[Rezension] Das Reich der Sieben Höfe Band 3 von Sarah J. Maas

Kennt ihr diese Bücher, auf die ihr euch gefühlt ewig freut und dann werdet ihr enttäuscht und weil ihr euch so gefreut habt, ist die Enttäuschung umso größer? So ging es mir leider bei dem dritten Band der „Das Reich der Sieben Höfe“ Reihe von Sarah J Maas. Aufgepasst: Die Rezension wird konkret Spoiler über die Reihe und Band 3 enthalten!

Das Buch ist mit 745 Seiten im DTV Verlag erschienen und darum geht es:

Feyre hat Rhys und den Hof der Nacht schweren Herzens verlassen. Denn ein Krieg steht bevor, der alles mit sich in den Abgrund zu reißen droht. Um mehr über die Pläne des Königs von Hybern herauszufinden, spioniert sie am Hof von Tamlin, der mit dem König paktiert. Doch währen der Krieg immer näher rückt, ist es Feyres Herz, das sich dem größten Kampf stellen muss …

Die Charaktere

Hier teile ich mal in positiv und negativ ein. Denn leider muss ich das. Positiv waren wie auch im Band zuvor Cassian und Azriel. Die beiden liebe ich wirklich total! Sie haben die nötige Portion Humor, ohne lächerlich zu wirken und Azriel bekommt etwas mehr Anteil, was ich wirklich toll und sehr interessant fand. Die erste Szene der beiden Krieger ist einfach nur episch! Anders kann ich es nicht sagen. Ebenso mochte ich Nesta und Elain, die beide ganz unterschiedlich auf die Ereignisse aus Band 2 reagieren und die ich beide auf ihre Art sehr interessant fand. Super, dass beide wesentlich mehr Material bekommen haben als noch in Band 2, besonders Nesta!

Amren mochte ich nach wie vor super gerne, nur leider rückt ihr Charakter in diesem Band für meinen Geschmack zu sehr in den Hintergrund. Das ist für mich negativ, denn ich hätte mir von ihr gerne mehr gewünscht. Gegen Mitte-Ende des Buches werden neue Nebencharaktere eingeführt, die zum Größten Teil alle toll waren. Interessant oder witzig, aber immer liebenswert. Nur leider kommen diese Charaktere für mich viel zu spät.

Feyre ging mir zwischenzeitlich etwas auf die Nerven und hat die dann mit ihrer Arroganz manchmal etwas strapaziert. Ich hatte das Gefühl, im Film würde Feyre sich zu epischer Musik Slow Motion bewegen. Der schlimmste Charakter in Band 3 war für mich Rhysand. Und was habe ich ihn in Band 1 und 2 geliebt! Es ist einfach nur schade. Rhysand hat für mich alles verloren, was ich an ihm gut fand. Ich mochte ihn sehr in Band 1, immer noch in Band 2 und jetzt? Wo ist der Witz, wo sind die Ecken und Kanten? Rhysand wurde zum weißen Ritter in der strahlenden Rüstung, der den Weltfrieden will und keiner Fliege ein Leid krümmen würde. So war mein Gefühl! Er sagt zu allem Ja und Amen, alles ist gut und er würde sich für alles und jeden opfern. Vermutlich wollte Sarah J Maas die Message weiter geben, dass Rhysand anders ist als Tamlin 2.0. Dass Rhysand Feyre nicht festhält, dass Sie gemeinsam entscheiden, dass er ihr alle Freiheiten lässt und sie nie in Frage stellt. Aber irgendwann dachte ich mir nur: „Ich habe es verstanden!“  Die Buchbloggerin Nihaad hat in ihrem Blogbeitrag (auf Englisch) treffend das Problem mit Rhysand beschrieben: ACOWAR Review   (Aber Vorsicht, er enthält auch Spoiler!)

Es gibt einen weiteren Charakter, den ich in Band 2 wahnsinnig gemocht habe und der in Band 3 vernachlässigt wurde und in der Liebe zu Plot Twists untergegangen ist: Mor. Denn Mor ist lesbisch und hat das noch niemandem gesagt. Schön und gut, wenn Sie noch nicht bereit ist, dass jemandem (oder Azriel) zu sagen. Aber! Zum einen fand ich es nervig, dass sich Sarah J. Maas mit Helion typischer LGBT Klischees bedient (bi Leute wollen ja alle einen Dreier haben) und zum anderen: Lesbisch zu sein ist kein großer Plot Twist. Aber so wirkte es hier. Zum Dritten wäre es kein Problem gewesen, Azriel zu sagen, dass Sie nichts von ihm will. Sie steht nicht auf ihn. Fertig. Das würde reichen, damit er sich nicht all die Jahre Hoffnungen macht und sie liebt, obwohl sie gar nicht mal auf ihn steht. Stattdessen sagt sie nichts und er darf leiden. Sie muss doch nicht sagen, dass sie lesbisch ist, aber sie kann ihm wenigstens sagen, dass das mit ihnen nichts wird.

Der Frühlingshof ist am Anfang sehr prominent, womit ich nicht in dem Ausmaß gerechnet hatte. Das Gute daran ist aber, dass Lucien eine größere Rolle bekommt. Den fand ich in Band 1 und 2 schon toll und deswegen hat mich das sehr gefreut! Man erfährt auch mehr über Luciens Vergangenheit. Tamlin wirkt allerdings wie der Spielball in Sarah J Maas Plot Twist Fieber, denn obwohl Sie vielleicht wollte, dass der Leser Tamlin nicht mag (und wie ich gelesen habe machen das viele Leser auch), so ganz habe ich ihr den Charakter nicht abgekauft.

Es gibt noch ein paar weitere Charaktere, die mich aber nicht so interessiert haben oder überzeugen konnten, wie Jurian. Gefreut habe ich mich allerdings über die Widerkehr von Charakteren aus den ersten Bänden wie der Suriel, der Knochenschnitzer oder die Weberin.

Der Schreibstil

Sarah J Maas schreibt einfach toll. Ihre Sätze sind voll von Metaphern und aus ihrer Feder klingt alles doppelt so episch. Ich konnte das Buch relativ flüssig lesen und auch das Kopfkino sprang wieder an. Auf der Suche nach meinem Lieblingszitat aus dem Buch hat Sie es mir natürlich schwer gemacht.

Trotzdem gibt es auch hier zwei Kritikpunkte. Zum einen waren mir persönlich die Sex Szenen zu viel. Ich muss nicht lesen, wie Feyre gefühlt fünf Mal hintereinander den besten Orgasmus hat und was Rhysand alles mit seinen Fingern anstellt. Da hätten mir ein paar Wörter weniger gereicht. Aber da war ich ja durch Band 2 schon vorbereitet. Zum anderen hat mir die Vielfalt gefehlt: Velaris wird an zwei unterschiedlichen Stellen ziemlich ähnlich beschrieben.

Velaris am Anfang des Buches:

Kein Blut, kein Modergestank, sondern der Duft von Meer und Zitronen. Das Gelächter von Kindern. (S. 143)

Und Velaris am Ende des Buches:

Der Duft nach Zitronen, Meer und frisch gebackenem Brot zog durch die Zimmer. Und draußen auf der Straßen hörten wir Kinder lachen. (S. 735 f.)

Ja, es soll verdeutlichen, dass Velaris wie früher ist. Aber das ist mir zu einseitig, zu harmonisch. Nach fast 800 Seiten Krieg Vorbereitung und Krieg selbst hat sich die Stadt gar nicht verändert? Ich hätte Konsequenzen jeglicher Art interessanter gefunden.

Die Handlung

Mein zweiter größter Kritikpunkt neben Rhysand, Mor, Feyre und Nebencharakteren, die zu spät kommen. Was passiert auf den vielen Seiten? Die Gruppe bereitet sich auf den Krieg vor, es ist Krieg, Feyre und Rhysand haben guten Sex. Das sind die Dinge, die mir am meisten in Erinnerung geblieben sind. Natürlich haben Elain, Azriel, Lucien und Nesta viele gute und wichtige Szenen, aber ich war was die Handlung angeht von Band 2 verwöhnt. Da konnte ich nämlich sagen: Es passiert Dies und Das und dann da und dort…das fehlt hier. Ich hätte es zum Beispiel interessant gefunden, die anderen Höfe kennenzulernen. (Wie in Band 2 den Sommerhof) Aber vielleicht kommt das in den Spin Offs.

Meiner Meinung nach hätten dem Buch 200 Seiten weniger keinen Abbruch getan. Ich habe mich zwischendurch gelangweilt. Wenn A das Problem ist, ist Z die Lösung und Sarah J Maas geht vorher noch das ganze Alphabet durch. Manches hätte man auch einfach haben können. Man muss nicht bei jeder Konfliktlösung zehn neue Konflikte einführen. Es reichen auch zwei und das Buch bleibt trotzdem spannend. Mich hat es irgendwann nur noch genervt.

Gleichzeitig kommt die schon angesprochene Liebe für Plot Twists zum Vorschein. Eigentlich ist das ja etwas Gutes nur hatte ich des Öfteren das Gefühl, Sarah J Maas schreibt den Plot Twist nur um den Plot Twist willen. Es gibt viele Szenen, die machen nicht unbedingt Sinn oder sind nervig, aber man kann sagen: Plot Twist! Gerade am Ende musste ich tatsächlich die Augen verdrehen, weil es einfach so absolut unnötig war. Rhys stirbt und kommt 2 Seiten später zurück ins Leben. Was sollte das? Ich habe nicht geweint, weil ich wusste, dass Sarah J Maas ihn eh wieder zurückholen wird, aber nach 2 Seiten? Das fand ich echt schwach. Generell bin ich von solchen Aktionen kein Fan, weil Sie meistens unnötig sind und die Spannung raus nimmt. Der Einsatz wird dadurch geringer. Denn sollte (!) Sarah J. Maas in einem zukünftigen Spin Off einen Hauptcharakter töten, werde ich als erstes an Feyre und Rhys denken, die beide gestorben und wieder gekommen sind. Also warum sollte man sich überhaupt um den Tod sorgen?

Fazit

Leider war ich froh, als ich das Buch fertig gelesen habe. Die Reihe hat so gut angefangen, aber der dritte Band konnte mich nicht überzeugen. Rhysand ist zum Schoßhund mutiert, Plot Twists stehen über allem und einiges zog sich in die Länge. Trotz allem freue ich mich auf die weiteren Bände, weil ich die ganzen Nebencharaktere liebe und ich gespannt bin, wie es mit ihnen weitergeht. Nur werde ich in Zukunft weniger Erwartungen haben, dann kann es nur besser werden. Vielleicht werde ich das Buch irgendwann in einem Reread ohne Erwartungen besser finden.

Aber ich verstehe, warum so viele Leute das Buch so sehr lieben, ich habe Band 2 ja auch geliebt. Könnt ihr meine Kritikpunkte nachvollziehen?

Lieblingszitat

Unser Kampf war wie ein Tornado aus Sturm und Stahl. (S. 105)

 

 

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7 Gedanken zu “[Rezension] Das Reich der Sieben Höfe Band 3 von Sarah J. Maas

  1. Liebe Yvonne, deine Rezension kann ich so unterschreiben.
    Mir hat A Court of Wings and Ruin auch am wenigsten gefallen… Mit Rhys hatte ich auch immer wieder meine Probleme. Mit Feyre und Mor ebenfalls. Mor war mir auch tatsächlich an einigen Stellen unsympathisch. Gerade weil Azriel sich vermutlich immer noch Hoffnungen macht und sie keinen Schlussstrich ziehen kann.
    Ich finde auch, dass die Handlung etwas kürzer hätte ausfallen könnte. Ich hatte zwar viel Spaß beim Lesen, aber meiner Meinung nach hat sich der Plot immer wieder gezogen, bis dann plötzlich der Krieg richtig da war und das Buch zu Ende war. Das kam in meinen Augen sehr abrupt.
    Vor kurzem habe ich den A Court of Frost and Starlight gelesen, und auch da hatte ich einige Probleme mit den Figuren. Mor war mir nach wie vor unsympathisch, Rhys hatte seine frechen Charme verloren (es war wie du auch schon sagtest: Ja und Amen zu allem) und es gab ein ganz bestimmtes Wort, das ich einfach nicht mehr lesen konnte. Das Wort „Mate“. Ich weiß nicht, wie sie das im Deutschen übersetzt haben, aber das Wort „Mate“ wurde in dem dritten Band und nun auch in der Novelle so unnormal häufig benutzt. Ich konnte es nicht mehr sehen! Und stattdessen den Namen zu schreiben ist ja auch nicht so schlimm…
    Liebe Grüße
    Janika

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    1. Hallo Janika 🙂
      Da bin ich irgendwie erleichtert. Es ist nämlich schwer, für die Reihe Leute zu finden, die die gleiche Meinung vertreten wie ich. Überall sehe ich nur Fangirl Gekreische und Bookboyfriend Liebe für Rhys. Freut mich natürlich, dass andere das Buch so großartig fanden, aber das macht es für mich nicht einfacher. Schön, das es Gleichgesinnte gibt 🙂
      Ja, in der Azriel und Mor Situation war ich auch ganz einfach aufs Azriels Seite, wenn ich eine Seite wählen müsste. Mir tat er einfach so leid und ich fand Mors Verhalten überhaupt nicht fair ihm und seinen Gefühlen gegenüber.
      Ich habe auch immer wieder auf die Seitenzahl geschielt und hatte meist keine Vorfreude, sondern dachte eher „oh so viel noch.“
      Uh oh, ACOFAS ist ein ganz schlimmes Thema bei mir. Das fand ich wirklich schrecklich. Aber ich war auch überhaupt nicht objektiv und habe mich über den Rant eines YouTubers amüsiert. (Acofas is bad von InsaneReader) Nach 15 Seiten war ich einfach schon so mega genervt von den Sex Andeutungen, dass das Buch bei mir schon gar keinen guten Stand mehr haben konnte. Ja, Mate! So viel Augenroll Potential bei einem Wort, wirklich. Im Deutschen heißt es glaube „Seelenverwandter“, das macht es auch nicht besser. Man weiß es doch. Kein Grund, es 3 Mio. Mal zu erwähnen. Ja, wirklich, da hast du so recht!

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      1. Ach du kacke 😂 Die haben das echt mit „Seelenverwandte“ übersetzt? 😅
        Dann muss es ja wirklich Sätze gegeben haben wie „…, sagte mein Seelenverwandter“. Das hätte ich nicht ernst nehmen können. „Mate“ ist vom Wort her ja zumindest akzeptabel!

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  2. Hallo,

    deine Rezension ist einfach nur super. Ich kann dir in vielen Punkten nur zustimmen.

    Während Band 2 einfach nur großartig war, wurde hier so vieles in den Sand gesetzt, allen voran die Charaktere. Mors großes Geheimnis kam für mich aus heiterem Himmel und machte sie durch die Lügen auch extrem unsympathisch. Ich glaube, dass SJM eigentlich eine andere Geschichte geplant hatte, aber weil sich viele Leser über den Mangel an LGBT Figuren beschwerten, wurde mal eben Mors Sexualität angepasst. Helion war dann das Klischee schlechthin…
    Auch Rhys war kaum wiederzukennen. In diesem Teil war er mir einfach zu flach, ohne seine vorherigen Facetten. Tja und die Handlung wurde von dir sehr schön zusammengefasst. Irgendwie gab es einen Krieg mit Vorbereitungen und Feyre und Rhys treiben es miteinander. Die anderen High Lords hatten viel Potenzial, aber für mich wurden sie zu spät in die Geschichte integriert.

    Leider kommt der dritte Teil überhaupt nicht an seinen Vorgänger heran und ich habe dadurch auch etwas Interesse an der Reihe verloren. Die Novelle war ebenfalls nicht das Gelbe vom Ei und Nestas Buch wird erst 2020 erscheinen. Hoffentlich wird diese Geschichte dann besser.

    Liebe Grüße
    Katie
    #litnetzwerk

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Katie,
      Vielen Dank! Gerade bei dem Buch bzw. der Reihe (Stichwort Rhys) und Sarah J Maas selbst ist ja so ein Hype.. ich wurde tatsächlich mal gefragt „Was stimmt nicht mit dir?“, weil ich Band 3 nicht mochte.
      Genau das hat mich wohl am meisten geärgert. In der Buchhandlung habe ich die Frau angestrahlt, als würde sie mir ein Geburtstagsgeschenk machen und Band Drei auszupacken hat sich auch fast so angefühlt. Gerade weil band 2 so großartig war. Der Fall war dann umso tiefer.
      Das ist ein sehr guter Gedanke, es macht einfach null Sinn und ich fand Mor dann so ätzend, weil das absolut keine Entschuldigung war und sie Azriel hätte abweisen können, ohne zu viel über sich selbst preiszugeben. Echt. Und nicht jedes Buch muss auf biegen und brechen LGBT Rep haben. Ja, es ist schön, wenn es LGBT Charaktere gibt, aber es muss auch passen.
      Urgh, Rhys. Er hat alles verloren, was ich so an ihm mochte.
      Ganz genau! Wären die High Lords früher eingeführt geworden, hätte man das Buch für mich vielleicht noch retten können. Aber nicht so.
      Darauf hoffe ich auch sehr! 🙂
      viele Grüße,
      Yvonne

      Gefällt 1 Person

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