[Rezension] Das Paar aus Haus Nr. 9 von Felicity Everett

Ich war sehr gespannt auf dieses Buch, weil es versprach ein sehr interessanter Thriller zu werden, doch leider lag ich damit komplett falsch. Der Roman konnte mich auf keiner Ebene überzeugen und doch habe ich bis zum Ende gelesen, mit der Hoffnung, dass es besser wird.

Worum geht es in dem Buch?

Sara und Neil begrüßen ihre neuen Nachbarn Gavin und Louise. Die Paare sind sich sofort sympathisch. Bald schon erscheint Sara ihr eigenes braves Familienleben neben den weltgewandten Nachbarn trist. Je mehr sie in die geheimnisvolle Welt von Gavin und Louise eintaucht, desto stärker wird die Versuchung, ihr eigenes Leben hinzuwerfen. Doch sie ahnt nicht, was das Paar von nebenan verbirgt. Und jede Veränderung hat ihren Preis. (Klappentext von harpercollins.de)

Ich durfte das Buch dank Netgalley schon vor der Erscheinungstermin als E-Book lesen.

Die Charaktere

Im Grunde gibt es in dem Buch vier Haupt Charaktere und eine Reihe unbedeutender Nebencharaktere. Sara und Neil sind das eine Ehepaar und ihre Nachbarn Louise und Gavin das andere. Hier fangen die Probleme auch schon an, denn:

  1. Sara war mir als Protagonistin unglaublich unsympathisch
  2. Ich fand alle Charaktere eher blass und eindimensional

Gerade weil das Buch aus Saras Sicht erzählt wird, sollte Sie meiner Meinung nach sympathische oder interessant sein. Ein Charakter kann für mich auch unsympathisch sein, nur muss er stattdessen dann wenigstens interessant sein. Bei Sara ist beides nicht der Fall und ich habe des Öfteren den Kopf geschüttelt. Ich konnte mich nicht in sie hineinversetzen, dachte mir oft „Hä?“, weil ich nicht begreifen konnte, wie Sie jetzt auf bestimmte Gedanken kommt. Ich konnte mit ihr nicht mitfühlen und sie hat mich zunehmend genervt. Für mich war Sara ein sehr negativer Charakter, weil sie mir zynisch, herablassend und einfach verbittert vorkam. Um nur mal ein Beispiel zu nennen, wenn es um die Schulbildung ihrer Kinder geht und die Nachbarn über Begabten Förderung sprechen:

„Die Mittelschicht rebellierte, weil sie fürchtete, der Direktor könnte Schulmittel für die Schwachköpfe verschwenden, anstatt ihre kleinen Genies zu drillen.“ (54/246)

Ein anderes Mal, wenn Sie über andere Frauen spricht, heißt es:

„…das verdammte Weib“ (128/246)

Ich rede so nicht über andere Frauen und mag das auch absolut nicht. Vielleicht bin ich da kleinlich, aber leider wurde sie dann nur noch nerviger, je weiter das Buch voranschritt. Sie himmelt Louise und Gavin an, was ich ebenfalls nicht nachvollziehen konnte und das ganze geht dann noch einen Schritt weiter. Sie lässt ihre alte Freundin links liegen, sobald Louis in der Tür steht, lästert über besagte Freundin, werter ihren Ehemann konstant ab (das Hemd sieht so schlimm aus, er ist langweilig etc.) und giftet in Gedanken gegen ihre Mutter, die eigentlich kaum etwas schlimmes macht. So vieles war für mich einfach nicht nachvollziehbar.

Neil war noch der „beste“ Charakter im ganzen Buch. Damit meine ich nicht gut in dem Sinne, sondern einfach, dass ich ihm gegenüber am neutralsten war.

Louise und Gavin kamen für mich nie über Hippie Klischee Schablonen hinaus, obwohl sie vielleicht fasziniert wirken sollten, das kam bei mir nicht an. Sie sind unordentlich, kümmern sich nicht vernünftig um ihre Kinder und bedienen die meisten Künstler Klischees, die ach so frei und „cool“ sind. Alkohol und Drogen inklusive.

Der Schreibstil

Das nächste Problem für mich: Es gab für mich keinen richtigen Lesefluss. Denn die Szenen sind alle relativ kurz und ich hatte beim Lesen eher ein „Abgehakt“ Gefühl. Man springt von einer Szene zur nächsten, aber mir fehlten oft die Übergänge. Wobei ich dazu sagen muss, dass mir die Absatz Gestaltung im Buch auch nicht gefallen hat. Nach meinem Geschmack hatte das Buch zu viele Absätze. Dann ist der Schreibstil der Autorin ziemlich inkonsistent, wobei das natürlich auch an der Übersetzung liegen kann. So heißt es einmal zum Thema Sex „ficken“ und ein anderes Mal ganz blumig „Liebe machen“. Was denn nun? Da passte für mich nicht zusammen.

Der Plot

Ich habe das Buch zu Ende gelesen, obwohl ich normalerweise rigoros abbrechen. Warum? Ich habe gewartet und gehofft. Gewartet auf die wie im Klappentext beschriebenen Veränderungen oder den Preis dafür. Gefunden habe ich beides nicht. Das Buch plätschert vor sich hin, der Spannungsbogen bleibt immer relativ gleich und wenn er mal etwas ansteigt, ist die Szene auch schon schnell wieder vorbei. Ich habe auf Höhepunkte gewartet und keine bekommen. Die Charaktere treffen sich, reden, trinken, bleiben lange auf, essen, lachen, haben Sex, passen auf die Kinder auf und rauchen Joints. Das wars schon so ziemlich. Manche Nebenhandlungen wie Saras Schriftsteller Karriere oder die Idee, die Kinder von zu Hause aus zu unterrichten kommen noch vor, aber so richtig spannend war beides nicht. Ich hatte das Gefühl, nicht voran zu kommen und die Wandlung der Gefühle wirkte plump. Etwas subtiles wäre da besser gewesen und das Ende lies mich mehr als nur unbefriedigt zurück. Wie ein Luftballon, der zerplatzt und dem langsam zischend die Luft ausgeht.

Fazit

Eine absolute Enttäuschung für mich. Wer ein Charakter basiertes, eher langsames Drama erwartet, für den könnte das Buch das richtige sein. Ein spannender Thriller ist es meiner Meinung nach nicht, wobei die unsympathischen Charaktere ihr übriges getan haben.

 


5 Gedanken zu “[Rezension] Das Paar aus Haus Nr. 9 von Felicity Everett

  1. Interessant – ich sitze gerade an der Rezi zu dem Buch und habe es teilweise ganz anders empfunden, allerdings stimme ich Dir zu – wer einen spannenden Thriller erwartet, wird von dem Buch enttäuscht sein….
    Liebe Grüße aus dem Buchreich ♥

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Mila!
      Oh, das klingt gut! Online habe ich auch sehr geteilte Meinungen zu dem Buch gelesen.
      Das war sicherlich auch ein Problem. Durch Cover und Klappentext habe ich eher einen spannenden oder mehr interessanten Thriller erwartet.
      Liebe Grüße,
      freue mich schon, deine Rezi zu lesen dann 🙂
      Yvonne

      Gefällt mir

  2. Oh, wie schade, dass dir das Buch nicht gefallen hat. Es klingt vom Klappentext ja nicht unspannend. Aber ich hätte da wohl eher mehr Paranoia erwartet und danach klingt es ja leider nicht. 😛
    Naja, bestimmt findest du bald ein Buch, das dich dieses hier vergessen lässt. 😉
    LG, m

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