[Rezension] Eleanor und Park von Rainbow Rowell

Das Buch hat mich vollends überzeugt, obwohl es die Liebesgeschichte zweier Teenager ist und ich doch eigentlich schon lange aus dem Alter raus…Eleanor und Park ist 2015 im Hanser Verlag erschienen und darum geht es:

Sie sind beide Außenseiter, aber grundverschieden: Die pummelige Eleanor und der gut aussehende, aber zurückhaltende Park. Als er ihr im Schulbus den Platz neben sich frei macht, halten sie wenig voneinander. Park liest demonstrativ und Eleanor ist froh, ignoriert zu werden. In der Schule ist sie das Opfer übler Mobbing-Attacken und zu Hause hat sie mit vier Geschwistern und einem tyrannischen Stiefvater nur Ärger. Doch als sie beginnt, Parks Comics mitzulesen, entwickelt sich ein Dialog zwischen den beiden. Zögerlich tauschen sie Kassetten, Meinungen und Vorlieben aus. Dass sie sich ineinander verlieben, scheint unmöglich. Doch ihre Annäherung gehört zum Intensivsten, was man über die erste Liebe lesen kann.

Ich habe von der Autorin bisher das Buch Fangirl gelesen und es geliebt, dementsprechend habe ich natürlich gehofft, Eleanor und Park ähnlich zu lieben.

Die Charaktere

Eleanor und Park sind natürlich die Hauptpersonen im Buch, aber trotzdem gibt es noch ein paar Nebencharaktere, die ich mindestens genauso spannend fand. Eleanor ist das Mädchen mit den roten Locken, etwas fülliger, aus schlechtem Elternhaus und armen Verhältnissen. Park ist mehr oder weniger das Gegenteil: Ein kleiner Asiate aus gut behütetem Elternhaus. Aber im Buch ist es gar nicht so klischeehaft dargestellt. Beide sind eher Außenseiter in der Schule, mögen ähnliche Sachen und verstehen sich auf eine Weise, wie sie es vorher nicht für möglich gehalten hätten. Das Buch erzählt, wie sie von Fremden zu Freunden und mehr werden. Ich habe mich beim Lesen öfters dabei erwischt, wie ich „Aww“ dachte und am liebsten geseufzt hätte, grinsen musste ich auch. Es ist einfach so süß! Hach. Aber nicht auf so kitschige Art und Weise. Eher ehrlich, realistisch, nicht ohne Fehler, Fragen, Unsicherheiten und Vorurteile. Es war einfach wunderschön, so raw. Dafür fällt mir grad kein deutscher Begriff ein. Eleanor und Park lernen sich Stück für Stück kennen, nicht nur den anderen, sondern auch die Familien, die Ängste und Wünsche. Es gab keinen Zuckerguss, nur süße Realität.

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Die Nebencharaktere fand ich deshalb auch so klasse, weil sie eben nicht einseitig oder perfekt waren. Parks Mutter ist Frisörin, will Eleanor verändern, hat Vorurteile, verurteilt Park und liebt ihn trotzdem. Parks Vater übt mit ihm Auto fahren und hat dann doch keine Geduld. Eleanors Mutter ist einerseits schwach in dem Sinne, dass sie es nicht schafft, ihren aggressiven Mann zu verlassen, der die Familie tyrannisiert. Und doch hat sie ihre Momente, in denen sie sich widersetzt. Heimlich, aber liebevoll. Von ihr hätte ich mir gerne mehr Szenen gewünscht.

Der Schreibstil

Rainbow Rowell schreibt ganz klar und deutlich, aber flüssig. Es gibt keine Bandwurmsätze, keine ewig langen Beschreibungen. Und doch hat sie ihre eigene Art der Poesie. Manche Kapitel starten gleich, was ich großartig fand. Das ganze Buch wechselt zwischen den Kapitel zwischen Eleanor und Park hin und her, manchmal sind es ein paar Seiten, manchmal auch nur eine. Dadurch konnte ich das Buch super schnell lesen. Zack, zack, zack. Aber es wirkte auf mich nicht abgehakt, eher einfach schnell. Hin und Her. Gleichzeitig hat das manchen Szenen auch etwas mehr Tiefe gegeben, weil ich ja in beide Köpfe schlüpfen kann und während Eleanor sich für etwas schämt, findet das Park toll. Oder Eleanor kommt zur Schule und Park bemerkt etwas anderes an ihr. Das sind so kleine Momente, die die Liebe aus machen.

Fazit

Ich habe das Buch unglaublich gerne gelesen. Es war nicht nur eine süße Liebesgeschichte mit jungen Charakteren, sondern auch eine ehrliche Kritik an der Gesellschaft Amerikas, Vorurteilen, Umständen, Elternhäuser und Nachbarn, Lehrer und Mobber. Ich habe beim Lesen alles gefühlt, was die erste Liebe ausmacht. Ein Kribbeln, ein Lächeln, Unverständnis, Wut und Trauer. Einfach eine schöne Liebesgeschichte mit bezaubernden Hauptcharakteren und der richtigen Prise Realismus und Ernst.

Lieblingszitat

Mein eigentliches Lieblingszitat würde leider das Ende spoilern, deshalb hier ein anderes.

„Oder vielleicht, dachte er jetzt, erkannte er all die anderen Mädchen nicht. So wie ein Computerlaufwerk eine Diskette ausspuckt, wenn es die Formatierung nicht erkennt. Als er Eleanors Hand berührte, erkannte er sie.“ (S. 82)


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