Meine Lese Organisation

Es gibt so Themen, die spielten in meinem Leben schon immer eine Rolle, aber auf so selbstverständliche Art, dass ich mir vor Bookstagram nie bewusst Gedanken darüber gemacht habe. Dazu zählt meine Lese Organisation.

Grundlagen

Ich lese im Schnitt 4 Bücher pro Monat, mal mehr mal weniger. Im Jahr 2016 erscheinen fast 73.000 Bücher (Erstauflagen laut Börsenverein, Wirtschaftszahlen zur Buchproduktion). Ich denke, die Rechnung könnt ihr euch denken. Vor vielen Jahren habe ich noch gelesen und mir nicht aufgeschrieben, was ich gelesen habe. Wenn ich am Ende eines jeden Jahres aber reflektieren wollte, was ich so gelesen hatte oder was mir am besten gefallen hatte, ließ mich mein Erinnerungsvermögen meist im Stich. Wie hieß das nochmal? Von wem war das? Und da war doch noch was…Also begann ich, mir meine Bücher aufzuschreiben. Ich liebe Ordnung und Struktur und habe mir deshalb angewöhnt, mein Lesen zu organisieren.

Was habe ich früher versucht?

Ganz einfach: Stift und Papier. Welche Bücher ich gelesen habe und welche Bücher ich noch lesen will. Vielleicht. Irgendwann. Ab auf die Liste. Mit der Zeit sah ich in der Buchhandlung mal ein Buch, auf Messen, auf Facebook (damals war Facebook noch total In), auf Amazon oder Oma brachte mal wieder was vom Flohmarkt bin. Ab auf die Liste! Also stellt euch das jetzt mal vor. Gefühlt sehe ich täglich irgendwo ein interessantes Buch. Oder ich grabe in den Tiefen meines Gedächtnisses mit „Ach, von dem Autor wolltest du doch auch mal was lesen!“. In einem kleinen Planner Blättchen Papier passen nicht viele Buchtitel auf eine Seite. Mit der Zeit wurden aus zwei Seiten also gefühlt 30. Und immer schön blättern. Ordnung? Struktur? Fehlanzeige. Dabei hatte ich doch gerade noch gepriesen, dass ich das so mag. Es war absolut nicht hilfreich, weil ich überhaupt keine Übersicht hatte über all die Bücher, die ich noch lesen möchte. Nach Beenden des Buches wollte ich das natürlich auf meiner Lese Liste streichen. Also blättern und blättern…nur um es nicht zu finden, weil es vielleicht nicht auf der Liste steht. Oder drei Mal. Stopp.

Was ich jetzt mache

Ich habe mir dann also überlegt, wie ich da für mich mehr Struktur reinbringen kann. Es gibt diese lange Liste mit bestimmt mehreren hundert Buchtiteln. Alles steht irgendwo und überall, aber so richtig Übersicht gab es nicht. Doch für jede Kategorie gibt es ein eigenes System und ein eigenes Medium, das für mich dabei am besten funktioniert. Meine Leseverhalten kategorisiere ich in vier Themen:

  • Lese Liste: Welche Bücher will ich noch lesen?
  • Lese Liste Zwei: Welche Bücher habe ich schon gelesen und wie haben sie mir gefallen?
  • Termin Liste: Wann erscheinen welche Bücher?
  • Mein Sub: Welche Bücher habe ich schon gekauft, aber noch nicht gelesen?

Welche Bücher habe ich gelesen?

Am Anfang habe ich euch ja gesagt, dass ich ungefähr 4 Bücher pro Monat lese (das war mal mehr und wird hoffentlich auch wieder mehr), aber letztes Jahr waren es z.B. 30 Stück. Zunächst hatte ich dafür eine Liste und das ist prinzipiell auch gut so, aber was passiert, wenn das Jahr vorbei ist? Wenn die Liste verschwindet oder der Planner verbraucht wird und ein neuer kommt? Ich stelle mich nicht hin und frage: „Was habe ich wohl 2014 gelesen?“ aber es wäre interessant und ich mag in solchen Systemen Nachhaltigkeit. Listen im Planner sind nicht von Dauer, deswegen bin ich dieses Jahr auf Goodreads gestiegen und finde das auch super bisher! Auf der Seite kann ich nicht nur meinen Lesestatus angeben, mich mit anderen austauschen oder bewerten, sondern die Seite rechnet für mich auch. Es gibt ja Leute, die über 100 Bücher im Jahr lesen. Zählt das mal oder schreibt dafür mal eine Liste. Bei Goodreads trage ich ein, welches Buch ich gerade lese und wenn ich es beendet habe. Dann kann ich auch einsehen, welche Bücher ich in diesem Jahr gelesen habe. In welchem Monat, mit welcher Bewertung, wie lange oder von welchem Autor man am meisten gelesen hat.

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Goodreads hat ebenfalls die Sparte „Want to read“, was meine Leseliste überflüssig machen würde. Warum noch mal per Hand aufschreiben, wenn es auch digital geht? Aber zum einen habe ich teilweise sehr alte Bücher auf meiner Leseliste (mit sehr alt meine ich mehrere Jahre) und zum anderen möchte ich nicht, dass meine Leseliste so öffentlich ist. Das wird sie zwar zwangsläufig, wenn ich die Bücher dann gelesen habe, aber mit einer Leseliste wäre alles auf einmal da und es sind auch ein paar Sachbücher mit persönlichen Themen dabei.

Welche Bücher will ich noch lesen?

Diese Liste ist eindeutig am längsten und bedarf am meisten Struktur. Dabei geht das eigentlich ganz einfach. Bei meinem Praktikum in der Behandlung hatten wir auch drei regale voll mit Bestellungen von Kunden. Und wie wurden diese ganzen Bücher strukturiert? Per Alphabet nach Nachname des Kunden. Genau so handhabe ich das auch bei meiner Liste. Nur merke und notiere ich mir meist eher den Buchtitel als den des Autors. Deswegen habe ich mir ein Notizbuch geschnappt (momentan ist es das von Lesejury) und dort habe ich je 4 Seiten frei pro Buchstabe. Damit ist das Buch dann auch komplett voll, am Ende sind X, Y, Z und Zahlen zusammengefasst, weil mit diesen Buchstaben wirklich selten Buchtitel beginnen.

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Knapp ist der Platz schon bei „D“, weil eben viele Bücher Titel mit „Der, Die, Das“ haben. Innerhalb der Liste sortiere ich nicht noch einmal nach Alphabet (wie im Buchhandel), weil das zu unflexibel ist. So finde ich aber sehr leicht bestimmte Titel auf der Liste bzw. kann Sie bei dem jeweiligen Buchstaben auf die Liste setzen. Auch nachgucken, ob ich mir ein Buch schon gemerkt habe oder das noch aufschreiben geht jetzt schnell. Kein gefühlt endloses Blättern mehr, sondern Anfangsbuchstabe und zack: Gefunden.

Welche Bücher erscheinen noch?

Hier geht es um Termine. Deshalb war das Medium und die Art der Organisation sehr einfach. Wo tragt ihr Termine ein? Im Handy, im Kalender, im Planner, auf Post it Zetteln? Natürlich könnte ich die Bücher einfach am jeweiligen Tag eintragen, aber ich mag ja das Stichwort Übersicht. Deshalb habe ich mir die Monatsübersicht geschnappt und dort mit bestimmten Stickern aus meinem großen Mambi Sticker Pack immer die gleiche Sorte genommen, um am jeweiligen Tag die Neuerscheinungen einzutragen.

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Wenn der Monat mal mit weiteren Terminen, Geburtstagen und co. vollgeschrieben ist, wird die Suche nach den Neuerscheinungen auch schnell zur Augenprobe. Aber so stechen die Termine hervor und ich habe durch die Monatsübersicht außerdem die Übersicht, ob am Anfang oder Ende des Monats mehr Neuerscheinungen erscheinen und kann das entsprechend mit meinen Ausgaben planen. Je nach Länge des Buchtitels schreibe ich auf den Sticker den Titel, Verlag, Format und Preis.

Mein Sub

Früher hatte ich im Flur ein kleines Regal, in dem alle Bücher standen. Beim Umzug glich das Ausräumen einer Schatzsuche. „Oh, was ist das denn für ein Buch?“ „Oh, das habe ich ja auch noch!“ „Oh, das wollte ich mal lesen…“ Vielleicht. Irgendwann. Im Regal, schön sortiert und gestellt mit allen anderen Büchern geht der Sub aber unter. Ich möchten wissen, wie viele Bücher ich schon gekauft, aber noch nicht gelesen habe. Ich möchte Bücher nicht jahrelang im regal stehen haben, weil ich einfach vergesse, das ich sie noch nicht gelesen habe. Wenn sie schon mal so schön da drin stehen. Gleichzeitig will ich nicht immer mehr Bücher kaufen, weil ich vergesse, dass ich schon so viele habe, die ich eigentlich lesen könnte. Das Stichwort Übersicht muss ich eigentlich nicht mehr erwähnen.

Seit ich ein eigenes Bücherregal in meinem Zimmer habe, habe ich auch dementsprechend Platz für ganz viele neue Bücher. Ergo einen großen Sub. Und weil ich das nicht mag, habe ich alle meine ungelesenen Bücher vor das Regal gestellt. Erst wenn ich Sie gelesen habe, stelle ich sie ins Regal. Da ich es nicht mag, Stapel vor dem regal zu haben, weil das für mich so einen unordentlichen, unfertigen Eindruck („Die Bücher muss ich noch wegräumen“ wie „Die Wäsche muss ich noch zusammen nehmen!“) macht, bin ich auch mehr motiviert, diese Bücher zu lesen. Durch den Stapel werde ich in seiner Form auch immer an die Größe meines Subs erinnert und welche ich genau noch habe.

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Und was machen andere? Es gibt so viele Möglichkeiten!

Wie ich mein Lesen organisiere ist nur eine Möglichkeit von sehr, sehr vielen. Es gibt Plattformen, es gibt Warenkörbe auf Thalia, Amazon, Buchhandlungen oder den Verlagsseiten. Es gibt den deutschen Pendant zu Goodreads, Lovelybooks. Es gibt andere Arten, Listen zu führen. Und es gibt eine besondere Organisation, die ich super interessant finde! Ich mache es nicht, weil ich weiß, dass ich es wohl nicht durchhalten würde. Probiert habe ich es allerdings noch nicht.

Gemeint ist das reading tracking, das heißt ich notiere mir, wie viele Stunden ich gelesen habe. An welchem Tag und an welchem Buch. Denn Lese Organisation bedeutet nicht nur Zahlen und Bücher, sondern Lesen ist auch Zeit. Und ich stelle es mir sehr schön und spannend vor, am Ende eines Monats auf die Statistik zurückblicken zu können: Wie viele Stunden habe ich diesen Monat gelesen? Und wie viele jeweils an welchem Buch? Gerade weil man für ein 200 Seiten 2 Stunden, 1 Tag oder 1 Woche brauchen kann. Je nach Schreibstil, Inhalt und Lebenssituation. Es beantwortet auch einfach die simple, individuell definierte Frage: Habe ich diesen Monat viel oder wenig gelesen?

Als Beispiel dafür seht ihr hier mal die hübsche Seite im Journal von Lotte auf Instagram:

Lottes Reading Tracker

Fazit

Es gibt so viele Möglichkeiten, wie man etwas Übersicht in sein gegenwärtiges und zukünftiges Leseverhalten bringen kann. Man kann verschiedene Medien, Formate und Tracking Arten ausprobieren, bis man das richtige für sich gefunden hat. Auch ich werde dieses System vielleicht nicht für immer beibehalten. Irgendwann mache ich wieder etwas anderes. Aber bis jetzt bin ich so zufrieden und habe nicht das Gefühl, in dem gedanklichen Meer aus Büchern zu ertrinken, sondern gezielt zu schwimmen.

Ein paar Zahlen zum Schluss:

  • Mein Sub: 49 Bücher
  • Gelesene Bücher bis jetzt: 20 Bücher
  • Meine „Will ich noch lesen“ Liste: 652 Bücher (nur dafür bräuchte ich also momentan ca. 22 Jahre oder eben 11 Jahre, wenn ich doppelt so viel lese)
  • Neuerscheinungen, in diesem Jahr, auf die ich mich ab jetzt noch freue: 61 Bücher

Ich bin also gut versorgt mit Büchern. Für die nächsten paar Jahrzehnte, also irgendwann. Vielleicht.

Also, wie macht ihr das? Oder lest ihr einfach so vor euch hin, ohne das in irgendeiner Weise zu organisieren? Geht natürlich auch.

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6 Gedanken zu “Meine Lese Organisation

  1. Liebe Yvonne,
    bist du so freundlich und führst auch für mich so schön Listen? Ich scheitere jedes Mal kläglich dabei. Ich fange immer Listen an, nur um sie nach wenigen Wochen abzubrechen. Nicht absichtlich, aber irgendwie vergesse ich die Listen einfach.
    Ich habe lediglich eine Liste, in der ich aufschreibe, wann ich welches Buch angefangen und beendet habe, damit ich einen Überblick habe, wie viele Bücher ich pro Jahr gelesen habe. Aber das war’s dann auch schon.
    Liebe Grüße,
    Janika

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    1. Hallo Janika!
      Haha, Dankeschön! 🙂
      Das kann mir am Anfang auch so. Und wenn ich dann mal ein, zwei Bücher nicht aufgeschrieben hatte, hatte die Liste irgendwie keinen Sinn mehr, weil sie dann unvollständig war und ich habe ganz aufgehört. Aber mittlerweile habe ich da so eine Routine drin, dass ich nichts vergesse 🙂
      Kann dich also sehr gut verstehen!
      Liebe Grüße,
      Yvonne

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  2. Sehr sehr interessant. Und du hast mir gleich mal eine Idee gegeben, worüber ich auch mal bloggen könnte.

    Das klingt nach sehr viel Aufwand, aber ich denke, dadurch, dass du dein System etabliert hast, läuft das mittlerweile auch recht flüssig.
    Das Zeittracking finde ich auch immer sehr interessant, das führe ich auch, so viel kann ich schon mal verraten. Wenn auch weniger hübsch, sondern eher pragmatisch.
    Richtig toll sind dann die Jahresstatistiken. Die sind bei mir immer recht zeitaufwändig, aber ich finde sie sehr spannend.

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    1. Hallo Mel,
      Oh, das freut mich sehr! Vielen lieben Dank 🙂
      Am Anfang war es auch noch sehr viel Aufwand. Aber wenn die Basis erst einmal steht und ich z.B. im Buch immer nur noch das jeweilige Buch unter dem jeweiligen Buchstaben auf die Liste setzen muss, geht das ruckzuck. Genau, flüssig läuft es wirklich 🙂 Die monatlichen Neuerscheinungen dauern etwas länger, aber da kommt ja auch noch das raussuchen und stöbern dazu.
      Das finde ich super! Zeittracking kann sehr interessant sein, gerade wenn man das über einen längeren Zeitraum macht und dann vergleichen kann. Wie eben mit Jahresstatistiken.
      Liebe Grüße und ich bin schon gespannt auf deinen Beitrag!

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  3. Waaaaa! Jetzt habe ich total Lust, wieder mehr zu lesen und mich so richtig in Statistiken und Bücher einzuwühlen, wie noch vor ein paar Jahren. Das Problem, ich habe nicht so viel Zeit oder Gelegenheit zum Lesen. 🙈 Beim Fernsehen lesen funktioniert nur bedingt – und der Fernseher läuft eigentlich immer 😅 Nicht wegen mir, sondern wegen meinem Liebsten, aber das ist okay. Jeder hat ja seine Hobbys. Aber auch durch den Brotjob und die Zugfahren von ehemals 4-6 Stunden täglich sind weggefallen. Mal gucken, wie ich das Lesen wieder besser in meinen Alltag bringen kann.
    Statistiken führe ich nicht mehr, weil mir das den Spaß am Lesen genommen hat. Und auch das Bücherbloggen und die vielen Neuerscheinungen, von denen man zwangsläufig mitbekommt, haben mir nur noch Druck gemacht. Jetzt lese ich wieder entspannter und mehr nach Lust. Viele gelesene Bücher sortiere ich auch wieder aus, ich habe keine Markierungen mehr an den SuB-Büchern, da ich sonst das Gefühl habe, gelesene Bücher nicht nochmal lesen zu dürfen, und Bücher horte ich auch nicht mehr – ich habe sehr viel aussortiert, was nur durch Wühltischkäufe bei mir eingezogen ist. Und ich vermisse kein einziges Buch davon 😅

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    1. Oh Tinka! Dein Kommentar ist im Spam Ordner untergegangen, ich weiß auch nicht warum. Aber jetzt habe ich ihn ja gesehen 🙂
      Haha. Dein erster Satz hat mich gerade SO zum Schmunzeln und Lachen gebracht. Danke dafür und bitte!
      Ich kann auch überhaupt nicht beim Fernsehen Lesen. Mein Gehirn kann sich nur auf eins konzentrieren, ganz oder gar nicht, entweder oder 😀
      Das mit den Neuerscheinungen kann ich absolut verstehen. Seit ich die Blog Beiträge dazu mache ist mir die Flut der neuen Bücher pro Monat/Jahr auch noch viel mehr bewusst geworden. Da kann man schon ganz schön ins Schwimmen kommen. Aber ich lasse mich davon (noch?) nicht stressen. Lese, was ich lese und ob das jetzt neu ist oder nicht…ist dann auch zweitrangig.
      Das finde ich großartig und das mache ich auch oft! Nur die guten/wichtigen Bücher dürfen den Platz im Bücherregal einnehmen und alles andere kommt raus. Entweder zum Verkaufen oder ab in den Bücherschrank. Da sagst du was. 😀 Ich vermisse auch kein Buch, was ich abgegeben habe.
      Viele liebe Grüße!

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