[Rezension] Warcross von Marie Lu

Es gibt Bücher, die sind gut. Es gibt Bücher, die sind sehr gut. Und dann gibt es Bücher wie Warcross, die mich umhauen. Und zwar so sehr, dass ich mich nach Ende des Buches frage: „Wie soll ich jetzt etwas anderes gut finden?“

Das Buch ist 2018 mit einem wunderschönen Cover in der deutschen Übersetzung im Loewe Verlag erschienen. Es hat 416 Seiten und darum geht es:

Die Welt ist verrückt nach Warcross, dem gigantischsten Videospiel aller Zeiten! Erfinder Hideo Tanaka wird wie ein Gott verehrt, eSport-Turniere füllen ganze Stadien und die Meisterschaft ist das größte Event der Welt.
Kopfgeldjägerin Emika Chen erhält zu Beginn der Warcross-WM ein verlockendes Jobangebot von Hideo Tanaka: Undercover soll sie an dem Wettkampf teilnehmen und einen Hacker aufspüren, der Warcross sabotiert. Eine waghalsige Jagd beginnt, bei der Emika nicht nur ihr Leben aufs Spiel setzt, sondern auch ihr Herz …  (Klappentext von loewe-verlag.de)

Die Charaktere

Die Hauptfigur des Buches ist Emika Chen. Eine junge Kopfgeldjägerin, verschuldete Hackerin mit regenbogenfarbenen Haaren und vielen Tattoos. Ich finde, sie ist eine großartige Protagonistin. Das hat mehrere Gründe:

  • Ihr Aussehen. Ja, ihre bunten Haare werden oft erwähnt und regenbogenfarbene Haare sollten eigentlich nichts besonders sein, sind es aber doch, weil das nicht jeder macht. Ich fand das cool! Ein schönes Wiedererkennungsmerkmal und unauffällig ist sie auch nicht.
  • Sie ist nicht „moralisch definiert“ gut. Damit meine ich, dass sie zwar tendenziell moralisch gut handelt, aber des ein oder andern Mal auch gegen Regeln verstößt, Fehler macht. Sie ist menschlich, realistisch und einfach nicht perfekt.
  • Ihr Talent fürs Hacken und das Spiel war für mich interessant, weil das ein super Thema ist und Emika auch dafür steht, dass es eben nicht „nur ein Spiel“ ist

Ein Highlight war für mich Emikas Vater. Er war Künstler, nähte Kleider (was ich eher selten als Beruf des Vaters in Jugendbüchern lese), aber er war auch spielsüchtig. (was das Thema des Buches wieder aufgreift, nur dann im negativen Sinne)

Die anderen Charaktere sind alle vielseitig, haben eine Vergangenheit, Probleme und Charme. Es hat Spaß gemacht, die anderen Charaktere kennenzulernen! Außerdem gibt es LGBT und Disability Rep, was hier gut gemacht war.

Der Plot

Neben dem absolut großartig stimmigen Weltenbau und Setting hat mich das Buch auch mit dem Plot begeistert. Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt und mich immer gefreut, wenn ich weiter lesen konnte. Weil eben nicht nur Emika oder die anderen Charaktere facettenreich sind, sondern auch die Welt und damit der Plot. Es gibt viele Details, die die Geschichte lebendig machen, wie ein Roboter, der sich dein Lieblingsessen merkt. Durch die virtuellen Spiele hat Marie Lu sehr viele Möglichkeiten gehabt, wie und wo sie die Spiele stattfinden lässt. Das hat sie toll ausgenutzt und so gibt es für die Fantasie keine Grenzen. Obwohl die Struktur eines Spiels immer gleich ist, wurde es durch die verschiedenen Spielwelten schön abwechslungsreich.

Der rote Faden der Gaming-Welt zog sich durch das gesamte Buch, mit all seinen Facetten und verschiedenen Aspekten, die das Thema zu bieten hat und dazu gehören auch Besuche ins Darknet, hier Darkworld. Kritische Töne in den Bereichen virtuelle Realität, Vernetzung, Anonymität im Internet wurden gekonnt untergebracht und der gesamte Themenbereich mit Codes, Hacken, Spielen, Virtuellen Realitäten hat mir unglaublich gut gefallen.

Die Warcross Meisterschaften haben mich manchmal an die Quidditch Weltmeisterschaft erinnert, kombiniert mit den technischen Illusionen der Hungerspiele und vernetzt in einer virtuellen Welt. Zero heißt der Gegenspieler von Emika und er ist der beste Gegenspieler, denn wie will sie ihn schlagen, wenn sie nicht weiß, wer er ist? Ich habe das Ende geahnt, aber ich dachte nicht, dass Marie Lu das wirklich machen würde. Das bisschen Vorhersehbarkeit hat mich aber überhaupt nicht gestört, weil es perfekt gepasst hat. Man merkt im Laufe des Buches immer wieder, das bestimmte Dialoge oder Handlungen nicht „einfach so“ passieren. Marie Lu hat alles genau geplant und setzt es so zusammen, dass das Puzzle erst Stück für Stück zusammengesetzt wird. Das führte bei mir zu dem ein oder anderen „Ahh“ Moment, was natürlich ein Lesegenuss ist.

Der Schreibstil

Das war das erste Buch von Marie Lu, das ich nicht abgebrochen habe (zu ihrer Verteidigung habe ich bisher nur Young Elite angefangen gehabt) und ich war begeistert. Es war gut zu lesen mit teilweise interessanten Cliffhangern am Ende der Kapitel, die zum weiterlesen anregen.

Fazit

Ein für mich absolutes Jahreshighlight. Emika Chen ist eine äußerlich wie charakterlich facettenreiche Protagonistin, das Thema ist stimmig und spannend umgesetzt mit dem ein oder anderen Plot Twist, der viel für Band zwei verspricht. Selbst für Nicht-Gamer wie mich war es ein absolut spannendes und vielseitiges Buch.

Lieblingszitat

„Der Tod hat die gemeine Angewohnheit, rücksichtslos all die Fäden zu durchschneiden, die man so sorgfältig zwischen Gegenwart und Zukunft gespannt hat.“ (S. 35)


8 Gedanken zu “[Rezension] Warcross von Marie Lu

  1. Huhu 🙂
    Freut mich, dass das Buch dir so gut gefallen hat. Ich fand es auch unglaublich gut! Und den zweiten Teil sogar noch besser! Die Reihe, das Setting, die Charaktere… es ist einfach unglaublich! Ich liebe diese Bücher! 🙂
    Viele Grüße
    Katja

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Katja!
      Das freut mich sooo sehr! Ich fand den zweiten Teil schlechter, aber das mindert den ersten Teil oder die Reihe für mich nicht. Trotzdem empfehlenswert! 🙂 Ja es ist wirklich toll und irgendwie auch mal was anderes. Der englische Buchtrailer ist auch so großartig, wäre toll als Verfilmung!
      Liebe Grüße,
      Yvonne 🙂

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    1. Oh, das freut mich total! Ich möchte am liebsten im Kreis tanzen. Bitte lies das Buch und dann schreib mir mal, wie du es fandest. Hach, es ist so gut. Hoffentlich gefällt es dir genauso gut wie die Legend Reihe!

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