[Rezension] Super, und dir? von Kathrin Weßling

Bei sehr hoch gelobten Büchern habe ich immer etwas Angst. Werde ich das auch so stehen? Schwimme ich dann gegen den Strom? Was, wenn die Erwartungen nicht erfüllt werden oder waren die Erwartungen durch das ganze Lob nur zu hoch? Bei diesem Buch kann ich zum Glück sagen: Pustekuchen! Das Buch ist so gut und noch viel mehr.

Super und dir ist 2018 mit 256 Seiten bei Ullstein erschienen und darum geht es: Marlene Beckmann ist 31 Jahre alt und lebt das Leben, das sie sich gewünscht hat. Auf die Frage, wie es ihr geht, antwortet sie meistens: »Super, und dir?« Marlene hat sich äußerlich im Griff. Bis sie ihren ersten richtigen Job als Social Media Managerin in einem multinationalen Unternehmen antritt. Bis sie vor lauter Überstunden kein Privatleben mehr hat. Bis der Druck schließlich zu groß wird …

Das Thema

„Wie geht es dir?“

„Super, und dir?“

Ist das Ehrlichkeit oder kann das schon weg? Das Buch beschreibt in prägnanten Lebensmomenten der Protagonistin dieses gesellschaftliche Phänomen und noch viele mehr. Sie hat einen Job, der sie fertig macht, der sie nicht erfüllt. Ich selbst hatte schon gute Chefs, sehr schlimme und die dazwischen. Marlene hat natürlich keinen guten Chef, aber es passt. Es macht die Geschichte rund, stimmig, real.

Das Buch spricht ganz viele Themen an, mal indirekt, mal direkt, aber immer ehrlich. Die ganze Geschichte ist eigentlich eine einzige Kritik an der heutigen Generation, ohne mit dem Zeigefinger die Moralapostel Keule zu schwingen, eher im Sinne des Augen Öffnens. Leistungsdruck, Selbstoptimierung, Drogen, Alkohol, Facebook, Likes, Freundschaft, Liebe, Familie, Lächeln, wenn man es so meint und wenn man nur so tut. Wer merkt, das man nur so tut und wer nicht.

Auf diesen 250 Seiten findet alles Platz, alles gehört zu Marlenes Leben dazu und der Plot steigert sich von Kapitel zu Kapitel mit Rückblenden die erklären, ohne das Tempo rauszunehmen und einem Ende, das Fragen offen lässt. Vielleicht zu viele Fragen, aber genau so ist das Leben.

Der Schreibstil

Hach, was soll ich nur sagen? Von Kathrin Weßling habe ich noch kein Buch gelesen gehabt, ich wusste nicht, was mich erwartet. Aber jetzt weiß ich: Ich will mehr!

Ihr Schreibstil ist ehrlich. Nicht nur normal ehrlich, wirklich schonungslos ehrlich. Sie benutzt auch mal Schimpfwörter, weil so halt Menschen reden. Was mich normalerweise eher stört, ist hier wohl dosiert, nicht vulgär. Nur authentisch, realistisch. Genau das macht es auch so toll, dieses Buch zu lesen. Ich kann nicken, lächeln und denken „Ja, genau so!“. Ich kann den Kopf schütteln und mir wünschen, wie die Geschichte ausgeht, mit dem Hauptcharakter mitfiebern, weil ich ganz nah dran bin.

Sie schreibt in kurzen Sätzen, in kurzen Wörtern, auch mal abgehakt, mit vielen Wörtern hintereinander. Das macht nicht nur das Lesen sehr schnell (ich habe fast das ganze Buch an einem Tag durchgelesen), sondern bringt auch die Melodie von ein Stück Poesie.

Fazit

Dieses Buch war so großartig, so wichtig, so ehrlich, so unterhaltsam und nachdenklich zugleich. Ich kann es nur jedem der heutigen Generation empfehlen. Jeder, der Facebook veraltet findet und auch jeder, der noch nie auf Facebook war. Jeder, der auf die Frage „Wie geht’s dir?“ mit „Super, und dir?“ antwortet. Jeder, der das genau so meint und jeder, der lügt.

Lieblingszitat

Wenn ich könnte, würde ich hier einen ganzen Absatz posten. Ach was, eine ganze Seite. Aber ich belasse es bei diesem Zitat:

„Verzweiflung ist keine Denkaufgabe, die man lösen kann. Egal, wie sehr man sich anstrengt.“ (S. 185)

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