[Rezension mit Spoiler] Scythe – Zorn der Gerechten von Neal Shusterman

Den ersten Band dieser Reihe habe ich geliebt! Wirklich geliebt. Deswegen habe ich mich umso mehr auf die Fortsetzung gefreut und war auch überzeugt davon, dass ich Band zwei zumindest mögen werde. Leider kam es ganz anders und das Buch war für mich nur enttäuschend.

Das Buch ist der zweite Teil einer Trilogie und 2018 mit 567 Seiten im Fischer Sauerländer Verlag erschienen. Darum geht es (Achtung, Spoiler zu Band 1!):

Citra hat es geschafft.
Sie wurde auserwählt und als Scythe entscheidet sie jetzt, wer leben darf und wer sterben muss. Doch als wenn das nicht schon schwer genug wäre, übernehmen skrupellose Scythe die Macht und stellen neue Regeln auf. Die wichtigste Regel lautet, dass es ab jetzt keine Regeln mehr gibt. So beginnt Citras Kampf für Gerechtigkeit.
Ein Kampf, den sie nur gemeinsam gewinnen kann mit ihrer großen Liebe Rowan.

Ich kann meine Meinung zu diesem Buch nicht sagen, ohne Spoiler für den ersten Band der Reihe und dieses Buch zu nutzen. Meine Probleme basieren zum einen auf meinen Erwartungen nach dem ersten Band oder dem Klappentext und zum anderen auf den Charakteren/dem Plot. Deswegen wird diese Rezension auch mal ganz anders aussehen. Der Schreibstil konnte mich weder richtig begeistern (ich habe kein Lieblingszitat), aber schlecht war er auf keinen Fall. Also, was hat mir an diesem Buch nicht gefallen?

  • der Klappentext. Ich dachte, das Buch würde mehr auf Rowan und Citra eingehen, sowohl als individuelle Charaktere, als auch auf die Dynamik zwischen den beiden. Das war leider nicht der Fall. Rowan und Citra sind größtenteils getrennt, haben ab und zu mal ein paar kleine Szenen und das wars dann auch schon wieder. Das fand ich sehr schade, weil das Ende von Band eins doch gut gepasst hätte, um genau das zu vertiefen
  • Rowan selbst. Hätte ich zuerst Band zwei und danach Band eins gelesen, wäre ich verwundert gewesen, dass Rowan in Band eins einer der beiden Hauptcharaktere war. Er kommt einfach so wenig vor, dabei war er für mich noch einer der interessantesten Charaktere in Band 1.
  • Neue Charaktere. Greyson fand ich zu Beginn fazinierend, erst recht auch, weil er diese „Beziehung“ zu dem Thunderhead hatte, was natürlich gut zum Oberthema des Buches passte. Doch ich hatte bei ihm das Gefühl „Weniger ist mehr“. Denn je mehr ich von ihm las und je mehr Spielraum er bekam, desto weniger interessierte er mich. Purity, er und die anderen hätten von eine Seite auf die andere weg sein können und ich hätte es nicht schlimm gefunden.
  • Der Plot. Über lange Seiten hinweg hatte ich das Gefühl, in der Luft zu hängen. Mir fehlte der rote Faden, es gab zu viele Subplots, zu lange Szenen, zu viele Charaktere und es war nichts halbes und nichts ganzes. Das Buch kam mir endlos vor und es wurde erst besser, als ich das Hörbuch hörte. Die Sprecher sind nämlich großartig! Trotzdem wusste ich, wann ich aufhören musste, weil meine Gedanken dann wieder abdrifteten und das Hörbuch zum Hintergrund-Geräusch wurde. Solche Momente hatte ich viel zu oft.
  • Der Thunderhead. Ja, er ist interessant und ich mochte die Grundidee, mehr von ihm zu erfahren, mehr auf die Technologie und das Wissen, dass eine riesengroße Steigerung des Cloud Prinzips ist, einzugehen. Aber die Texte, die ich in Band 1 als Tagebucheinträge noch interessant fand, liesen mich beim Thunderhead kalt. Er ist nunmal eine Maschine und kein Mensch und deswegen hatte ich die ganze Zeit eine gewisse emotionale Distanz zu seinen Abschnitten.
  • Scythe Goddath. In dem Moment, als Goddath wieder auftauchte, musste ich erst einmal aufhören zu lesen. Einen Charakter in Band 1 zu töten, nur um ihn in Band 2 wieder zu beleben (egal auf welche Weise), ist für mich einfach schwach. Als Plot Twist war es gut gemacht, unerwartet und durchdacht. Aber es hat mich wahnsinnig aufgeregt. Ich hatte Goddath schonmal als Antagonisten und das war in Ordnung. Er war tot, seine Geschichte abgeschlossen. Es gab keinen Grund, ihn wieder zu bringen. Ich brauche keine Wiederholung und außerdem nimmt das für mich die Spannung aus zukünftigen Toten. Ganz dem Gedanken „Ach, Goddath ist doch auch wieder gekommen.“ Absolut unnötig.
  • Das Ende. Ich wusste schon, dass das Buch auf einem Cliffhanger endet, aber das war für mich ein „Mittendrin“ Ende. Als ob man mitten im Satz das Buch zuklappt oder eine Seite fehlt. Ich bin gespannt auf Buch drei, weil mit allen Menschen als Widerling einfach alles anders wird und das eine sehr interessante Basis ist. Aber befriedigend war das Ende nicht und meiner Meinung nach muss ein Cliffhanger so nicht sein.

Warum habe ich dem Buch doch zwei Sterne auf Goodreads.de gegeben?

Ein interessantes Buch macht noch kein gutes Buch, aber es ist besser als ein langweiliges Buch. Ja, ich habe sehr oft auf die Seitenzahl geguckt (nach dem Motto „Wie lange noch?“), aber das Buch hatte durchaus tolle Aspekte. Es beleuchtet den Umgang mit Technologie, mit Wissen, eigenständiges Denken, Selbstjustiz, Kontrolle oder den Gegensatz davon, Moralische Fragen und den gesellschaftlichen Status der Menschen, basierend auf Vorurteilen und Stereotypen (anhand der Fraktion „Widerling“). Außerdem mochte ich die Beziehung zwischen Citra/Anastasia mit Scythe Curie, ihre Entwicklung und Scythe Curie selbst.

Fazit

Band zwei der Trilogie konnte mich leider überhaupt nicht überzeugen, was ich sehr schade finde. Aber weil ich Band 1 so großartig fand und Neal Shusterman tolle Ideen und Ansätze hat, bin ich trotzdem gespannt auf den dritten Band. Dann werden die Erwartungen auch niedrig sein und dann kann es eigentlich nur besser werden.


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