[Rezension] Scythe – Hüter des Todes von Neal Shusterman

Um dieses Buch bin ich so lange herumgeschlichen! Bei solch gehypten Büchern bin ich immer etwas skeptisch, weil ich nicht voreingenommen sein möchte (Das lieben alle!) und ich hatte bisher schlichtweg andere Bücher, die Vorrang hatten. Aber wenn ich das Buch jetzt in einem Wort beschrieben müsste, würde ich sagen Großartig. Und perfekt und phänomenal und Jahreshighlight, weil ein Wort nicht ausreicht, um meine Begeisterung in Worte zu fassen.

Das Buch ist 2017 mit 528 Seiten beim Fischer Sauerländer Verlag erschienen und darum geht es:

Unsterblichkeit, Wohlstand, unendliches Wissen.
Die Menschheit hat die perfekte Welt erschaffen – aber diese Welt hat einen Preis.

Citra und Rowan leben in einer Welt, in der Armut, Kriege, Krankheit und Tod besiegt sind. Aber auch in dieser perfekten Welt müssen Menschen sterben, und die Entscheidung über Leben und Tod treffen die Scythe. Sie sind auserwählt, um zu töten. Sie entscheiden, wer lebt und wer stirbt. Sie sind die Hüter des Todes. Aber die Welt muss wissen, dass dieser Dienst sie nicht kalt lässt, dass sie Mitleid empfinden. Reue. Unerträglich großes Leid. Denn wenn sie diese Gefühle nicht hätten, wären sie Monster.
Als Citra und Rowan gegen ihren Willen für die Ausbildung zum Scythe berufen werden und die Kunst des Tötens erlernen, wächst zwischen den beiden eine tiefe Verbindung. Doch am Ende wird nur einer von ihnen auserwählt. Und dessen erste Aufgabe wird es sein, den jeweils anderen hinzurichten … (Klappentext von fischerverlage.de)

Die Charaktere

Das Buch ist aus der Sicht von zwei Charakteren geschrieben. Einmal das Mädchen Citra und zum anderen der Junge Rowan. Sie tragen den Roman, aber neben Familie und Freunde  gibt es noch viele weitere Charaktere, besonders aus dem Scythetum, sodass es auch einige verschiedene interessante Dynamiken unter den jeweiligen Charakteren gibt.

Citra ist ein Mädchen, dass ab und zu schneller redet, als sie denkt. Gleichzeitig ist sie stark, neugierig und sehr pflichtbewusst. Rowan ist familiär nicht so behütet aufgewachsen wie Citra und nennt sich und seinen besten Freund auch gerne mal „Salatblatt“, weil er nicht auffällt, in der Masse untergeht. Das ändert sich schlagartig, als er auf einen Scythe trifft.

Nach diesem Absatz könnte man jetzt denken, die Charaktere und ihre Umstände seien ziemlich schwarz weiß, aber genau das sind sie eben nicht und das hat mir an dem Buch auch so gut gefallen. Sowohl Citra als auch Rowan sind sehr gut ausgearbeitet, weil sie das ein oder andere Mal mit sich hadern. Mit Moral, mit dem Leben, der Gesellschaft und den anderen Charakteren und beide haben gute und schlechte Gefühle. Sie bedienen keine Klischees, sondern sind eigenständige, lebendige Charaktere, mit denen ich mitfiebern und mitfühlen konnte. Gleichzeitig lernen die beiden sich im Laufe des Training kennen, nähern und freunden sich an, bevor ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt wird.

Der Plot

Nachdem ich das Buch beendet hatte, musste ich das gelesene erst einmal sacken lassen. Weil ich so begeistert war. Es gibt Bücher, die einen großen Plot Twist am Ende oder in der Mitte haben. Es gibt Bücher mit vielen Plot Twist, bei denen aber mindestens die Hälfte vorhersehbar sind. Und dann gibt es Bücher wie Scythe, die mich mit mehreren Plot Twists überraschen konnten. Überraschen deshalb, weil der Autor jedes Mal, wenn ich in der Geschichte angekommen war, nicht den einfachen, geradlinigen Weg geht, sondern etwas einwirft, was dem ganzen eine neue Richtung gibt. Wenn ich dachte, ich wüsste jetzt, wie der Rest des Buches verläuft, kam Neal Shusterman und belehrte mich eines besseren. Trotzdem wirkte die Handlung immer noch stimmig und nicht zu konstruiert.

Der zweite Aspekt, der mir sehr am Buch gefallen hat, war die Vielfältigkeit. Das Buch handelt zwar vom Scythetum und leistet auch gute Arbeit bei der Einführung in diese Welt und dieses System, aber es ist noch so viel mehr als das. Neal Shusterman wirft indirekt oder eben direkt auch viele Themen ein, die dem Buch mehr Tiefe verleihen. Er greift moralische Fragen zur Tötung von Menschen auf, das Prinzip des Sündenbocks, Selbstmord, seelische Abgründe, gesellschaftliche Entwicklungen, Technik in der Zukunft, Wiederbelebung, Gründe für Mord, Manipulation, den Einfluss von Umfeld und Erziehung auf das Individuum und Loyalität.

Das Buch ist der erste Teil einer Trilogie, wobei Band 3 leider erst Ende 2019 erscheinen wird. Meistens habe ich bisher bei Band 1 einer Trilogie das Problem, dass es sich mehr wie eine lange Einleitung anfühlt. Weil am Ende von band 1 noch nicht allzu viel passiert ist, schließlich gibt es noch zwei weitere Bände. Bei Scythe war das anders, weil die Charaktere eine Entwicklung durchmachen und sich auch ihr Verhältnis zueinander verändert. Es passiert aktiv sehr viel und ich habe mich zu keiner Zeit gefühlt, als würde ich erst die Einleitung zu einer Reihe lesen. Außerdem hatte ich nicht das Bedürfnis, Seiten zu streichen. Das Buch hatte genau die richtige Länge, nichts zog sich in die Länge und trotz der vielen Handlungen gab es trotzdem Zeit, sich mit den Geschehnissen zu beschäftigen und die Gefühle der Protagonisten zu beschreiben.

Der Schreibstil

Wie sich das für ein großartiges Buch gehört, habe ich auch hier nichts zu bemängeln. Neal Shusterman schreibt spannend, aktiv und vor allem differenziert. Bei den beiden Protagonisten und vielen Scythe, die sich in Erscheinung und Handlung ähneln, ist es besonders wichtig, nicht den Überblick zu verlieren. Das hat funktioniert, weil der Autor den Charakteren eine eigene Stimme gibt. Mir könnte jemand das Buch vorlesen und ich würde auch ohne Namen wissen, wer was sagt. Zwischendurch gibt es auch noch Tagebucheinträge von anderen Scythe, die sich philosophischer lesen als der Rest des Buches, aber dem Weltenbau dienen oder moralische Fragen aufwerfen. Das war eine interessante Mischung.

Fazit

Ein großartiger Auftakt zu einer vielversprechenden Trilogie mit authentischen Charakteren, einer gut ausgearbeiteten Welt und dem ein oder anderen Plot Twist. Ich kann es kaum erwarten, Band 2 zu lesen.

Lieblingszitat

„Willkommen im Leben als Gott.“ (S. 313)

 


3 Gedanken zu “[Rezension] Scythe – Hüter des Todes von Neal Shusterman

  1. Liebe Yvonne,
    ich liebe Scythe auch so sehr. Ich hab das Buch vor einiger Zeit als Hörbuch gehört und wollte gar nicht mehr mit dem Hören aufhören! Die Geschichte und Figuren fesseln einen unglaublich.
    Ich freue mich schon auf Band zwei, den habe ich tatsächlich weder gehört noch gelesen 🙂
    Alles Liebe,
    Janika

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Janika,
      ach, das freut mich aber, dass dir Scythe auch so gut gefallen hat! 🙂
      Oh ja, das Hörbuch ist wirklich großartig. Die Stimmen könnten mir auch ein Telefonbuch vorlesen und ich würde es toll finden.
      Von Band 2 bin ich leider nicht begeistert. Schade. Nach 250 Seiten habe ich das Buch erst einmal zur Seite gelegt und ich hoffe, nach etwas Abstand wird es besser und der zweite teil des Buches gefällt mir dann auch gut. Daumen sind gedrückt.
      Liebe Grüße,
      Yvonne 🙂

      Gefällt 1 Person

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