[Rezension] Das rote Kleid von Guido Maria Kretschmer

Wie lange bin ich um dieses Buch herum geschlichen? Gefühlt ewig. Das Konzept ist so eigen, da war ich mir unsicher, wie es mir gefallen würde und tatsächlich bin ich mir nach dem Lesen noch nicht zu 100% sicher. Aber eins nach dem anderen. Das Buch ist 2018 beim Goldmann Verlag mit 256 Seiten erschienen und darum geht es:

Anascha ist ein wunderschönes rotes Kleid aus Seide. Sie hängt an einem Filmset in der Garderobe und wartet gespannt auf ihren Auftritt. Aber Anascha ist noch ein junges Textil, und so ist sie froh, dass sie in guter Gesellschaft ist: Da gibt es Eric, den alten Mantel, der bald ihr engster Vertrauter wird, ein liebenswertes Nachthemdchen, das immer vom Bügel stürzt, oder Lulu, das charmante Revuekleid aus Las Vegas. Nur gut, dass sie alle zusammenhalten wie aus einem Garn genäht, denn bald müssen sie so manche Herausforderung meistern. Und vielleicht gelingt es Anascha am Ende sogar, ihren großen Traum zu erfüllen – ein richtiges Zuhause zu haben und einen Menschen, der sie wirklich liebt, für immer…

Ja, richtig gelesen, in dem Buch ist ein Kleid die Protagonistin. Wir erleben die ganze Geschichte aus ihrer Sichtweise, die umso vielfältiger wird, als sie an ein Filmset kommt. Sie lernt in der Garderobe die ganzen verschiedenen Kleidungsstücke kennen, jedes mit Namen. Und mit jedes meine ich auch wirklich jedes! Vom alten Mantel Eric über den Tanga Jana Ina. Das waren mit all den verschiedenen Klamotten, die es am Film Set so gibt immer wieder so viele Namen, damit hätte man ein ganzes Telefonbuch füllen können, wirklich. Mir war das etwas zu viel. Es fehlte der Fokus.

Die menschlichen Charaktere im Buch sind recht einfältig und dienen als handelnde Personen, die die eigentliche Geschichte hinter den Kulissen des Films voran bringen. Erst recht, weil einer der Charaktere falsch spielt…Sie waren allesamt nett und interessant, aber eben auch nicht erinnerungswürdig.

Die Geschichte nimmt so ihren Verlauf und ich würde das Buch gar nicht so richtig als Buch in dem Sinne bezeichnen, weil der Plot auch her simpel ist, sondern viel eher als kreative Parabel. Guido Maria Kretschmar hat sich sehr viele Gedanken gemacht und eine „Was wäre wenn Welt“ erschaffen. Was wäre, wenn Kleider Gedanken und Gefühle hätten, reden könnten? Was würden sie denken, über Menschen sagen und sich wünschen? Gleichzeitig spiegeln diese Gedanken die der menschlichen Charaktere wieder, auch durchaus kritisch. Wie wir T-Shirts einfach ersetzen, wie eitel ein Dior Kleid wohl sein würde und wie sich eigentlich alle Kleider nur ein Zuhause, Liebe und Anerkennung wünschen – wie eben viele Menschen auch. Das Buch beschreibt diese Reise und Abenteuer der Kleider am Film Set.

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Schön fand ich kleine Details. So sind die Charaktere der Kleidungsstücke immer an ihrer Funktion angepasst, Hosen sind zum Beispiel gefühlsmäßig eher sprunghaft, weil sie zu allem passen. Nachthemden fallen auf den Boden, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Und auch sprachlich stimmt jedes Detail, so wurden auch bekannte Sprichworte an die Welt der Kleidung angepasst:

„Nur der frühe Faden fängt das Öhr.“ (S. 52)

Ein paar schöne Ideen regen noch zum Nachdenken an, weil die Kleider auch über ihren Wert reden, Ersetzbarkeit und verschiedene Medien. Ein Theater Stück ist vergänglich, lebt nur für den Moment und ist jeden Abend anders, ein Film aber lebt für immer, weil die Leute ihn ja immer wieder ansehen können. Dementsprechend ist es auch gut, als Kleidungsstück in einem Film verewigt zu werden.

Fazit

Das Buch war für mich eine schöne Parabel auf die Art, wie Menschen mit Kleidung umgehen. Es war ein Appell, besser mit ihr um zu gehen und obwohl ich es gerne gelesen habe, war es rein vom Plot her etwas dünn und mir hätte die Geschichte wohl auch als Novelle gereicht.

Lieblingszitat

„Freundschaft ist wie Liebe ohne die Flügel der Versuchung.“ (S. 77)

 

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