[Rezension] Die Rivalin von Michael Robotham

Michael Robotham ist einer meiner liebsten Thriller Autoren, obwohl ich erst zwei Bücher von ihm gelesen habe und das war 2010 und 2014. Da könnt ihr euch vorstellen, was für einen Eindruck der Autor bei mir hinterlassen hat und gleichzeitig, wie hoch die Erwartungen waren. Zusammen mit der Angst, dass mein Lieblingsautor meinen Erwartungen, vier Jahre nach dem letzten Buch nicht gerecht wird. Natürlich stehen alle anderen Bücher von ihm auf meiner Leseliste, aber auf die kann ich mich jetzt umso mehr freuen, weil Die Rivalin mich zum Glück überzeugen konnte!

Das Buch ist mit 512 Seiten im Goldmann Verlag erschienen und darum geht es:

Agatha, Ende dreißig, Aushilfskraft in einem Supermarkt und aus ärmlichen Verhältnissen, weiß genau, wie ihr perfektes Leben aussieht. Es ist das einer anderen: das der attraktiven Meghan, deren Ehemann ein erfolgreicher Fernsehmoderator ist und die sich im Londoner Stadthaus um ihre zwei Kinder kümmert. Meghan, die jeden Tag grußlos an Agatha vorbeiläuft. Und die nichts spürt von ihren begehrlichen Blicken. Dabei verbindet die beiden Frauen mehr, als sie ahnen. Denn sie beide haben dunkle Geheimnisse, in beider Leben lauern Neid und Gewalt. Und als Agatha nicht mehr nur zuschauen will, gerät alles völlig außer Kontrolle … (Klappentext von randomhouse.de)

Die Charaktere

Bei einem Psychothriller sind für mich die Charaktere das wichtigste. Die beiden Hauptfiguren, aus deren Perspektive auch abwechselnd erzählt wird, sind die beiden Frauen Agatha und Meghan. Während Agatha in einem Supermarkt arbeitet, idealisiert sie Meghans scheinbar perfektes Leben und stalkt sie. Beide Frauen sind nicht perfekt und das macht sie lebendig. Michael Robotham baut sehr viele Details zur Vergangenheit der Charaktere ein, von Freunden oder Verwandten, bis hin zu Nachbarn oder früheren Arbeitgebern. Das hat die Charaktere noch realer wirken lassen, weil sie wirklich ein Leben von der Geschichte hatten, das fand ich großartig.

Agathas Stalking ist sehr interessant beschrieben, weil Michael Robotham es sich hier nicht zu einfach macht und Facebook & Co. nutzt, sondern sich ganz im Gegenteil rein auf die reale Welt bezieht. Das hat diesen Aspekt für mich spannender gemacht, weil es keine digitale Distanz gemacht.

Bezüglich Agathas Leben wurde am Anfang des Buches ein bisschen Infodump beschrieben, was den Anfang etwas verlangsamt hat, aber das hat mich kaum gestört, weil es sehr wichtig war, um ihren Charakter und ihre Motivation besser verstehen zu können.

Ich gebe auch zu Bedenken, dass Michael Robotham hier aus der Sicht von zwei schwangeren Frauen schreibt. Auch wenn ich selbst noch nicht schwanger war, konnte ich mich gut in die beiden Charaktere hineinversetzen.

Der Plot

Der Plot basiert auf dem simplen Konzept, dass eine Frau das Leben einer anderen Frau möchte und dabei die moralische und gesetzliche Grenzen überschreitet. Aber ich habe den Roman in zwei Tagen durchgelesen, weil der Autor die Spannung für mich relativ gleichmäßig hochhält. Es ist kein Blut-Gewalt Thriller, sondern eben ein Psychothriller. Ich habe mit beiden Charakteren mitgefiebert, wenn es um Geheimnisse, Flucht oder die Liebe ging. Er hat es für mich gekonnt geschafft, die beiden Erzählstränge zu einem Katz- und Maus Spiel zu verflechten. Einzig das Ende war etwas zu schnell und wirkte nicht 100% stimmig. Das hätte ausführlicher sein können.

Der Schreibstil

Am Anfang hatte ich noch Bedenken, dass es zu viel Tell sein könnte, zu passiv und indirekt. Aber schon nach kurzer Zeit hat sich das geändert und ich wollte nicht mehr aufhören zu lesen. Michael Robotham geht gezielt auf die Gefühle und Geheimnisse der Charaktere ein, wirft Fragen zur Moral und Gesellschaftskritik auf, ohne das es langweilig oder langatmig wird.

Fazit

Für mich ein absolut gelungener Thriller mit tollen Charakteren, spannenden Wendungen und einem sehr durchdachten Plot vor der Kulisse Londons.

Lieblingszitat

„Er ist in jedem Sinne hungriges Kind, das unbedingt groß werden will, ein Spielverderber, Spielzeughorter und Aufmerksamkeitsmonopolist.“ (S. 75)


4 Gedanken zu “[Rezension] Die Rivalin von Michael Robotham

  1. Der Psychothriller steht bei mir auch noch auf der Wunschliste. Finde die Prämisse nämlich auch interessant und vielversprechend und auch hochaktuell. Hast mir nach deiner Rezension nun auch noch mehr Lust auf den Thriller gemacht, bei dem ich ja gut finde, dass er nicht so blutig daherkommt. Letzteres mag ich nicht mehr unbedingt. Mir ist die Storyline am Ende wichtiger. Die muss spannend, logisch, schockierend und gut durchdacht sein.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Ich kann mich da auch nur schwer für einen Liebling entscheiden, auch wenn mir Octavia immer als erstes einfällt, aber Raven ist auch so unglaublich stark und bewundernswert. Sie lässt sich auch von niemandem was sagen und schämt sich nicht für ihr Wissen. Das bewundere ich an ihr, dass sie trotz Rückschlägen nicht aufgibt und davon hatte Raven ja weiß Gott die meisten in der Serie.

    Shopping Queen schaue ich aber auch extrem gerne, schon alleine weil ich Guio so unterhaltsam und toll finde. Finde aber auch die Idee dahinter klasse. Höhle der Löwen schaue ich ab und an mal, finde aber auch das mal ne Show mit nem interessanteren Konzept. Nur nervig, dass jetzt jeder Sender sich an so einer Gründer Show versucht. Für mich bleibt die Höhle der Löwen das Original. Ansonsten gucke ich immer mal wieder Wer Wird Millionär, das mag ich auch gerne. Oder aktuell This Is Us auf Sixx.

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Nicole,
      Das freut mich! Ich fand die Prämisse auch super interessant, weil das etwas ist, was glaube ich viel häufiger vorkommt, als man denkt. Also Neid, Stalking oder Kindesentführung und Michael Robotham hat die Themen echt super umgesetzt. Solche Thriller breche ich auch sofort ab, blutige oder brutale Sachen sind auch gar nicht meins. Für Psychothriller reicht der Mensch, weil Gedanken und Taten schon brutal genug sein können, dafür braucht es keine Gewalt.
      Bitte! Raven ist klasse.
      Ja, Guidos Kommentare sind fast das beste an der ganzen Sendung. 😀 Die anderen Gründer Shows ignoriere ich einfach. This is us ist auch toll!
      Liebe Grüße,
      Yvonne 🙂

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  2. Ich habe von Michael Robotham bisher nur ein Buch gelesen und auch das ist schon eine Weile her, aber genau wie Du habe ich Buch und Autor in sehr positiver Erinnerung. Es war ein Teil seiner Joseph-O’Loughlin/Vincent-Ruiz-Reihe und ich habe mir vorgenommen, sie komplett zu lesen. Aber wenn man gleich eine ganze Reihe vor sich hat, muss man erst mal die Zeit finden, damit nicht Jahre zwischen den Bänden liegen.
    Dass Robotham auch Einzelbücher schreibt, war mir gar nicht so bewusst. Die Story von „Die Rivalin“ klingt klasse und auch das, was Du über das Buch schreibst. Vielleicht ist es eine gute Idee, erst einmal dieses Buch zu lesen bevor ich mich an die Reihe mache. Auf meine Leseliste ist es auf jeden Fall schon mal gewandert!

    Liebe #Litnetzwerk-Grüße
    Gabi

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Gabi,
      Ja, es ist schon interessant, mein erstes und letztes Buch war ewig her und trotzdem habe ich mich irre auf Die Rivalin gefreut! Manche Autoren hinterlassen einfach so einen Eindruck. Er hat ja wahnsinnig viele Bücher bisher geschrieben und veröffentlicht, ich will mir mal jeden Monat oder so ein Buch vornehmen und das lesen, damit ich irgendwann bei all seinen Büchern „up to date“ bin. 🙂
      Das finde ich klasse! Dann haben wir auch beide dasselbe Ziel.
      Darüber war ich auch erstmal verwundert, fand das Thema aber so interessant, dass es nicht schlimm war, dass es nicht zur Reihe gehörte. Genau das war auch meine Intention. Oh, das freut mich sehr! Hoffentlich findest du das Buch dann genauso klasse wie ich 🙂
      Liebe Grüße,
      Yvonne

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