[Rezension] Die Farben meines Herzens von Noa C. Walker

Im Juli erreichte mich Überraschungspost vom Tinte & Feder Verlag, der zu Amazon Publishing gehört, und ich habe mich sehr darüber gefreut. Vielen Dank an den Verlag! Zwar lese ich sonst kaum Liebesromane, aber dieser spielt in Meran. Eine Stadt, die ich mag und in der Freunde von mir wohnen. Ich erwartete eine nette Liebesgeschichte für zwischendurch, aber der Roman war dann doch so viel ernster und realistischer, was mich positiv überraschte. Das Buch ist ein Rezensionsexemplar, aber meine Meinung wird dadurch nicht beeinflusst.

Das Buch ist 2018 mit 336 Seiten erschienen und darum geht es:

Kann das Bild einer gemeinsamen Liebe je vollendet werden?

Die Landschaft um Meran am Fuße der Südtiroler Berge könnte als Kulisse für eine junge Liebe nicht romantischer sein. Der Forstwirt Mika, voller Tatendrang und Lebensmut, begegnet der sanften und liebenswerten Filomena, die zurückgezogen an einem einsamen, paradiesischen Ort lebt. Wie zwei Farben eines Aquarells beginnen sich die Leben der beiden zu berühren und ineinander zu fließen.

Doch es liegen dunkle Schatten auf Filomenas verletzter Seele, die die Liebe der beiden zu verhindern drohen. Welches Geheimnis zwingt Filomena in den Schutz der Einsamkeit, und wie kann Mika helfen, dass aus Filomena wieder die selbstbewusste und fröhliche Frau wird, die sie früher gewesen ist?

Charaktere

Die zwei wohl wichtigsten Charaktere sind Filomena und Mika. Für mich als Leser war es nicht immer ganz leicht, mich in Filomenas Gedanken hineinzuversetzen. Die Art und Stärke ihrer Angstzustände sind enorm. Gleichzeitig hat mich das aber auch an dem Charakter fasziniert. Die Autorin bedenkt alle Folgen, die Filomenas Leben mitsichbringt und beschreibt ihre Probleme dabei mit so viel Liebe zum Detail, dass ich schon bald mit fieberte: Mit den Begegnungen zwischen Filomena und Mika und mit Filomenas Leben. Einzig die finanzielle Situation fand ich eher unrealistisch, denn Filomena müsste als Autorin schon wirklich sehr erfolgreich sein, um sich so ein Haus inklusive Pool finanzieren zu können.

Mika fand ich ebenso gelungen, weil er ein sehr ruhiger Charakter ist. Ruhig meine ich hier keineswegs langweilig, sondern eher bedacht und wie ein Ausgleich, den man ab und zu vom Leben braucht. Mika ist ein geduldiger Mann. Er drängt nicht, er versucht zu verstehen und auch er hat seine Probleme. Trotzdem ist er nicht schüchtern oder auf den Mund gefallen, sondern stattdessen sehr ehrlich und direkt. Das war eine tolle Mischung und ich mochte, wie erwachsen die Charaktere waren. Keine Spielchen, kein Macho Gehabe, wie es heutzutage leider in vielen Liebesromanen der Fall ist. Nur hat Mika für mich im Laufe des Buches etwas an Eigenständigkeit verloren, weil sich alles nur noch um Filomena drehte. Ich hätte gerne noch mehr von seiner eigenen Vergangenheit und seinem Alltag erfahren oder das er auch mal „Nein“ sagt und nicht für Filomena alles stehen und liegen lässt.

Es gibt noch eine Reihe von Nebencharaktere, die entweder blass hinter den Hauptfiguren stehen oder ebenso interessant sind, wie die kleine Dana oder die ältere Frau Margherita, die ebenso wie Filomena früher einmal anders war.

Plot

Der Roman ist ebenso wie die Charaktere eher ruhig. Es gibt keine große Action, keine große Gefahr. Die Konflikte entstehen durch oder sind die Charaktere selbst. Filomena steht ihrem Glück selbst in der Weg, durch ihre Vergangenheit und ihre Ängste. Das war für mich ein spannender innerer Konflikt, denn Filomena will bestimmte Sachen machen, banales wie großes, aber sie kann nicht. Es gibt Erfolge und Rückschläge und ein insgesamt sehr interessanter Weg mit viel Liebe zum Detail. Die beiden nähern sich Stück für Stück an, stoßen auf Grenzen und Probleme. Bis zur Mitte ging es noch eher langsam voran, aber ab dem Moment, in dem Ich Filomenas Geheimnis erfahren habe, wollte ich unbedingt wissen, wie es weiter geht. Dieser Punkt war für mich entscheidend, weil er dem Buch so viel mehr Tiefe gibt, als ich das anfangs erwartet hätte. Es ist ein sehr guter und durchdachter Hintergrund und ein tolles Thema, das es gerade in Liebesromane noch viel zu selten gibt. Generell alle Aspekte, die mit Angststörungen einhergehen. Nicht jeder Mann kann oder will damit umgehen und gleichzeitig ist das nichts, was sich mit einem Fingerschnippen auflöst. Mir hat hier gut gefallen, wie realistisch Filomenas Probleme und die Liebesgeschichte beschrieben wurden.

Schreibstil

Mei Problem mit dem ansonsten guten Buch, aber das ist Geschmackssache. Meins war es absolut nicht, weil er auf mich kitschig wirkte. Die Autorin hat zwar einen roten Faden und es ist ein schönes Konzept, dass auch vom Cover bis über zu Filomenas Leben und dem Schreibstil toll durchgezogen wird, aber ich bin davon kein Fan. Es gibt viele Beschreibungen von Farben, Filomena sieht ihr Leben als Leinwand und immer wieder wird die Metapher des Schmetterlings aufgegriffen. Schmetterline oder Adler, die fliegen. Der Schreibstil ist oft malerisch und bildreich, hier mal ein Beispiel, an dem es vielleicht deutlicher wird:

„Ein Streicheln in ihrem Inneren, als male jemand mit einem weichen Fehhaar-Fächerpinsel kleine Kreise in ihre Seele. Pastellfarbene Kringel über das Weiß, Grau und Schwarz.“ (S. 155)

Fazit

Ein schöner Liebesroman, der wesentlich tiefgründiger ist, als er vielleicht auf den ersten Eindruck erscheint. Wer einen metaphorischen Schreibstil mag, sollte das Buch auf alle Fälle lesen, weil die Autorin die Probleme Filomenas meiner Meinung nach sehr gut beschreibt und eine interessante und ehrliche Liebesgeschichte erschaffen hat, die auch indirekt oder direkt gesellschaftlich Kritik übt.

Lieblingszitat

„Vor lauter Angst vor der Angst nichts zu wagen, ist wie bei einer Mandelentzündung vor lauter Schmerz vor dem nächsten Atemzug das Atmen aufzugeben.“ (S.231)


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