[Rezension] Superluminar von Melissa Mai

Seid ihr zu 100% neutral, wenn ihr die Bücher von euch bekannten Autoren lest? Ich bin neutral, aber gleichzeitig hoffe ich, dass ich das Buch mag. Weil ich es so schade finde, wenn ich den Autor mag und seinen Weg mitverfolgt habe, aber das Buch dann eben nicht mag. Melissa Mai folge ich auf Instagram seit November 2016, damals noch mit meinem privaten Account. Jetzt habe ich Ihren Debütroman „Superluminar“ bei Ihrem Gewinnspiel gewonnen und was bin ich froh, dass ich das Buch mag.

Das Buch ist mit 389 Seiten als SP-Buch erschienen und darum geht es:

Eine Frau und das Negativbild von ihr. So sehen Dany und ich im Spiegel nebeneinander stehend aus. Ein Mädchen und ihr böser Zwilling. Die Welt vor und nach dem Sturm.

Die achtzehnjährige Danica will nach dem Abitur nur eines: reisen und die Seele baumeln lassen. Doch es kommt anders, denn sie wird von einer ominösen Doppelgängerin aus der Zukunft beauftragt, ins Jahr 1783 zu reisen, um dort das Medaillon eines Grafen zu stehlen. Tut sie es nicht, löscht dieser ihre Blutlinie aus und… Danica hat nie existiert. Wie bitte? Zeitreisen? Blutlinie? was für ein Graf? Und wieso regelt diese Doppelgängerin die ganze Angelegenheit nicht selber?

Begleite Antiheldin Danica, wie sie garantiert versucht, diesen Auftrag zu ignorieren, um erst einmal ein paar Abenteuer zu erleben, dann aber doch mit ihrer Doppelgängerin Seite an Seite gegen den Grafen antritt. Und vielleicht stolpert sie in der Vergangenheit sogar über die große Liebe.

Die Charaktere

Das Buch wird aus der Ich-Perspektive von Danica erzählt. Neben ihr gibt es noch zwei weitere mehr oder weniger wichtige Nebencharaktere und Familienmitglieder wie ihre Oma, Mutter oder Menschen, die sie unterwegs kennenlernt.

Danica ist eine Protagonistin, die sehr geradeaus ist. Sie sagt, was sie denkt, sie ist selbstbewusst und am Anfang findet sie sich noch gar nicht in ihre Rolle rein. Sie hat eher so eine „Mir doch egal, ich will mein Leben leben- Einstellung“, die sehr schnell unsympathisch hätte wirken können. Ich mochte Danica nicht immer, aber oft kratzt Melissa Mai hier die Kurve, weil ich mit Danica mitfühlen konnte. Sie wächst an ihren Aufgaben, sie macht sich Gedanken und auch wenn Sie sich am Ende egoistisch verhält, fand ich das super, weil sie das authentisch und ehrlich macht. Ein Charakter mit Stärken und Schwächen, den ich mit der Zeit lieb gewonnen habe.

Ihre beste Freundin Minny fand ich eher überflüssig, weil Sie für mich nur einmal über den Stereotyp der besten Freundin hinweg kommt, die auf dem Bett sitzend kreischt „erzähl mir all die schmutzigen Details!“, wenn Danica von einem Date wieder kommt. Sie trug für mich nicht viel zur Handlung bei und ich hoffe sehr, dass sie im zweiten Band ein bisschen mehr Tiefe und mehr Facetten bekommt.

Casper ist ein junger Mann, den Danica im Jahre 1783 kennenlernt. An ihm fand ich interessant, dass er Tischler war und nicht perfekt. Außerdem war sein Charakter vielseitig, interessant und in seine historische Umgebung eingeflechtet. Das fand ich großartig. Mehr kann ich leider nicht verraten, ohne zu spoilern. Aber ich bin oft skeptisch bei männlichen Charakteren, doch Casper hat mir gut gefallen.

Besonders hervorzuheben ist die Oma von Danica, die ein sehr wichtiger Nebencharakter ist und entgegen der gängigen Oma-Klischees lebt. Sie geht in Bars, hat einen jungen Freund und liebt die Mode von Coco Chanel. Die Familienszenen zwischen besagter Oma, Danicas Mutter und Danica selbst waren herrlich und wunderbar aus dem Leben gegriffen.

Die Antagonisten waren für mich auch überzeugend, weil sie verschiedene Facetten gezeigt haben und das war sehr interessant zu lesen. Trotzdem erhoffe ich mir da noch mehr in Band 2.

Der Plot

Ich mag Zeitreisen Romane, ich liebe die Edelstein-Trilogie von Kerstin Gier. Aber Zeitreisen sind auch nichts neues und deshalb war ich umso gespannter, was Melissa Mai zum Thema beitragen würde. Und das war eine Menge. Das Buch hat am Anfang etwas gebraucht, bis es wirklich in Fahrt kommt. Danica ist noch sehr viel in der realen Welt oder in den 20er Jahren, die mich als Subplots zwar interessiert haben, aber etwas wie ein Zeitvertreib wirkten. Wirklich spannend wird es, je öfter und länger Danica in der Zeit reist und hier gab es zusätzlich zwei inhaltliche Aspekte, die mir sehr gut gefallen haben.

Zum Einen, dass in dem Buch immer mal wieder auf die Beziehung zwischen Männer und Frauen eingegangen wird, auf unterschiedliche Vorstellungen von Beziehungen, von Dates oder Ehe, Schwangerschaft und auch sexuelle Belästigungen werden thematisiert.

Zum Anderen wird Dany in der realen Welt immer mal wieder mit dem Aspekt der Recherche konfrontiert. Was gibt das Internet, die Bibliothek oder reale Orte an hilfreichen Informationen für Zeitreisen preis? Wie sieht die Rezeptionsgeschichte aus und wie verändern sich Gebäude im Laufe der Jahrhunderte? Melissa Mai hat sich darüber sichtlich Gedanken gemacht und das fand ich sehr faszinierend.

Der Schreibstil

Ich mag generell direkte Schreibstile. Besonders der Anfang hat mir sehr gut gefallen, weil ich das Gefühl hatte, mittendrin zu sein. Genau so könnte das auch im realen Leben sein. Melissa Mai schreibt von Kaffee Sorten und Unis, von Erasmus Programmen und ihre Wortwahl ist auch das ein oder andere Mal direkt. Genau dieser Schreibstil, der mir im Buch gut gefallen hat, war mir aber das ein oder andere Mal too much. Damit meine ich Wörter wie „verfickt“, „Bullshit“ oder „kotzen“, die zwar direkt und passend sind, von denen ich in Büchern aber kein Fan bin.

Fazit

Alles in allem hat mir das Lesen Spaß gemacht, es wurde im Laufe der Geschichte immer besser und spannender und jetzt muss ich einfach Band 2 lesen. Das geht gar nicht anders. Ich freue mich schon sehr darauf, wieder mehr von Casper, Danica und ihrer Oma zu lesen und bin sehr gespannt, wie es denn weiter gehen wird. Weil es etwas an Rubinrot von Kerstin Gier erinnert hat, dürfte das Buch auf alle Fälle etwas für diese Fans sein.

Lieblingszitat

Diesmal gibt es zwei Zitate, weil Sie ganz unterschiedlich sind:

„Man sollte doch meinen, dass Magie besser funktioniert als mobiles Internet.“ (S. 171)

„Klopfte mein Herz eben noch vor lauter Neugierde heftig gegen meinen Brustkorb, macht es jetzt schnarchend ein Päuschen.“ (S. 169)


3 Gedanken zu “[Rezension] Superluminar von Melissa Mai

  1. Das klingt nett! Vielleicht schau ich es mir mal näher an. 🙂
    Ich hoffe auch immer, dass mir die Bücher von Autorenfreunden gefallen. Ich hab da Glück, weil ich bei meiner einen Autorenfreundin schon im Schreibprozess mit rumpfuschen darf. Aber sie ist so oder so eine so gute Schriftstellerin, dass ich eh nie was auszusetzen habe. 😀
    LG, m

    Gefällt 1 Person

    1. Hey 🙂
      Mach das! Zum Thema Zeitreisen kann es nicht genug Bücher geben, finde ich.
      Puh, dann bin ich mit der Hoffnung nicht alleine. Oh ja, das ist natürlich perfekt. Das freut mich sehr für dich, das ist ja klasse 🙂
      Liebe Grüße!

      Gefällt mir

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