[Rezension] Dear Martin von Nic Stone

Dear Martin hat mich zunächst unschlüssig zurück gelassen und ich musste etwas über das Buch nachdenken. Aber genau dazu ist es ja auch da. Das Buch ist 2018 im Rowohlt Verlag erschienen und darum geht es:

Justyce McAllister ist einer der Besten seiner Klasse, Captain des Debattierclubs und Anwärter auf einen Studienplatz in Yale – doch all das interessiert den Polizisten, der Justyce die Handschellen umlegt, nur wenig. Der Grund für seine Verhaftung: Justyce ist schwarz. Und er lebt in den USA im Jahr 2017. (Das ist nur ein Ausschnitt, weil der Rest meiner Meinung nach spoilert. Wer den ganzen Klappentext lesen mag, findet ihn hier.)

Was ich am Buch mochte

  • Natürlich das Thema, weil es so, so wichtig und leider auch zeitlos ist. Das Buch ist kein Hirngespinst, diese Fälle von weißen Polizisten, die schwarze Jugendliche grundlos verhaften oder sogar töten gab es zuhauf, viel, viel zu oft in der traurigen Realität der USA.
  • Das vielfältige Thema, denn im Buch geht es nicht nur um den Rassismus zwischen POC und weißen Polizisten, sondern es werden auch noch ein paar andere Aspekte angesprochen. Vorurteile und Klischees gegenüber POC oder POC, die sich gegenüber weißen falsch verhalten. Gerade letzteres kannte ich in der religioösn Thematik von einer muslimischen Freundin, die keinen deutschen Freund haben durfte.
  • Den vielfältigen Schreibstil, denn Nic Stone arbeitet mit einer Vielzahl an Möglichkeiten, um ihre Botschaft zu überbringen. Es gab nicht nur den normalen Roman Anteil und die Briefe an Dr. Martin Luther King, sondern auch Nachrichten im Fernsehen, in der Zeitung, Chat Nachrichten und Debattierrunden. Das hat beim Lesen Spaß gemacht.
  • Die Briefe an Martin Luther King waren nicht nur eine Art und Weise, Justyce Gefühle und Gedanken an den Leser zu vermitteln, sondern auch ein gutes Mittel, um über Martin Luther King selbst und seine Umstände nachzudenken. Was hätte Martin Luther King jetzt gemacht? In welcher Realität lebte er und wie unterscheidet sich das von heute? Diese Gedanken fand ich sehr interessant und eine tolle Idee.
  • Gefühle beim Lesen. Ja, ich bin weiß, ich kann nicht nachempfinden, was Rassismus ist oder wie sich POC fühlen müssen. Aber ich trotzdem mitgefühlt. Ich war wütend auf weiße Arschlöcher, die Polizisten sein dürfen. Ich war genauso sauer auf Justyces Mutter, die ihrem Sohn keine absolute Freiheit gibt. Ich war traurig und habe mit Justyce mitgefühlt, sein Schmerz und seine Hilflosigkeit.

Was mir gefehlt hat

  • Tiefgang. Meiner Meinung nach war das Buch platt, die Message platt. Ich hätte mir das Klappentext und der Länge des Buches (ca. 250 Seiten) schon denken können, aber ich hätte mir trotzdem mehr Tiefe gewünscht. Mehr subtile Worte, Handlungen und mehr Dreidimensionalität für die Charaktere. Es wirkte eher so, als ob die Charaktere einseitige Schachfiguren sind, die nur dazu dienen, die Message zu sagen. Ohne Platz zum ausdeuten.
  • Mehr Handlung. Tatsächlich passiert im ganzen Buch aktiv gar nicht mal so viel. Da hätte ich mir mehr gewünscht. Das Buch hätte ruhig doppelt so lang sein können, wenn es dafür etwas subtiler, tiefer und einfach insgesamt mehr gewünscht. Im Nachwort steht, dass die Lektorin wohl einiges gestrichen hat. Wie war das Buch wohl vorher?

Was ich nicht mochte

  • Die Sprache. Sehr oft tauchen die Worte wie Alter, Bro, das N Wort, Mann, Yeah auf, besonders in den Dialogen und das hat mich unglaublich genervt. Ich mag die Wortwahl aber auch generell nicht und sie hilft auch eher nicht, gegen Stereotypen anzugehen.

Fazit

Ich habe das Buch schnell gelesen und es hat mich berührt, frustriert und zum Nachdenken gebracht. Trotzdem hätte ich mir mehr Tiefgang gewünscht, gerade weil das Thema so wichtig ist.

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