[Rezension] Das Mädchen, das in der Metro las von Christine Feret-Fleury

Diese Rezension ist schwierig, weil mich das Buch im ersten Moment verwirrt zurück gelassen hat. Ich konnte meine Gefühle nicht richtig einordnen. Mir hat das Lesen wenig Spaß gemacht, aber irgendwie waren ein paar Stellen ja doch interessant und „irgendwie“ beschreibt das Buch treffend. Es ist nicht halbes und nichts ganzes.

Das Buch ist mit 176 Seiten im DuMont Verlag erschienen und zunächst muss ich sagen, dass die Gestaltung wirklich wunderschön ist. Nämlich im Inneren! Aber das möchte ich ja nicht verraten, also lasst euch überraschen.

Und worum geht es?

Jeden Morgen sitzt Juliette in der Metro auf dem Weg zu ihrer eintönigen Arbeit in einem Maklerbüro und taucht ein in die Welten ihrer Romane. Mal begibt sie sich mit Marcel Proust auf die Suche nach der verlorenen Zeit, mal begleitet sie Hercule Poirot im Orientexpress Richtung Istanbul – manchmal beobachtet sie auch einfach die Menschen um sich herum, die in ihre Lektüre vertieft sind. Es sind die Bücher, die Juliettes Leben Farbe verleihen. Als sie eines Tages beschließt, zwei Stationen früher auszusteigen, begegnet sie dem schrulligen Soliman, der mit seiner Tochter Zaïde inmitten seiner Bücherstapel lebt. Soliman glaubt, dass jedes Buch, wenn es an die richtige Person übermittelt wird, die Macht hat, ein Leben zu verändern. Auserwählte Boten liefern für ihn diese kostbare Fracht aus, an die, die sie nötig haben. Bald wird Juliette zu einer Botin, und zum ersten Mal haben die Bücher einen wirklichen Einfluss, auch auf ihr Schicksal.

Die Charaktere

Kommen wir schon zum ersten irgendwie. Denn Juliette ist unser Hauptcharakter und irgendwie ist sie interessant, irgendwie aber auch nicht. Irgendwie ist sie sympathisch, irgendwie aber auch nicht. Ich mag das Wort nicht, es ist so wischi-waschi. Juliette liebt Bücher. Das ist schon mal gut. Allerdings kauft sie Bücher, obwohl Sie weiß, dass sie die gar nicht lesen möchte. Also wie eine Bücher Sammlerin. Das wiederum finde ich nicht so sympathisch. Ihr seht vielleicht, was ich meine. Juliette war für mich kein richtig greifbarer Charakter, sondern die ganze Zeit über relativ blass. Sie hat keine konkreten Starken und Schwächen, es bleibt oberflächlich. Das ist schade, weil die anderen Charaktere ebenso blass sind. Ihre Arbeitskollegin Chloe genau wie ihr neuer Chef, über den man nie wirklich viel erfährt. Ich konnte mit keinem Charakter wirklich mit fiebern.

Der Plot

Neben den Charakteren war das für mich das größte Problem. Denn während und auch nach des Lesens, blieb bei mir das Gefühl: Es passiert nichts. Doch, es passiert etwas. Aber, das ist nicht wirklich spannend für mich gewesen. Die Geschichte dümpelt so vor sich hin, es gibt kein konkretes Ziel, keine aktiven Handlungen, es passiert etwas, aber ich hätte zu jeder Zeit das Buch abbrechen können und nicht das Gefühl gehabt, etwas verpasst zu haben. Ich hatte einfach ganz andere Vorstellungen nach dem Klappentext. Ich habe mir mehr Informationen über Soliman erhofft, mehr konkrete Schicksale und Menschen, mehr konkrete Auseinandersetzungen mit Büchern, deren Inhalt und wie sich das auf den jeweiligen Mensch auswirkt. Stattdessen kratzt das Buch nur an der Oberfläche, betreibt Name Dropping, das heißt viele Buch Titel werden genannt, aber eine Auseinandersetzung findet nicht statt.

Der Schreibstil

Das war das einzige am Buch, das mir einigermaßen gefallen hat. Der Schreibstil ist passend zur Geschichte eher ruhig, mit vielen langen Sätzen und schon fast poetischen Formulierungen. Man merkt der Autorin die Liebe zu Büchern an, sie greift ein paar interessante Gedanken auf und trotzdem widerholt sie ein paar banale Aspekte. Manchmal hatte ich das Gefühl, die Autorin wolle bemüht philosophisch schreiben und manchmal hat das nicht funktioniert. Da war es langatmig und kam nicht auf den Punkt.

Fazit

Das Buch ist gut zum Lesen zwischendurch, eine leichte Lektüre, die etwas ruhiger ist. Aber das Buch ist bestimmt nicht für jeden etwas, ich glaube, es ist ziemlich Geschmackssache, ob man diese Art gerne mag oder nicht. Das Buch war einfach nicht mein Ding und mir hat die Spannung, die klare Struktur und mehr Handlung gefehlt.

Mein Lieblingszitat

„Wortschmetterlinge, die in dem überfüllten Metro-Wagon flatterten, bevor sie sich auf Juliettes Fingerspitzen niederließen.“ (S. 14)


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