[Schreiben] Was ist eigentlich „Nanowrimo“?

Der November ist für viele Autoren ein ganz besonders aufregender Moment, denn der Nanowrimo findet statt! Was das eigentlich ist, was so positiv und negativ daran ist, meine Erfahrungen und Pläne gibt es in diesem Beitrag.

Nano was?

Nanowrimo ist die Abkürzung für Nation Novel Writing Month. Das ist ein Schreibwettbewerb, der jedes Jahr vom 1-30. November stattfindet. Das Ziel ist es, 50k, also 50.000 Wörter zu schreiben. Das ist ein kurzer Roman, ungefähr 200 Seiten. Es geht nicht um den Inhalt, das Thema, Genre, ob man erst am 5. November anfängt oder schon am 10. November fertig ist. Es geht einzig und allein darum, überhaupt 50k in 30 Tagen zu schreiben und niemand kontrolliert das was und wie. Durchschnittlich muss man jeden Tag 1667 Wörter schreiben, um am Ende zu gewinnen. Der Preis besteht übrigens aus einer Urkunde als PDF Datei und Rabatten für Schreibprogrammen. Der Wettbewerb findet weltweit statt, was es auch so aufregend und groß macht. Tausende Autoren verkriechen sich in diesen 30 Tagen vor der Tastatur oder dem Notizbuch und schreiben 50.000 Wörter.

Das Drumherum

Der Nanowrimo wäre nicht der Nano, wenn es für all die fleißigen oder verzweifelten Autoren nicht Extras geben würde. Natürlich gibt es einiges davon auch generell über das Jahr verteilt, aber Nano ist halt Nano!

  • Playlisten auf Spotify, 8tracks oder YouTube, speziell inspirierend oder motivierend für den Nanowrimo. Eigene Songs über das Event gibt es auch, wie diesen hier: The Nanowrimo Song
  • Pinterest Boards (ich habe auf meinem nur ein ganz paar witzige: Nanowrimo Board)
  • Es gibt ganz viele tolle Nanowrimo Kalender, die man ausdrucken kann, manche sogar mit Sprüchen für jeden Tag: Desktop Kalender
  • Manche basteln eigene Nano Notizbücher, um jeden Tag ein paar Gedanken und den Wordcount festzuhalten
  • Auf der offiziellen Seite kann man sich nicht nur eintragen und sieht Statistiken aus aller Welt, man kann auch Wordsprints alleine oder mit anderen machen. Das heißt man schreibt nach Stoppuhr für 15, 30 etc. Minuten ohne Ablenkung und guckt, wer mehr hat.
  • In Schreibforen gibt es eigene Bereiche und Threads für Nano Teilnehmer (wie Tintenzirkel, Wordkompass Forum, früher war die Schreibwerkstatt auch eine sehr gute Anlaufstelle)

Was macht den Nanowrimo so toll?

Die Frage ist wirklich ein einem Satz zu beantworten, denn für mich sind es wirklich nur zwei Dinge.

  • a) Die Community. Autoren auf der ganzen Welt schreiben in diesen 30 Tagen an ihrem Roman, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Man kann sich austauschen, motivieren, inspirieren, zum Lachen bringen, bei Problemen helfen…die Nanowrimo Community ist einfach nochmal eine besondere Art der eh schon guten Autoren Community. So wie die Buchmesse auch ein Special Place für Blogger und Bookstagramer geworden ist.
  • b) Die Hingabe. Über das Jahr verteilt schreibt man mal am Projekt, überarbeitet und recherchiert, aber es ist halt einfach so. Im November liegt dagegen der ganze Fokus auf dem Schreiben. 30 Tage lang darf man täglich ausrasten, sich über Szenen freuen oder weinen, seine ganze Leidenschaft ausleben, das reale Leben ignorieren, sich ganz auf sein Buch konzentrieren und einfach nur schreiben. Es ist wie so eine Blase, in die man eintaucht, wo man sich 30 Tage lang zu 100% dem Schreiben widmen kann und es macht einfach so viel Spaß.

Und was ist nicht gut?

Wie das so ist…bei Wettbewerben, Challenges, Events und Menschen: Es gibt Neid. Im Nanowrimo ist nicht alles Friede Freude Eierkuchen. Manche Autoren werden vom realen Leben, Verpflichtungen wie Schule, Studium, Ausbildung, Arbeit, Familie, Gesundheit etc. eingeholt und können nicht so schreiben, wie sie es vielleicht wollten. Manche sind nicht so schnell wie gedacht. Manche kommen nicht richtig in die Geschichte rein, entdecken Plotlöcher und sind blockiert. Andererseits gibt es natürlich auch die Menschen, die super voran kommen, die sich extra Urlaub genommen haben, die 50k in 5 Tagen schreiben oder 2 oder 3 Nanos, weil einer nicht ausreicht oder die einfach schneller schreiben.

Zwischen Frust und Freude lieht ein schmaler Grad Empathie und leider funktioniert das nicht immer. Neid und Missgunst gibt es auch unter Autoren und den Nanowrimo starten die meisten mit dem Ziel, am Ende zu gewinnen und die 50k zu schaffen. (Oder 20, 30k, wenn man sich ein kleineres Ziel gesetzt hat). Auf dem Weg dahin ist es wichtig, sich vor Augen zu führen, das keiner besser ist als der andere.

Wer 50k in 5 Tagen schreibt, hat nicht automatisch einen qualitativ schlechten Roman geschrieben (Quantität vor Qualität zählt natürlich im Nano, weil zumeist keine Zeit zum Überarbeiten bleibt), wer schnell schreibt, schreibt nicht schlechter. Aber wer langsam schreibt, schreibt auch nicht schlechter! Jeder Autor schreibt an seinem Roman. Das ist das allerwichtigste. Jedes Wort im Nanowrimo ist ein Wort, dass es im Oktober noch nicht gab, ein Fortschritt, auf den man stolz sein kann, über den man sich freuen kann.

Meine bisherigen Erfahrungen

Ich habe bisher 5 Mal beim Nanowrimo mitgemacht und jedes Mal gewonnen. 2012, 2013, 2015, 2016 und 2017. Noch nie gescheitert zu sein baut zwar einen kleinen Druck auf, aber ich gehe das eher so nach dem Motto an „Dabei sein ist alles!“ Natürlich ist Gewinnen das oberste Ziel und ich habe schon sehr, sehr viele Autoren erlebt, die am Boden zerstört waren, weil sie am Nanowrimo gescheitert sind, aber ich will mir nicht allzu großen Druck machen. Wie bei jedem Wettbewerb gibt es eine 50:50 Chance. Entweder ich gewinne oder nicht.

Und jeder Nanowrimo war anders. Manche habe ich am 23. November geschafft, manche am 30. November kurz vor Mitternacht! Es geht nur darum, nicht aufzugeben. Niemals.

2018? Dabei sein ist alles!

Tja, was habe ich mich dieses Jahr auf den Nanowrimo gefreut! 10 Monate voller Vorfreude. Dann war ich spontan von Januar bis April 2018 krank, im April im Urlaub, habe im Mai meinen Blog gestartet, gearbeitet und seit März Bookstagram gemacht. Zuletzt bekam ich die Zusage zum Master Studium Buchwissenschaft, aber kein WG Zimmer und pendel momentan. Ich hatte also wesentlich weniger Zeit als gedacht, um mein Projekt für den Nanowrimo bereit zu machen. Charaktere, Setting, Plot etc. (Ohne Plot kann ich nicht schreiben) Noch letzte Woche war ich unglaublich traurig, nicht beim Nano mitmachen zu können, habe aber trotzdem an meinem Roman weiter gearbeitet.

Und jetzt? Die Charaktere sind fertig, der Plot ist auf dem Weg…ich werde im November zwar meinen Master machen, zwischen NRW und Bayern pendeln (in den 10 Std Zugfahrt pro Woche kann ich nicht schreiben, weil mir dann übel wird. Leider), habe Geburtstag und muss für eine Prüfung im Dezember lernen.

Aber Nanowrimo wäre nicht Nanowrimo, wenn er nicht eine kleine Herausforderung wäre. Also sage ich einfach „Dabei sein ist alles.“ Mein Herz hatte sich schon entschieden, mein Kopf musste nur hinterherkommen. Ich bin also doch wieder dabei und freue mich unheimlich! Wenn ihr auch dabei sein wollt und mich adden wollt, hier der Link zu meinem Profil .

Seid ihr auch dabei? Kennt ihr Nanowrimo und habt ihr selbst schon mitgemacht? Wenn ja, was sind eure Erfahrungen?

Links zu anderen Beiträgen rund um das Thema Nanowrimo

Mel beim Schreibmeer

Alles Allerlei

Die Nanowrimo Seite genauer im Blick

Instagram

Lohnt sich das Wörter zählen?


8 Gedanken zu “[Schreiben] Was ist eigentlich „Nanowrimo“?

    1. Liebe Alexandra,
      Dankeschön!
      Oh, das klingt aber toll. Willkommen im club! 🙂
      Keine Sorge, es wird bestimmt super spannend, interessant, witzig und nervenaufreibend. Du kannst dir ja für dich auch 25k als Ziel setzen oder den Nano nur als persönlichen Anstoß sehen oder einfach mitmachen und schauen, wie es läuft. Auf alle Fälle wünsche ich dir ganz viel Spaß und Erfolg!
      Liebe Grüße,
      Yvonne 🙂

      Gefällt 1 Person

  1. Liebe Yvonne,
    ein wirklich schöner Bericht, der vor allem das Feeling und das Drumherum toll beschreibt! Ich werde dieses Jahr zum zweiten Mal beim NaNoWriMo mitmachen, allerdings als Rebell mit Kurzgeschichten. Mal schauen, ob ich damit die 50k schaffe.
    Mein Bericht zum NaNo befasst sich mehr mit der Seite etc., deswegen habe ich deinen Bericht dort mal verlinkt 🙂
    Ich wünsch dir viel Erfolg bei deinem Master und natürlich auch beim NaNoWriMo!
    Liebe Grüße
    Tenja Tales von weltenschmie.de

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Tenja 🙂
      Das freut mich unheimlich, vielen lieben Dank!
      Wie läuft dein Nanowrimo bisher? Meiner läuft überraschend gut. Mal gucken, wie es ab der „gefürchteten Mitte“ wird.
      Ich drücke dir auf alle Fälle die Daumen.
      Oh Dankeschön!
      Ganz liebe Grüße zurück 🙂

      Gefällt mir

  2. Danke für die Erläuterung! Habe mich in der letzten Zeit schon auf Twitter gefragt, was es damit auf sich hat. Eine schöne Idee. Teilnehmen werde ich dieses Jahr nicht, ein Praktikumsbericht, die Überarbeitung meiner ersten Geschichte und die Ausarbeitung von zwei anderen Ideen auf dem Programm steht. Wünsche dir dabei ganz viel Spaß und Erfolg!! Liebe Grüße, Nadine

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Nadine,
      bitteschön! 🙂
      Das finde ich auch. Aber das klingt ja mal nach einem vollen Programm ..puh. Wünsche dir dabei viel Erfolg und gute Nerven 😀
      Vielen Dank und Liebe Grüße zurück!

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s