[Rezension] Midnight in Manhattan von Jennifer Castle

 

Kennt ihr das, wenn ihr Bücher anfangt zu lesen und es ist SO toll, aber nach einer Weile bleibt von der anfänglichen Magie nichts mehr übrig? So ging es mir bei diesem Buch. Es war mein erstes Winter Romance Buch und obwohl ich das Konzept klasse fand, konnte mich die Umsetzung leider nicht überzeugen. Das Buch ist im Jahre 2018 mit 320 Seiten im dtv Verlag erschienen und darum geht es:

Sechs Monate war sie fort, nun freut sich die siebzehnjährige Kendall unendlich auf New York im Winter – und auf das Wiedersehen mit ihrem Schwarm Jamie. Doch der bringt zu ihrem Treffen keinen anderen mit als ausgerechnet Max. Max, den Kendall nach dem einen fatalen Kuss im letzten Sommer viel lieber vergessen hätte. Max, der in seinem Herzen eigentlich ebenso wenig frei ist wie Kendall. Doch dann werden beide Zeugen eines Unfalls, und dieses Erlebnis bringt sie einander wieder näher. So nah, dass Kendall sich fragen muss, mit wem sie nun wirklich ins neue Jahr tanzen will – Jamie oder Max? (Klappentext von dtv.de)

Die Charaktere

Die Geschichte wird aus den Perspektiven von Kendall und Max erzählt. Gerade Kendall hat mir am Anfang super gefallen! Wie sie Pläne für das neue Jahr macht, sie wieder verwirft und allgemein mit sich hadert, nachdem sie von der Europa Reise wieder nach Hause gekommen ist. Allerdings hatte ich im Laufe des Buches Probleme, so richtig 100% mit Kendall mitzufühlen. Sie hat diese zwei Typen, setzt aber keine Grenzen, klärt nichts, redet nicht wirklich und wenn sie mit Typ A knutscht, obwohl sie mit Typ B verabredet war, fragt sie sich später noch, was Typ B eigentlich so macht. Nach dem Motto „Ach, da war ja noch was. Den Typen habe ich halt ganz vergessen.“ Sie schreibt zwar, aber gibt den Leuten auf der Straße Namen, zeichnet sie und denkt sich Geschichten zu ihnen aus. Obwohl ich selbst schreibe, konnte ich das nicht zu 100% nachvollziehen. Einmal hilft sie auch einer Frau und bereut es sogleich, weil besagte Frau reich und berühmt ist. Vielleicht wollte die Autorin damit bezwecken, dass Kendall weniger als herzensguter Mensch dargestellt wird, weil sie auch Fehler macht und Vorurteile hat, aber mir waren diese Gedanken äußerst unsympathisch. Jeder Mensch verdient Hilfe, auch die reichen und berühmten.

Max war mir als Charakter zu passiv. Er wirkte mehr wie jemand, der anderen hinterherläuft und der darauf wartet, das andere ihm Entscheidungen abnehmen, dass andere ihn darauf hinweisen, wenn er einen Fehler macht. Oft kam es vor, dass er eine Art Erkenntnis hat, dass ihm etwas bewusst wurde, aber nur durch die Worte und Handlungen von anderen Charakteren. Er stimmt ihnen zu, aber trotzdem bleibt er durchweg passiv und auch wenn das erklärt wird und zu ihm passt, das hat mich irgendwann angefangen zu nerven.

Jamie fand ich absolut überflüssig, ich weiß auch nicht, was seine Rolle in der Geschichte war. Hätte das Buch auch funktioniert, wenn es ihn gar nicht gegeben hätte? Absolut.

Einen Charakter, den ich aber wirklich mochte, war Big E. Er ist der Opa von Max, der die Familie mit seinem Verhalten tyrannisiert, der aber im Laufe des Buches eine Entwicklung durchmacht. Ihn fand ich wirklich sehr interessant und stimmig.

Der Plot

Das Konzept des Buches fand ich klasse! Die Umsetzung nur eben nicht. Denn das Buch dreht sich um eine Challenge, zu sieben fremden Menschen nett zu sein, ihnen zu helfen. Was nicht nur moralische Fragen aufwirft (Nicht alle Menschen wollen Hilfe, was sind alltägliche Nettigkeiten, wie kommt das bei dem anderen an usw.), sondern auch strukturell schön eingearbeitet war. Die Perspektiven haben mir wirklich gefallen.

Leider war für mich ein Problem, wie konstruiert der Plot war. Das fängt schon ganz am Anfang an und zieht sich durch das ganze Buch. Kendall will nach einem Erlebnis nicht mit ihrer Mutter oder Jamie reden, sondern mit Max. Warum? Ich weiß es nicht, die Charaktere wissen es auch nicht, sonst hätte es dafür Gründe im Buch gegeben. Aber der Plot weiß es, denn Kendal muss darüber mit Max reden, weil sonst die Challenge nicht zustande kommen kann. Was wäre gewesen, wenn sie mit ihrer Mutter oder Jamie geredet hätte, um dann festzustellen, dass sie nicht gut mit ihnen reden kann und als Reaktion darauf zu Max zu gehen? Das hätte ich logischer gefunden. Diese Momente, in denen ich mir dachte, dass verschiedene Aktionen der Charaktere jetzt nicht wirklich Sinn ergeben, außer, damit Plot xy passieren kann, die haben mich sehr gestört.

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Das Setting

New York im Winter und zur Weihnachtszeit! Hach, wenn das nicht toll klingt. War es auch, aber ich hätte mir mehr gewünscht. Aufgrund des Covers hätten die Charaktere ja auch die Brooklyn Bridge besuchen können, aber gut. Weihnachtsstimmung ist bei mir nicht aufgekommen, dafür Winter Stimmung mit viel Schnee. Die Charaktere sind im Central Park, High Line, Washington Square Park, Times Square, Grand Central Station. Das alles sind schöne Ort, keine Frage. Aber eben auch sehr bekannte Orte für Touristen. Weil die Charaktere im Buch aber eben diese nicht sind, hätte ich mir gewünscht, dass sie sich auch an anderen Orten aufhalten.

Der Schreibstil

Gerade am Anfang war das Buch schön flüssig zu lesen, ich musste das ein oder andere Mal schmunzeln und das war super! Eher zum Ende hin waren mir persönlich aber viele Sätze zu kurz, dass hat mir eher weniger Spaß gemacht.

Fazit

Der Roman fing klasse an, der Schreibstil war leicht und lustig, aber im Laufe des Buches fehlte mir die Tiefe, die moralischen Aspekte waren mir zu platt, die Liebesgeschichte zu schnell und oberflächlich, der Plot zu konstruiert. Es war eine nette Geschichte, aber die Umsetzung konnte ich nicht richtig genießen.

Lieblingszitat

„Und wieso denke ich eigentlich gerade an die griechische Mythologie? Wahrscheinlich weil ich vor Entsetzen wie versteinert bin.“ (S. 47)


2 Gedanken zu “[Rezension] Midnight in Manhattan von Jennifer Castle

  1. Hallo Yvonne,

    ich habe deine Rezension grad beim Stöbern entdeckt und mal direkt unter meiner verlinkt 🙂 Sag Bescheid, falls das nicht in Ordnung für dich ist.

    Ich kann dir in so gut wie allen Punkten zustimmen. Mir waren sogar beide Charaktere höchst unsympathisch. Besonders die Stelle, wo Kendall der „reichen“ Frau hilft und es gleich darauf bereut, hat mich persönlich sehr gestört. Ich konnte viele Handlungen einfach nicht nachvollziehen, weswegen auch die leicht winterliche Atmosphäre und die tolle Botschaft „Schaden“ genommen haben.

    Liebe Grüße
    Jacki von Liebe Dein Buch

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Jackie,
      ach das ist ja toll! Vielen lieben Dank, freue mich über die Verlinkung 🙂
      Oh Gott ja, das war so schlimm! Da dachte ich auch echt nur „Okay, was soll der Mist jetzt?“. Richtig ärgerlich.
      Kann ich absolut verstehen 🙂
      Ganz liebe Grüße zurück,
      Yvonne 🙂

      Gefällt mir

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