alles dabei und der mega Hype um sie bzw. ihre Bücher ist nicht immer hilfreich. Gerade Band 3 von Das Reich der sieben Höfe hat mich mehr enttäuscht und aufgeregt als Spaß bereitet. So schnell kanns gehen 😀
      Das hoffe ich auch! Zum Glück geht der Lesestoff nie aus 🙂
      Liebe Grüße
      Yvonne

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  3. Ein Buch abzubrechen ist immer schade, aber man muss nicht alles mögen und sich nicht durch alles zwingen. Lesen soll schließlich Spass machen!
    Deine Begründungen finde ich allerdings, du hast es auch sehr unterhaltsam geschrieben, danke dir! 🙂
    Liebst, Lara.

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    1. Liebe Lara,
      ja, das ist es wirklich. Bei manchen Büchern versuche ich wirklich so lange wie möglich zu lesen, mit dieser „Vielleicht wird es ja noch besser“ Hoffnung im Hinterkopf, weil ich eben selbst weiß, wie es ist ein Buch zu schreiben und es als Autor ebenso schade ist, wenn Leser mein Buch nach 50 Seiten abbrechen. Aber es gibt natürlich auch Bücher, wo ich eher emotionslos bin oder in einen mega Rant verfalle. Da hast du auf alle Fälle Recht! Wenn es aus welchem Grund auch immer keinen Spaß mehr macht oder es zu lange dauert, bis es anfängt, Spaß zu machen, sollte man echt abbrechen. Dafür gibt es eben zu viele interessante Bücher auf der Welt.
      Oh Dankeschön, das freut mich unheimlich!!
      Viele liebe Grüße
      Yvonne 🙂

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