[Allgemeines] Die Faszination des Geheimen: Das Voynich-Manuskript

Heute gibt es mal einen anderen Beitrag, thematisch nämlich entdeckt in meiner Freizeit und dann weiterentwickelt im Studium. Vor vielen Jahren bin ich auf der Suche nach Inspiration auf das Thema gestoßen und habe mich dann um so mehr gefreut, als es 2014/2015 in einem Seminar aufgegriffen wurde (und 2018 schon wieder!). Das nenne ich mal einen tollen Zufall. Ihr kennt das Voynich-Manuskript nicht? Dann viel Spaß beim Lesen!

Was ist das Voynich-Manuskript?

Stellt euch vor, ihr findet ein Buch. Ihr schlagt es auf, blättert durch die Seiten und lest…nichts. Nein, nicht wie Riddles Tagebuch im zweiten Harry Potter Film. Es gibt Worte, Schrift, Bilder…aber welche Sprache ist das? Kein Deutsch. Kein Englisch. Kein Latein. Keine bekannte Sprache. Das Voynich Manuskript wird auch das unlesbare Buch genannt, weil die Schrift bis jetzt noch nicht decodiert werden konnte, dabei ist es schon viele Jahrhunderte alt!

Geschichte des Manuskripts

1912 fand der amerikanischen Sammler und Antiquar Wilfried M. Voynich das Manuskript in einer alten Truhe in einer Bibliothek zwischen anderen Büchern und war sofort fasziniert. In dem Buch fand er auch einen Brief, aus dem Jahre 1666. Dieser Brief beinhaltet die Bitte von Johannes Marcus Marci an Athanasius Kircher, das beigefügte Manuskript zu entziffern, da er selbst an diesem Versuch scheiterte. Wenn das nicht spannend klingt, dann weiß ich auch nicht. Aber es wird noch besser! Johannus Marcus Marci schreibt nämlich auch, dass das Manuskript von Kaiser Rudolf II. stammt. Der Kaiser hat von 1552-1612 gelebt, aber der Ankauf muss zwischen 1608 und 1622 stattgefunden haben, da am Rand unter ultraviolettem Licht die Schrift von Jacobus Horcicki de Tepenecz zu erkennen ist und der war der Direktor des Kaisers botanischer Garten.

Wer hats geschrieben?

Das Voynich-Manuskript umfasst 232 Seiten auf Pergament. Es weiß natürlich niemand, was da drin steht, aber durch die Abbildungen gibt es ungefähre Richtungen. So soll es im Buch einen botanischen Abschnitt geben, einen astronomischen Abschnitt, einen biologischen Teil und ein kosmologischer Teil. Nachdem Greg Hodgins von der University of Arizona eine Datierung vorgenommen hatte, fielen ein paar Vermutungen über den Urhebungen weg. Vielleicht war es Roger Bacon? Oder Edward Kelley? Leider nein, denn es wird datiert auf das 15. Jahrhundert, zwischen 1404 und 1438. Beide Männer waren zu dem Zeitpunkt nicht am leben. Ich hätte ja John Dee gut gefunden, der wurde nämlich auch vermutet, weil sein Sohn Arthur in einem Brief von einem Manuskript sprach, dass er nicht entziffern konnte. Und John Dee war der Hofastrologe von Königin Elisabeth I. Aber wie auch schon bei den anderen war er zur Zeit der Entstehung des Manuskripts noch nicht geboren. Mmh. Prescott Currier, der früher der US Navy angehörte, untersuchte das Manuskript hinsichtlich der Sprache und Schrift auch nochmal und stellte fest, dass es nicht einheitlich ist. Es muss von mind. zwei verschiedenen Menschen geschrieben worden sein, weil es zwei unterschiedliche Schreibweisen gibt. Wer? Keine Ahnung.

Aber, nicht verzagen, weiter forschen. Es gibt nämlich im Manuskript bei den Abbildungen Burgen mit Schwalbenschwanzzinnen. Und diese Art von Burgzinnen gab es im 15. Jahrhundert nur in Norditalien. Wir haben also Ort und Zeit, aber keinen Verfasser oder Inhalt.

Das Voynich Manuskript ist ein Puzzle, dass zusammengefügt werden muss. Stück für Stück. Und es ist nicht das einzige Manuskript, dessen Entschlüsselung ein bisschen länger gedauert hat. Nach 200 Jahren wurde die Kassler Geheimschrift und der Codex Copiale geknackt. Nur sind 500 Jahre dann doch halt ein bisschen länger.

Alles Schabernack? Vielleicht. Aber denkt mal daran, dass es damals noch keinen Drucker gab. Tinte und Pigmente waren teuer und bei so viel Text und teuren Farben, die heutzutage noch relativ gut erhalten sind…Puh, was müssen das für hohe Kosten gewesen sein. Und das alles nur für einen Scherz? Aber wenn es eine Geheimschrift oder ein Code ist, hätte es im Laufe der Jahre schon entschlüsselt werden müssen. Denn jede Geheimbotschaft muss früher oder später gelesen werden können.

Natürlich gab und gibt es immer mal wieder Leute, die gute Ansätze haben, ein paar Wörter entschlüsseln können, aber dann nicht das ganze Manuskript. Oder das Theorien aufgestellt werden, die dann doch nicht stimmen und für Hobbykryptologen ist das eh ein gefundenes Fressen.

Warum interessiere ich mich so dafür?

Das Voynich-Manuskript ist für mich ein riesengroßes, unendliches, buchiges Rätsel. Erinnert ihr euch noch an diese Mystery und Krimi Bücher aus der Kindheit? Ich habe als Kind gerne die Fünf Freunde Bücher gelesen, die Knickerbockerbande, die Denise Mystery Bücher, alles mit Geheimnissen, Rätseln, dem großen Hauch von Spannung. In der Jugend wechselte das dann zu einer Vorliebe für Serien wie Sherlock und Bücher zu Themen wie Serienkiller, ungelöste Todesfälle, Verschwörungen, Geheimnisse. Ich finde die Themen einfach interessant, spannend, sie bringen mich zum Grübeln, zum Knobeln…dieses gewisse Knistern. Ich freute mich an der Uni auch im Dezember 2018 noch auf Sitzungen zum Thema Kryptografie und ein ganzes Seminar belegte ich zum Thema Geheimbuchhandel. (Auch sehr spannend!)

Sprache, Kultur, mündliche und schriftliche Kommunikation, Leseverständnis, das sind alles so Aspekte, die bei dem Thema mitreinspielen und die mich mal mehr, mal weniger interessieren. Wurde das Buch in nur einer Sprache geschrieben oder in mehreren? Ist es eine Sprache, die es heutzutage nicht mehr gibt oder nicht überliefert ist? Ist es ausgedacht, hat jemand eine falsche Rechtschreibung? Sind es keine Buchstaben, sondern Zeichen, Symbole und Codes?

Wie sieht die Zukunft aus?

Im Grunde gibt es nur drei Möglichkeiten.

  1. Irgendwann wird die Forschung und Technik so weit sein und man wird herausfinden, was in dem Buch steht. Und wenn der Text decodiert wird, will ich gefälligst dabei sein!
  2. Ich habe Pech und das Manuskript wird niemals entziffert. Für immer bleibt es ein Haufen unlesbarer beschriebene Blätter Pergament.
  3. Es wird bestätigt, dass es sich um einen Scherz handelt, um unleserlichen Kauderwelsch. Das fände ich auch äußerst schlecht, aber ich tippe ja eher auf Möglichkeit eins und zwei. Vorzugsweise noch zu meiner Lebenszeit.

Anmerkung: Ein aktuelles interessantes Video, dass sich auch konkret mit den Sprachstrukturen und Buchstaben beschäftigt, ist dieses hier. Es besagt, dass verschiedene Sprachen kombiniert wurden und geht von einem türkischen Hintergrund aus. Das muss aber noch geprüft werden:

Ata Team Alberta (ATA) has deciphered and translated over 30% the manuscript. Currently, a formal paper of the philological study was submitted to an academic journal in John Hopkins University.

Zumindest wurde ein Teil im botanischen Abschnitt in sinnvolles englisch übersetzt und der Text passt auch noch perfekt zu den Abbildungen. Also abwarten und weiter forschen!

Quellen und Videos zum anschauen

  • Mc Crone Associates: Materials Analysis of the Voynich Manuscript
  • Roitzsch, Peter: Das Voynich-Manuskript. Ein Rätsel der Verganenheit. Münster 2008, S. 43.
  • Captain Prescott H. Currier: Papers on the Voynich Manuscript (hier online)
  • Die Kommentare zu dem Video sind auch ganz witzig. Das Video ist schon ein bisschen älter, aber da seht ihr das Manuskript auch mal live! Hier: The Book that cant be read
  • Wer reine Bilder vom Manuskript besser findet, wird auf der Seite der Bibliothek der Universität Yale fündig.
  • Wer wer wenig Zeit hat und es animiert mag, findet hier ein weniger als 5 minuten langes Video

 

 

 

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11 Gedanken zu “[Allgemeines] Die Faszination des Geheimen: Das Voynich-Manuskript

  1. Hallo Yvonne,

    vielen Dank für diesen interessanten Beitrag! Das Voynich Manuskript hatte mir, bevor du es kürzlich erwähntest, noch gar nichts gesagt, und auch danach habe ich nur kurz dazu gelesen. Daher freut es mich umso mehr, jetzt diesen Beitrag von dir zu lesen und etwas mehr darüber zu erfahren.

    Genau wie du hoffe ich, dass das Manuskript (möglichst zu unseren Lebzeiten) vollständig übersetzt wird. ATA hat dazu ja schon mal, wie mir scheint, ein gutes Stück beigetragen. Mal schauen, ob sie vielleicht noch mehr schaffen.

    Liebe Grüße
    Sarah

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    1. Liebe Sarah,
      tut mir ehrlich leid, dass ich jetzt erst antworte. Ich möchte nie „zwischen Tür und Angel“ antworte und war mit Hausarbeiten und Zimmer Suche sehr beschäftigt.
      Aber dein Lob freut mich auch jetzt noch unheimlich. Vielen lieben Dank dafür! 🙂
      Oh, das ist schön. Ich freue mich über jeden, der vom Voynich Manuskript erfährt. Das hoffe ich auch. Ja, die Daumen sind gedrückt, vielleicht wird es jetzt ja was.
      Ganz liebe Grüße
      Yvonne 🙂

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  2. Ich finde sowas aber auch unfassbar interessant und kann dich da verstehen Yvonne. Ich bin ja so jemand der es hasst, wenn es keine Antwort auf offene Fragen gibt und kann mich dann auch unendlich lange damit beschäftigen, einfach weil ich diese Antwort brauche. In der Hinsicht wäre ich wohl auch eine gute Ermittlerin geworden, weil mir das dann keine Ruhe lässt :D. Deshalb habe ich aber auch eine schwäche für geschichtliche Rätsel und Mysterien bzw. alles worauf wir Menschen noch keine Antworten haben. Aus diesem Grund kannte ich das Voynic Manuskript schon vorher, hatte das mal in einer Dokumentation über Mysterien der Menschheit gesehen. Ich hoffe ja auch, dass man das irgenwdann mal entschlüsselt und wir das noch miterleben. Das es sich um einen Schwerz handelt denke ich nicht, schon auffgrund der hohen Kosten und auch all der Mühe und Zeit die dahintersteckt. Man muss sich diese Geheimschrift ja auch erstmal überlegen und dann auch noch so ein umfassendes Werk verfassen. Selbst wann da jetzt mehrere Autoren zu beigetragen haben, ist das doch trotzdem ein Zeitakt. Auch der Inhalt müsste dann ja eigentlich brisant sein, weil weshalb sonst das verschlüsseln? Da gibt es auf jedenfall viele spannende Fragen, Ansätze und ich beneide ja immer etwas die Menschen deren Job es ist sowas dann zu untersuchen und zu entschlüssen. Stelle ich mir sehr spannend vor.

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Nicole,
      puh, dein Kommentar ist schon ewig her, aber ich wollte nicht so zwischen Tür und Angel antworten und war mit Hausarbeiten und Zimmer Suche gut beschäftigt.
      Ah das freut mich! Eine Gleichgesinnte 🙂 Ja, ich muss dann immer eine Antwort wissen. Haha ja, das kann ich mir gut vorstellen 😀
      Oh das freut mich so! Jemand, der das Voynich Manuskript schon kannte, yeah! 🙂
      Ich kann mir das mit dem Scherz auch wirklich nur schwer vorstellen. Eben aus den gleichen Gründen, die du auch genannt hast.
      Die beneide ich auch! Auf meiner Bucket List fürs Leben steht auf alle Fäle die Yale Universität, um das Manuscript mal live zu sehen. Hach. Ich dürfte da dann nur nicht anfangen zu heulen 😀 Sicherheit und so.
      Ich drücke uns beiden die Daumen, dass es noch zu unser Lebzeit gelöst wird!
      Ganz liebe Grüße
      Yvonne 🙂

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  3. Hallöchen,
    das ist ja total interessant! Auch wenn es mich ein bisschen fuchsig macht, dass das Rätsel noch nicht gelöst wurde. Jedenfalls vielen Dank für diesen interessanten Beitrag.
    Liebste Grüße, Kate

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    1. Ach mensch, Kate, ich hatte in den letzten zwei Wochen so viel mit meinen Hausarbeiten zu tun und die Kommentare haben sich so angestaut. Aber etwas verspätet dann vielen lieben Dank für deinen netten Kommentar! Ich freue mich riesig über jede Aufmerksamkeit, die das Voynich Manuskript bekommt und bin natürlich auch fuchsig 😀
      Ganz viele liebe Grüße
      Yvonne ❤

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  4. Ich habe bis vorher noch nie etwas davon gehört Ein interessanter Beitrag zu einem interessanten Thema! Als Liebling von Serien wie Sherlock finde auch ich es sehr faszinierend und würde nur zu gerne wissen, was es denn jetzt genau damit auf sich hat. Dass es sich dabei um irgendein Kauderwelsch handelt, kann ich mir auch nicht vorstellen, wäre doch langweilig, vielleicht irgendeine Geheime Botschaft! Ach, darüber könnte man jetzt wunderbar eine Geschichte spinnen!
    Alles Liebe
    Nadine

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    1. Liebe Nadine,
      mensch, ich komme jetzt erst zum Antworten. Ich war einfach so super beschäftigt, tut mir leid. 😦 Aber das freut mich soooo sehr, weil jetzt kannst du sagen: Davon habe ich schon mal gehört! 😀
      Ja, eine geheime Botschaft bzw. allgemein irgendwelche sinnvollen Infos fände ich auch klasse. Sonst denke ich auch an die ganzen Wissenschaftler, die sich den Kopf zerbrochen haben und dann ihre Zeit irgendwie verschwendet hätten. 😀
      Das Voynich Mnauskript kommt sogar in ein paar Büchern vor! Wirklich super spannend.
      Alles Liebe
      Yvonne 🙂

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    1. Vielen lieben Dank für die Verlinkung!
      Das freut mich SO sehr 🙂 Vielleicht kann ich ja zu Lebzeiten noch einen Artikel schreiben, wenn der Code geknackt wurde. Das wäre doch toll. 😀
      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende!
      Ganz liebe Grüße
      Yvonne 🙂

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