[Rezension] Children of Blood and Bone von Tomi Adeyemi

Was für ein Hype Buch! Vor diesem Buch gab es in diesem Jahr wirklich kein Entkommen. Wo man online auch hin schaute, es war wirklich überall. Deshalb war ich umso mehr gespannt, was mich erwarten würde und hoffte, ich würde es genauso mögen. Ich finde es nämlich immer irgendwie blöd, wenn so viele Leute ein Buch so lieben und man selbst steht dann da und mag es nicht. Aber leider ist genau das hier passiert.

Das Buch ist mit 624 Seiten bei Fischer JB erschienen und darum geht es:

Sie töteten meine Mutter.
Sie raubten uns die Magie.
Sie zwangen uns in den Staub.
Jetzt erheben wir uns.

Zélies Welt war einst voller Magie. Flammentänzer spielten mit dem Feuer, Geistwandler schufen schillernde Träume, und Seelenfänger wie Zélies Mutter wachten über Leben und Tod. Bis zu der Nacht, als ihre Kräfte versiegten und der machthungrige König von Orïsha jeden einzelnen Magier töten ließ. Die Blutnacht beraubte Zélie ihrer Mutter und nahm einem ganzen Volk die Hoffnung.

Jetzt hat Zélie eine einzige Chance, die Magie nach Orïsha zurückzuholen. Ihre Mission führt sie über dunkle Pfade, wo rachedurstige Geister lauern, und durch glühende Wüsten, die ihr alles abverlangen. Dabei muss sie ihren Feinden immer einen Schritt voraus sein. Besonders dem Kronprinzen, der mit allen Mitteln verhindern will, dass die Magie je wieder zurückkehrt …

Vielen Dank an Netgalley.de und den SFischer Verlag für das digitale Rezensionsexemplar!

Die Charaktere

Vorweg: Ich finde es großartig, dass es dieses Buch gibt, denn das Konzept dieses Fantasy Buches rührt aus der rassistischen Polizeigewalt in der USA. Die Charaktere in diesem Buch sind dunkelhäutig, das Buch ist das, was Black Panther für die Superhelden Filme ist. Gerade am Anfang hatte ich aber bei der Beschreibung der Charaktere meine Probleme: Kastanienbraune Haut, Mahagonibraune Haut, hellbrauner Teint, Haut mit dem dunklen Kupferton…Das sind nur ein paar Begriffe. Ja, unterschiedliche Hauttypen zu unterscheiden und zu beschrieben, ist wichtig (wie oft lest ihr das bei weißen Charakteren?), aber hier hatte ich Startschwierigkeiten. Mahagoni assoziiere ich mit einem Tisch, meine Haare waren mal kupferrot. Aber als Hautfarbe? Es kann sein, dass das Problem hier in der deutschen Übersetzung liegt, aber ich habe mir die Charaktere kaum mit verschiedenen Hautfarben vorgestellt, weil mich diese Wörter immer so aus dem Lesefluss gerissen haben, wenn ich überlegte, wie mahagonibraune Haut denn aussieht. Hell, Dunkel etc. hätten für mich als Beschreibung und Unterscheidung vollkommen gereicht, Mahagoni und Kupfer haben mich aus dem Lesefluss gerissen.

Es gibt fünf Hauptcharaktere, von denen drei als Perspektivfiguren dienen, aus deren Sicht das Buch in der Ich-Perspektive geschrieben wird:

Zelie ist die eigentliche Hauptfigur, es ist ihre Geschichte. Und das ist für mich schon das erste Problem. Denn ich empfand sie als sehr zickig, arrogant, impulsiv, trotzig. Wie ein bockiges kleines Kind und gleichzeitig gegenüber Amari sehr herablassend. Somit hatte ich Schwierigkeiten, mich in Zelie hineinzufühlen und das hat sich im Laufe des Buches auch nicht geändert. Ich hätte es besser gefunden, wenn die Geschichte aus Amaris Sicht erzählt worden wäre. Zelie entwickelt sich zwar im Laufe des Buches, aber meine Gefühle zu ihr haben sich nicht entwickelt.

Amari ist eine Prinzessin auf der Flucht und war für mich die eigentliche Heldin des Buches, sozusagen der Scene Stealer. Ich mochte sie meistens und sie lernt im Laufe des Buches am meisten dazu, entwickelt sich und reift. Sie ist stark, ohne überheblich zu sein und das mochte ich sehr.

Tzain ist Zelies Bruder und ich fand ihn super! Gerade am Ende hatte ich manchmal das Gefühl, Tzain ist die Stimme von mir als Leser. Er entwickelt sich auch weiter, aber wesentlich weniger als die anderen Charaktere. Die Kombination aus Bruder-Schwester Gespann als Heldenduo fand ich großartig, doch im Laufe des Buches wird Tzain immer mehr in Zelies Schatten gestellt, was dann schade war.

Inan ist Amaris Bruder, was ich ebenfalls wieder ein tolles Konzept fand. Zwei Geschwisterpaare als Helden. Inan und Amari haben eine sehr interessante Beziehung zueinander, aber Inan konnte ich nicht leiden. Am Anfang war er noch okay, aber das hat sich schnell geändert. So wie mir Zelie das ein oder andere Mal auf die Nerven ging, so war es auch bei Inan. Weil er ein unglaublich inkonsistenter Charakter ist. Ich habe mich beim Lesen manchmal veräppelt gefühlt, weil Inans Motivation und Ziele hin und her springen wie ein Pingpongball und das alles Interessante an ihm zerstört hat.

Der letzte prägnante Charakter im Buch ist der Antagonist, der König. Zu ihm habe ich nicht viel zu sagen, außer, dass er halt der Antagonist ist.

Der Plot

In diesem Buch passiert viel und das finde ich gut. Jeder Plot in jedem Buch ist konstruiert, entsteht durch die Gedanken der Autorin/des Autors. Manchmal merkt man gar nicht, dass der Plot konstruiert ist, weil es so stimmig wirkt, aber manchmal will man sich die Haare raufen. So geht es mir persönlich zumindest und in diesem Buch war letzteres der Fall. Sehr oft dachte ich mir: Warum passiert das jetzt? Weil es passieren muss. Sie suchen X. Oh huch, ganz zufällig ist da X. Was für ein Zufall.

Oder: Sie kämpfen um ihr Leben. Und eine Seite später sind plötzlich alle total fröhlich und locker, weil ein Fest gefeiert und Haare geflochten werden. Wie in jedem YA Fantasy Buch muss es solche Feste geben und dann wird getanzt und geknutscht und gewisse Männer starren die Frauen an, weil sie die Hose gegen ein Kleid getauscht und Make up drauf haben. Diese Inkosistenz in der Atmosphäre und der oft konstruiert wirkende Plot machten es mir schwer, das Buch wirklich zu mögen.

Das Buch hat zwei Liebesgeschichten, von denen mich eine überzeugt hat. Nicht weil sie wirklich logisch wirkte, sondern weil sie einfach süß war. Die andere hat mir leider jeden Nerv geraubt, was natürlich auch nicht gerade zum Lesevergnügen beiträgt. Die Inkonsistenz schlug hier mal wieder zu. Auf einer Seite hassen die Charaktere sich und auf der nächsten Seite ist es Liebe? Das war mir absolut unerklärlich.

Der Schreibstil

Hier habe ich den geringsten Kritikpunkt. Denn Tomi Adeyemis Schreibstil ist echt in Ordnung. Oft sind ihre Sätze eher kurz, aber das mag ich ja. Manchmal wären vielleicht längere Sätze dazwischen besser gewesen, damit es nicht zu abgehakt wirkt. Etwas mehr Beschreibungen hier und da (von Orten, Details, Räumen…) hätte ich aber besser gefunden. Das war am Anfang gut, verlor sich dann später oft in der Handlung. Ich hatte aber das Gefühl, dass ihr Schreibstil bis zum Ende des Buches besser wurde. Flüssiger und stimmiger und ein paar epische Sätze gibt es auch noch. Ich glaube, dass Tomi Adeyemi noch sehr viel mehr Potenzial hat.

Fazit

Am Anfang mochte ich das Buch, aber Zelie ging mir im Laufe des Buches immer mehr auf die Nerven, das tolle Konzept verlor ihren Reiz und Inan ist zu inkonsistent, um interessant zu sein. Das macht für mich das Buch eher schwach. In der Theorie klingt das Buch großartig und ich kann mir auch denken, warum das Buch so gehypt ist, aber für mich hat es in der Praxis auf dem Papier nicht funktioniert. Obwohl ich Band 2 nicht lesen werde, hoffe ich, dass er besser wird.

Anmerkung zum Schluss:

In den USA wurde das Buch so gehypt und geliebt, kritische oder schlechte Reviews habe ich wirklich selten gefunden. Bisher in Deutschland scheint das Gegenteil der Fall zu sein, die ersten Stimmen sind überwiegend nicht so begeistert.

Woran liegt das eurer Meinung nach?

Janna hat hier auch gut geschrieben, dass das Buch dem Konzept nicht gerecht werden kann und erklärt warum: Rezension zu Children of Blood and Bone

Genau wie ich hatte auch Elena große Probleme mit einer der Liebesgeschichten: Rezension von Elena zu Children of Blood and Bone

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4 Gedanken zu “[Rezension] Children of Blood and Bone von Tomi Adeyemi

  1. Liebe Yvonne, ich habe deine Rezension sehr genossen und war tatsächlich überrascht, dass es dir nicht so sehr zugesagt hat. Ich habe bisher nämlich auch nur Gutes über das Buch gehört. Allerdings auch nur aus der englischsprachigen Szene.
    Das Buch steht auch schon in meinem Regal, wohlgemerkt in der Originalfassung, und ich möchte es bald lesen. Mal schauen, wie meine Eindrücke dann sind. Vielleicht liegt es wirklich mit an der Übersetzung, dass es im deutschsprachigen Raum nicht gut ankommt!
    Ich habe aber auch oft Probleme mit zickigen Figuren. Ich kann mich nicht mit ihnen identifizieren, mich in sie hineinversetzen und ich bin meistens nur noch genervt, während ich das Buch lese. Da bin ich also ganz bei dir =)
    Liebe Grüße,
    Janika

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Janika,
      ich hatte auch erwartet bzw. gehofft, dass ich das Buch mögen werde. Wenn man nur positive Meinungen hört, muss es ja gut sein. Das könnte auch sein. Im Englischen wäre es mir aber zu schwierig gewesen. Ich bin wirklich sehr gespannt, wie es dir gefallen wird, wenn du es dann liest! Zelie ist so unglaublich zickig und einfach nur wow manchmal. Da bin ich absolut deiner Meinung! Aber vielleicht findest du sie ja nicht so zickig und magst sie. Wäre nicht schlecht, so als Protagonistin 🙂
      Ich hoffe jedenfalls, dir geht es anders wie mir und du magst das Buch! Es hat ja doch schon ein paar Seiten.
      Ganz liebe Grüße,
      Yvonne

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  2. Hallo Yvonne,
    deine Rezension spricht mir aus der Seele 😀 Und ich frage mich auch wirklich, weshalb das Buch hier in Deutschland nicht so gut ankommt, weil der Hintergrund der Geschichte ja kein Thema ist, das sich allein in den USA widerspiegelt, beziehungsweise müsste man es dann ja trotzdem nachvollziehen können. Das Nachwort der Autorin ist das, was mich an dem Buch fast am meisten begeistern konnte, weil das die ganze Geschichte etwas erklärt. Nur hat mir das Zélie und Co. leider auch nicht sympathischer gemacht 😀 Amari mochte ich wie du mit Abstand am liebsten, aber auch Röen fand ich toll, es war nur schade, dass er so spät eingeführt worden ist, über ihn hätte ich wirklich gerne noch mehr gelesen. Am schlimmsten fand ich mit Abstand Inan und die Liebesgeschichte, ich weiß nicht, wann ich das letzte mal so sehr mit den Augen gerollt habe 😀

    Liebe Grüße,
    Katharina

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Katharina!
      Hach, da bin ich ja froh. Es wäre eine spannende Analyse. Vielleicht ist das Thema in den USA noch mal einen Tick emotionaler, weil die Situation dort präsenter ist als hier? Das stimmt! Oh ja, Röen war auch gut. Er hat mich ein bisschen an Jasper aus Lied der Krähen erinnert. Vielleicht kommt er ja noch mehr in Band 2 vor. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, wann ich zuletzt eine Liebesgeschichte so schlimm und für mich eben nicht nachvollziehbar und nervig fand. 😀
      Liebe Grüße,
      Yvonne

      Gefällt mir

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