[Rezension] White Zone von Katja Brandis

Das Setting, der Klappentext und das schöne Cover haben mich sofort in den Bann gezogen. Leider konnte mich das Buch dann doch nicht so begeistern, wie ich es mir erhofft hatte.

Das Buch ist mit 464 Seiten bei Beltz & Gelberg erschienen und darum geht es:

In der Antarktis, 2030: Sechs vorbestrafte Jugendliche und ein Betreuer. Der Aufenthalt in einer abgewrackten Forschungsstation ist ihre letzte Chance, das Leben in den Griff zu kriegen. Was sie daraus machen, führt sie an den Rand einer Katastrophe …

Die Charaktere

Die sechs Charaktere heißen namentlich Crash, Benny, Seven, Fee, Katja und Dattel. Der Betreuer ist Martin, aber es gibt im Laufe des Romans noch weitere mehr oder weniger wichtige Charaktere.

Crash ist die Hauptperson, aus deren Ich Perspektive erzählt wird. Es ist schon etwas länger her, dass ich so ein Buch gelesen habe und durch die Ich Perspektive ist man sehr nah an den Gedanken der Figur. Daran musste ich mich zu Beginn erst einmal wieder gewöhnen und genau dieser Aspekt hat mich später auch sehr genervt. Crash bekommt nämlich noch eine Liebesgeschichte. Mir hätte es besser gefallen, wenn es die Liebesgeschichte gar nicht gegeben hätte oder sie nicht so präsent gewesen wäre. Nachvollziehen konnte ich sie nämlich auch nicht. Das hat leider zu einigen Augenroll-Momenten geführt. Im Gesamten bin ich mit Crash nie so richtig warm geworden. Mal mochte ich sie, mal war ich neutral.

Zu Beginn der Geschichte hatte ich noch Schwierigkeiten damit, die ganzen Jugendlichen auseinander zuhalten und ertappte mich bei manchen Namen mit der Frage „Wer war das jetzt nochmal?“ Gut fand ich Fee und auch Dattel und Katja haben sich im Laufe der Zeit zu interessanten Figuren entwickelt, denn man erfährt Stück für Stück mehr über ihr Leben vor der Antarktis. Benny blieb für mich blass und Seven war für mich charaktermäßig eher schwach und zu eindimensional. Am liebsten mochte ich wohl noch Martin, den Betreuer. Das kann aber auch an meinem Alter liegen.

Der Schreibstil

Die Autorin hat einen guten Schreibstil, keine Frage und das Buch liest sich flüssig. Was mir weniger gefallen hat, waren die Perspektivwechsel. Ja, später im Buch gibt es ein paar Mal Geschehnisse aus anderen Perspektiven, was dem Buch mehr Tiefe gegeben hat. Hierbei störte mich nur, dass der Wechsel immer um ein paar Sekunden versetzt stattfand. Das heißt Crash sieht etwas und in der nächsten Perspektive befindet man sich wieder eine Minute vor dem, was Crash gesehen hat und dann es erst geht es weiter. Das ist sicherlich Geschmackssache.

Positiv fand ich aber die Vergleiche der Autorin. Sicherlich zündet nicht jeder Vergleich, aber dennoch finde ich gerade diese schwer zu schreiben. Katja Brandis hat oft Vergleiche gefunden, die jeder nachvollziehen kann und die wunderbar passen. So macht Sprache Spaß.

Die Handlung

Hier muss ich leider sagen: Schade! Das Setting ist so wunderbar interessant und einzigartig, die Charaktere sind zum größten Teil in Ordnung…und dann wirkt die Handlung so, als hätte die Autorin sich nicht so richtig entscheiden können, was das Buch jetzt sein soll. Geht es um den „Einsiedler“, als die Jugendlichen merken, dass sie nicht alleine sind? Geht es um die Liebesgeschichte? Geht es um den Walfang, der verhindert werden soll? Kurz: Um alles. Hier hätte ich mir mehr Fokus gewünscht.

Der Anfang war so vielversprechend! Sechs kriminelle Jugendliche inmitten des ewigen Eises merken, dass sie nicht alleine auf der Station sind. Das war spannend und interessant und ich hätte mir gewünscht, dass sich das ganze Buch um diesen Teil der Geschichte dreht und die Nebenplots nicht so viel Raum einnehmen. So fiel die Spannung leider sehr schnell sehr ab, weil der Einsiedler später fast vergessen zu sein schien. Das war sehr schade.

Die Walfang Storyline hat mich nicht begeistert, weil ich sie nicht erwartet habe. Nur der Online Klappentext  verweist auf diesen im letzten Satz. Ich hatte hier einen Moralapostel Beigeschmack. Ja, Walfang ist schlimm und es ist super, dass die Autorin in Jugendbüchern auf solch wichtige Themen aufmerksam macht. Aber für mich war diese Handlung zu lang und ich hatte die falschen Erwartungen.

Das Buch behält nicht nur am Ende interessante Plot Twists bereit, von denen ich den größten leider schon habe kommen sehen. Sehr gut gefallen haben mir dann der Epilog und das Nachwort der Autorin, da diese für den Roman vor Ort recherchiert hat. Das merkt man der Geschichte meiner Meinung nach an und es gab vieles, was ich vom ewigen Eis noch nicht kannte.

Fazit

Ich habe leider mehr und etwas anderen Fokus erwartet, deswegen ist das Buch für mich viel verschenktes Potenzial. Nichtsdestotrotz sind der Schreibstil der Autorin und das einzigartige, faszinierende Setting des Romans lesenswert.

Lieblingszitat

„Manchmal gibt es nichts, was sich so gut anfühlt, wie ein bisschen Angst.“ (S. 28)


2 Gedanken zu “[Rezension] White Zone von Katja Brandis

  1. Hallo Yvonne,
    eine wunderbare Rezension hast du geschrieben, die sehr nachvollziehbar darstellt, was dir an diesem Buch gefallen hat und was eben nicht so. Mit eher eindimensionalen Charakteren kann ich oft ganz gut leben, wenn die Geschichte trotzdem spannend ist, aber was mir nicht so gefällt ist, wenn die Liebesgeschichte so gewollt ist. Meiner Ansicht nach kann die auch einfach oft weggelassen werden und das wirkt hier ja auch so.
    Ich denke, dass ich das Buch eher nicht lesen werde, der SuB ist ja eh immer hoch genug 😉
    Hab einen schönen Abend
    LG
    Yvonne
    #litnetzwerk

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    1. Oh noch eine Yvonne! Hallo 🙂
      Vielen lieben Dank, das freut mich sehr!
      Ja genau. Manche Liebesgeschichten können dem Buch ja auch gut tun, interessant und spannend sein oder auch nur ganz leise im Hintergrund. Das war hier halt leider nicht so.
      Vielleicht gefällt es dir ja trotzdem, aber die Wahrscheinlichkeit ist gering. Deshalb eine gute Entscheidung.
      Danke, den wünsche ich dir auch! 🙂

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